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Meine Trauminsel
Teil 3
Das Angeln vom Kutter auf die Bodenfische
Je nachdem, ob man eher den am Grund raubenden Arten oder den Fischen, die sich die Mägen eher im Mittelwasser vollschlagen, nachstellen will, unterscheiden sich dabei die Angelmethoden. Daher möchte ich kurz einmal die unterschiedlichen Methoden, Montagen und Geräte für die unterschiedlichen Fischarten aufführen. Diese basieren auf der langjährigen Erfahrung von Rolf, dem Chef des Angelzentrums. Zum einen durch die Fänge der erfolgreichen Gäste, zum anderen auch durch seine Zusammenarbeit mit den Berufsfischern. Da haben sich über die Jahre sowohl die besten Stellen wie auch die besten Techniken herauskristallisiert.
Angeln auf Grundfische
Diese Art zu angeln verspricht gerade an Smölas Westküste vor den Schären grosse Erfolge. Allerdings sollte man ein paar Kleinigkeiten dabei beachten. Das fängt beim Gerät an und hört bei der Angeltaktik noch lange nicht auf. Man hat beste Voraussetzungen, wenn man auf das hört, was Rolf einem empfiehlt. Und zwar weil er zum einen schon über 6 Jahre dort lebt, zum anderen weil auf dem gleichen Kai vom Angelzentrum auch die "Fischfabrik" liegt, bei der die Berufsfischer ihre Fänge abliefern. Und Rolf kommt sehr gut mit den Berufsfischern aus. Weil er im Gegensatz zu manch anderen Deutschen das ganze Jahr in Norwegen lebt, die Sprache beherrscht und auch im Winter immer wieder mit den Fischern rausfährt. So kann er zum einen die guten Plätze erfahren, zum anderen natürlich die guten Beziehungen zu den Fischern pflegen.
Auf Grund der Vielzahl der möglichen Angelplätze durch die Unterwasserstruktur vor den Schären mit Unmengen an Bergen, Kanten, Riffs und Löchern kann man zwar überall mit Fisch rechnen. Aber je nach Jahreszeit, Wetter, Strömung und damit Nahrungsangebot sitzen die verschiedenen Fischarten eben nicht immer an den gleichen Plätzen. Durch die Beziehungen zu den Fischern bekommt Rolf aber immer schnell mit, wann welche Fischarten wo und wie am besten zu fangen sind. Niemand muss sich natürlich an die Ratschläge halten - Aber dann soll sich auch keiner beschweren, wenn er weniger fängt als diejenigen, die diese Tipps beherzigen.
Das Gerät
Am besten geeignet sind 30lbs - Bootsruten mit empfindlicher oder jedenfalls nicht zu harter Spitze. Dazu robuste Multis, die mindestens 300m geflochtene Schnur so zwischen 20 und 30 Kilo Tragkraft fassen sollten. Pilker zwischen 500 und über 800 Gramm sind je nach Tiefe und Drift notwendig, um kontrolliert angeln zu können. Dabei sollte man den Enddrilling beim Pilker entfernen, statt dessen einen Gummimak ab 10/0 oben in einen Sprengring (stabil!) einhängen, wo der Pilker in den Vorfachwirbel eingehängt wird. Das Vorfach sollte aus mindestens 0,80er monofiler Schnur bestehen. Ca. 30 cm über dem Pilker wird ein Seitenzweig eingebunden, an denauch wieder ein mindestens 10/0er Mak als Beifänger kommt.
Sowohl der Gummimak am Pilker wie auch der als Beifänger werden mit Fetzen garniert. Am besten ist natürlich eine frische Makrele, aber auch ordentliche Happen vom Köhler funktionieren.
Ist man dann mit dem Kutter draussen, sollte man darauf achten, dass alle Angler Pilker mit denselben Gewichten verwenden. So vermeidet man, dass die Pilker unterschiedlich schnell sinken und unterschiedlich schnell wegdriften. Und dadurch hat man weniger "Getüddel" mit den Nachbarn im Boot und dadurch wieder grössere Chancen auf einen Fisch. Denn den Fisch ma Grund kann man nur dann fangen, wenn der Köder auch am Grund ist, und nicht dann, wenn man mit seinem Nachbarn versucht, das Getüddel wieder auseinander zu bekommen.
Die Montage lässt man absinken, bis man Grundkontakt hat. Dann nimmt man etwas Schnur auf und beginnt zu angeln. Obwohl ein Pilker dran hängt, sollte man nicht wie gewohnt pilken. Ein leichtes anheben und dann sofortiges wieder fallen lassen des Köders ist fängig. Und zwar weil der Pilker auf dem meist felsigen Grund so ein "wahres" Klopfkonzert vollführt. Und dieses ständige Klopfen lockt vor allem Lumb und Lengfisch, aber auch alle anderen bodennah lebenden Arten. Dazu kommt dann noch die Druckwellen von Pilker und Beifänger als zweiter Reiz, der Geruch/Geschmack der Fetzen als dritter Reiz und die Optik von Pilker oder Beifänger als letztlich vierter Reiz. Das macht diese Merthode auch so erfolgreich: Irgendeiner dieser Fressreize wird den Fisch da unten schon an den Haken bringen.
Rolf schwört darauf, dass man keine neuen Gummibeifänger verwenden sollte. Er meint, dass das Trennmittel den Fischen wohl nicht behagen würde. Kocht man die Köder kurz in leicht siedendem Wasser aus und spült sie danach ordentlich ab, hat man schon den ersten Schritt zur "Alterung" der Köder getan. Legt man sie danach in eine Kiste mit "Fischabfällen" vom Filieren, am besten über Nacht, so sagt Rolf dass dann die Fänge wesentlich steigen.
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Je nach Fischart ist der Biss sehr unterschiedlich. Gerade Lumb können sehr fein beissen, oft ist es nur ein feines "Zuppeln" wie beim Rotaugenangeln. Deswegen ist auch die feine Rutenspitze angesagt: Man bekommt solche Bisse leichter mit und kann sie auch besser anschlagen. Der Anhieb sollte erfolgen, sobald das Zuppeln nachlässt und der erste richtige Zug auf die Rute kommt. Jetzt darf man aber auch nicht mehr zu lange warten, sonst hat sich der Lumb da unten auch schon wieder verabschiedet.
Beim Drill sollte man beachten, dass man die Fische nicht pumpt, sondern möglichst gleichmässig und nicht zu schnell über die Rolle einholt. Das verhindert viele Aussteiger - davon konnte ich mich selbst überzeugen. Grob geschätzt konnte ich mit "Einkurbeln" ca. 30 - 40% Fische mehr landen als beim Pumpen. Daher ist es aber auch nötig, eine wirklich stabile Rolle zu verwenden.
Meist gehen bei diese Methode Lumb und Leng an den Haken. Stehen die Dorsche am Grund, packen diese aber genauso gerne zu. Auch Rochen werden gar nicht selten gefangen, und zwar ein teilweise ordentlichen Grössen. Und Steinbeisser bis über einen Meter beissen ebenso wie Seeteufel oder Heilbutt.
Sollten Seelachse sich am Grund rumtreiben, werden sie auch meist den dort angebotenen Köder nehmen. Meist halten sich diese aber im Mittelwasser auf, jedenfalls nicht direkt am Grund. Ebenso wie Schellfische, Dorsche oder Rotbarsche. Will man diese Arten gezielt beangeln, braucht es natürlich wieder eine andere Methode.
Das Angeln vom Kutter auf Seelachs, Dorsch und Schellfisch (und andere Freiwasserarten)
Man kann zwar das gleiche Gerät (30lbs) wie beim "Grundangeln" verwenden, aber normalerweise reicht auch für grosse Seelachse im Freiwasser Gerät der Klasse um 15lbs oder 20lbs. Für diese Angelei kann man auch grosse und robuste Stationärrollen einsetzen, ich selber bevorzuge aber auch da eine vernünftige Multi.
Auch hier sollte man das Vorfach nicht zu schwach wählen - Gerade wenn grosse Seelachse zu erwarten sind. Und nicht zu viele Beifänger montieren!! Denn wenn grosse Köhler da sind, hat man oft genug mehrere Fische der Kategorie um oder über einen Meter auf jedem freien Haken der Montage. Und da kommen im Normalfall viele wieder ab. Denn gerade Köhler machen einen ordentlichen Rabatz.
Auch sieht die Montage etwas anders aus als beim Grundangeln:
Den Drilling lässt man jetzt am Pilker dran. Ca. 30 - 50 cm über dem Pilker folgt der erste Mak, nochmal einen Meter drüber der zweite. Da die Fische im Freiwasser meist aktiv rauben, kann man auf den Einsatz von zusätzlichen Fetzen ruhig verzichten.
Man lässt den Pilker einfach bis zum Grund hinab. Dabei sollte man zwischendurch immer wieder kurz stoppen, wenn man noch nicht weis in welcher Höhe die Fische stehen. Hat man keinen Biss beim absinken bekommen, holt man die ganze Montage, immer wieder unterbrochen von einigen Pilkbewegungen, wieder nicht zu schnell ein. Die Tiefe, in welcher der Biss kommt, sollte man sich merken. Optimal ist es da, wenn man einen Schnurzähler auf der Rolle hat, ansonsten muss man eben die Zahl der Kurbelumdrehngen vom Grund weg zählen um wieder in den fängigen Bereich zu kommen.
Den oft gehörten Tipp mit dem markieren der Angeltiefe mit einem Edding kann man getrost vergessen. Denn wer die Schnur nach einem Köhlerbiss mit einem Edding markieren will, verliert dabei entweder den Fisch oder er hat mehr Glück als Verstand.
Leider kann man gerade bei Seelachsen nie garantieren, dass man die Schwärme mit den grossen Exemplaren findet.
Das sollte aber kleinen Angler dazu veranlassen, die Kiste mit den oft vorkommenden Schwärmen von 2 oder 3 - pfündigen zu füllen. Denn wer unter einem soilchen Schwarm fischt, statt jeden Kleinköhler ins Boot zu holen, wird vieleicht weniger Bisse haben, im Normalfall aber die deutlich grösseren Fische. Und nicht nur die grossen Köhler stehen unter den Schwärmen der kleinen - Auch grosse Dorsch, Lengs oder sogar der grosse böse Butt. Beisst allerdings ein solcher in kapitaler Grösse, ist das oben genannte Gerät normalerweise zu leicht für eine erfolgreiche Landung. Wer also gezielt den Butts im Freiwasser, wo sie jagen, nachstellen will, sollte auch hier entsprechend diminsioniertes Gerät der 30lbs oder sogar 50lbs - Klasse verwenden. Mit entsprechend stabilen "Anbauteilen" wie Haken, Sprengringe, Vorfach etc.
Beissen beim Angeln im Freiwasser (teilweise auch über Grund) grosse Schellfische, sollte man das Vorfach auswechseln und Makrelenvorfächer anbinden. Dazu schneide ich aber immer mindestens 2 der meist 5 oder 6 Beifänger ab. Die Schellfische haben ein relativ weiches Maul, daher kann es sich durchaus lohnen in diesem Fall ein längeres und auch dünneres monofiles Vorfach zu verwenden. Dann hat man auf Grund der Dehnung weniger Aussteiger.
Falls man einen der grossen Rotbarsche, die normalerweise weiter draussen leben, an den Haken bekommt, sollte man auch sofort auf ein Makrelenvorfach umsteigen. Meist ziehen die Schwärme der grösseren Rotbarsche nur kurz mal an der Schärenkante entlang um dann wieder im Tiefen zu verschwinden. Wer jetzt ein Makrelenvorfach parat liegen hat, kann meist immerhin mehrere Rotbarsche erwischen, bevor sie wieder verschwunden sind.
So kann man auf Wunsch auf Smöla praktisch alle Meeresangelmethoden (auch das Angeln auf Platte/Aal mit Brandungsrute ist möglich) erfolgreich betreiben - wenn man das richtige Gerät hat und sich an die Tipps von Rolf vor Ort hält.
Ich freue mich schon wieder auf meine nächsten Arbeitsaufenthalte auf meiner Trauminsel.
Thomas Finkbeiner
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