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Zu Gast bei ...
Heute: Rolf Kirchhoff, Angelzentrum Steinsøya auf Smøla, Norwegen
Anlässlich eines Aufenthalts in Norwegen hatte "Board-Reporter" Laksos die Gelegenheit, mit dem deutschen Betreiber dieses Angelcamps, der seit mehreren Jahren auf Smøla lebt, ein ausführliches Interview für die Anglerpraxis zu führen.
Das Interview
Anglerpraxis: "Du bist jetzt seit einigen Jahren hier in Norwegen. Möchtest du später noch einmal zurück nach Deutschland?"
Kirchhoff: "Nein, ich bin hier glücklich geworden."
Anglerpraxis: "Was sind deine größten Schwierigkeiten, mit denen du hier zu kämpfen hattest oder hast?"
Kirchhoff: "Ach, die Leute sind anfangs ein bisschen zurückhaltend und müssen einen erst kennen lernen. Dann sind sie aufgeschlossen. Wir hatten mal im Winter einen Sturmschaden, durch die Hilfe der Leute hier sind wir mehr zusammengekommen. Ein riesengroßer Teil hat absolut nichts gegen Ausländer, wenn sie sich entsprechend feinfühlig verhalten! Mit der Sprache gibt es wenig Probleme, Englisch hilft einiges. Der Norwegische Staat hat uns einen Norwegischkurs spendiert, 500 Stunden Minimum, wer will, freiwillig noch mal 350 Stunden dazu. Nach Kursende gibt es auf Wunsch eine Sprachprüfung mit Zertifikat, die habe ich gemacht. Sie ist z.B. hilfreich bei Bewerbungen um Arbeit."
Anglerpraxis: "Was gefällt dir hier am meisten?"
Kirchhoff: "Das Zusammenleben mit den Leuten, die Ruhe, die die Leute ausstrahlen, das höfliche Miteinanderumgehen, und dass es hier keine Ellenbogengesellschaft gibt."
Anglerpraxis: "Das Angelzentrum befindet sich noch im Ausbau: Wann, schätzt du, wird alles endgültig fertiggestellt sein? - Wie viele Gäste kannst du im Augenblick und nach Fertigstellung der Anlage aufnehmen?"
Kirchhoff: "Fertig werden wir nie. Da werden notwendige Änderungen entdeckt, auf Hinweise und Ideen der Gäste eingegangen, alles noch etwas attraktiver zu gestalten. Hauptsächlich wichtig ist, das die neuen Zimmer bis zum Winter fertig werden, das ist das Ziel. Der momentane Ausbau dient hauptsächlich dazu, um Überschneidungen der Gästezeiten kurzfristig zu puffern und überbrücken zu können. Jetzt können wir 18 Gäste aufnehmen. Wenn alles fertig ist, haben wir 26 Betten."
Anglerpraxis: "Wie kommst du mit deinen norwegischen Mitmenschen, Nachbarn und Geschäftspartnern (Bank, Steuerberater, Verwaltung, etc.) zurecht?"
Kirchhoff: "Das hab' ich eingangs ja schon teilweise beantwortet. Arbeitsmäßig habe ich z.B. bei der Kommune die Zeichnung für den Anbau eingereicht, und schon in 14 Tagen von einer einzigen Person die Genehmigung und alle notwendigen Infos erhalten. Das war sehr angenehm. Auch der Steuerberater ist sehr hilfreich. Mit meiner Hausbank hier auf Smøla gibt es einen großen Unterschied zu Deutschland: Es gibt keine langen Anmeldezeiten, und die Leute nehmen sich Zeit für dich."
Anglerpraxis: "Wie viele Mitarbeiter arbeiten in der Anlage?"
Kirchhoff: "Die Mitarbeiter Monika und Frank (Ehepaar, Anm. d. Verf.) arbeiten ganzjährig hier. Moni ist für die Küche und die Verpflegung zuständig. Frank ist der "Hausmeister" und kümmert sich um die Boote, Reparaturen und die ganze Technik. Ich kümmere mich um die Gäste und das ganze Drumherum. Aber eigentlich helfen wir uns gegenseitig bei allem. Meine Frau, die einen eigenen Beruf als Architektin in einem Architekturbüro an 3 Tagen in der Woche hat, arbeitet auch in der Anlage mit."
Anglerpraxis: "Aus welchen Ländern kommen die Gäste überwiegend?"
Kirchhoff: "Die meisten aus Deutschland, dann Österreich, Polen, Tschechei und Holland. Schweizer und Norweger kommen auch."
Anglerpraxis: "Kommen vorwiegend Anglergruppen oder mehr Einzelangler als Gäste?"
Kirchhoff: "Einzelangler kommen sehr wenig. Sonst sind die Gäste eigentlich gemischt, im Sommer kommen immer mehr Familien. In dieser Zeit kann man doch viel mehr unternehmen und einen kombinierten Angel- und Erlebnisurlaub machen. Wenn Angelgruppen kommen, sind Gruppen bis 8 Personen recht günstig vom sozialen Kontakt her innerhalb der Gruppe."
Anglerpraxis: "Passiert es oft, dass sich absolute Nichtangler hier einquartieren?"
Kirchhoff: "Relativ selten. Der Trend ist wohl, dann Angeln zu fahren, wenn die Wetterbedingungen angenehm und die Fänge noch gut sind und dann auch noch andere Unternehmungen zu starten."
Anglerpraxis: "Ein paar der Boote liegen im Wasser, einige an Land; wie viele Boote stehen dem Angelzentrum zur Verfügung?"
Kirchhoff: "7 Boote stehen zur Verfügung, die 2 Kanus nicht berücksichtigt, so dass theoretisch alle angelnden Gäste gleichzeitig raus können. 2 Boote sind größer, von ihnen kann man mit bis zu 8 Personen bequem angeln."
Anglerpraxis: "Sind die Fangaussichten in den einzelnen Monaten unterschiedlich aussichtsreich? Evtl. auch wetterbedingt, wenn weniger Bootsausfahrten möglich sind?"
Kirchhoff: "Im November und Dezember kann es vom Wetter her manchmal eng werden. Januar bis März gibt es mehr Dorsche, da sie dann bis in die Fjorde hineinziehen. In den anderen Monaten wird die Fischvielfalt größer."
Anglerpraxis: "Kommst du oder deine Mitarbeiter noch selbst zum Angeln? Und wenn: Wann? Wie angelst du persönlich lieber, vom Land oder vom Boot aus?"
Kirchhoff: "Die beiden Mitarbeiter angeln fast gar nicht, nur etwas vom Land aus, wenn mal etwas Zeit ist. Nicht seefest (lacht)! Ich selbst habe mehr Spaß, mit der Spinnrute loszugehen. Dann probiere ich auch unterschiedliche Sachen aus, suche günstige Stellen und erfolgreiche Methoden. Aber ich angel' auch gerne mit der Spinnrute auf dem Meer und fahre dann raus, wenn die Bedingungen sehr günstig sind. Das kann ich mir ja aussuchen, falls aber überhaupt mal etwas Zeit ist."
Angelpraxis: "Wie kommt man mit dem Wetter übers Jahr klar? Gehen einem vielleicht Dunkelheit und schlechtes Wetter in der dunklen Jahreszeit aufs Gemüt?"
Kirchhoff: "Da unterliegst du einer Fehleinschätzung! Im Winter ist es bei uns nur geringfügig länger dunkel als in Deutschland. Viele Gäste kommen im Januar und Februar, weil das Wetter glasklar ist und eine unheimliche Sicht herrscht. Durch den Golfstrom besteht eine Durchschnittstemperatur von -1° C bis +1º C. Letzten Winter hatten wir z.B. nur 1 Woche Schnee. Für nächstes Jahr haben wir wieder Anmeldungen von Leuten, die schon mal im Winter hier waren. Sie wollen einen Kombi-Urlaub Skifahren (in Skigebieten wie z.B. Aure mit Langlauf und Abfahrt, nicht sehr weit entfernt) und Angeln machen. Eine Höhensonne für Lichttherapie brauchen wir hier also nicht (lacht). Die Klimaforscher haben festgestellt, dass auch in Norwegen die Sommer immer wärmer und länger werden, das haben wir die letzten 3 Jahre selbst gemerkt."
Anglerpraxis: "Hast du noch irgendwelche Pläne für die Zukunft oder bist du zufrieden, wie es mit dem Angelbetrieb jetzt und später nach Fertigstellung der Anlage läuft?"
Kirchhoff: "Wie gesagt, wir werden ja nie fertig. Einige Sachen haben wir geplant, die dem Komfort dienen. Wir wollen noch einen richtigen Räucherofen und Grills bauen, eine Sauna im "Diesel(bau)wagen, der auf dem Kai steht, einrichten und ein "Sudfass" zu der Sauna aufstellen."
Anglerpraxis: "Wenn du dir etwas wünschen könntest, was wären deine größten Wünsche?"
Kirchhoff: (überlegt lange) "Uns geht es eigentlich gut. Wir haben in den 6 Jahren, die die Anlage jetzt steht, einen festen Kundenstamm aufgebaut, der eine familiäre Atmosphäre liebt und der bei uns außer dem Angeln Norwegen nähergebracht bekommt. Das Angeln macht hier einen Mordsspaß, durch die vielfältigen Möglichkeiten gerade im Sommer. Wir möchten es so einrichten können, dass wir z.B. Anglerfrauen und Familien mit Kindern auch in der Angelzeit der Männer Unterhaltung und Abwechslung bieten können, damit es ein Erlebnis für alle wird. Das wird ja von vielen Anglern unterschätzt, wenn sie selbst ständig nur Angeln und nicht mitkriegen, was ihre Familien eigentlich noch alles gern unternehmen würden. Mallorca- und Shoppingurlauber sind hier aber fehl am Platze. Ein paar Fahrräder wollen wir uns noch zulegen und Leuten mit Interesse das Zubereiten von fremden (Fisch)Speisen näher bringen. Angelurlaub muss ja nicht bedeuten, früh um 5 raus und abends um 10 rein. Wir haben etwas dagegen, wenn Urlauber ihren Urlaub mit Fisch finanzieren und untermassige Fische filetieren wollen.
Es steht fest, dass ab nächstem Jahr die Vermietung der Boote anders gehandhabt wird: Künftig werden die Boote nicht mehr zwangsläufig in Kombination mit der Zimmermiete oder wochenweise vermietet. Wir wollen den Gästen mehr entgegenkommen und die Boote dann flexibler auf Wunsch bei Bedarf tageweise vermieten, je nachdem, wie die Gäste das möchten. Das ermöglicht ein vielfältigeres Angeln, z.B. vom Ufer aus oder mit Kanus auf Meerforellen etc. und Ausflüge einzuflechten."
Anglerpraxis: "Wir danken dir für das Gespräch."
Norbert Wiercimok ("Laksos")
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