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"Lockes" erste Meerforelle
Endlich, endlich Küste! Der Termin passte, und so zogen Thorsten ("Locke") und ich heute los, um ein paar Dorsche zu ärgern. So die Planung…
Erstmal auf dem Weg nach Weissenhaus ein Umweg über Lübeck, wo Locke ein "neues Utensil" übernahm, was ihn ziemlich lange ziemlich dümmlich grinsen ließ.
Zudem verschwand sein Kopf immer wieder im Kofferraum, begleitet von unappetitlichen Schmatz-Geräuschen – bis ich ihn dabei erwischte…
Naja, irgendwo ja auch verständlich...
Dann waren wir endlich vor Ort. 14:30 Uhr. Relativ wenig Angler, ein Belly und ein paar Bootangler – also ein wunderbares Fischen! Und auch das Wetter war einfach der Hammer! Sonne, ein leicht auffrischender, schräg auflandiger Wind: perfekt!
Locke hatte zwei Ruten dabei. Die eine bekam er als Fundsache über sieben Ecken. Eine 2,70m-Rute, und er wollte einfach mal testen was mit ihr geht. Eine Ersatzrute nahm er – sicherheitshalber – auch noch mit…
So fing er an, zu fischen – mit einem schwarz-silbernen Flash den er gefunden(!) hatte. Ich lachte ihn gerade ein bisschen aus ob der mit der Rute erzielten Wurfweiten, als ich nach seinem dritten Auswurf auf einmal ein "SÖÖÖÖNKÄÄÄÄÄ!" von ihm hörte.
Er stand da wie ein Fragezeichen mit weit aufgerissenen Augen; die Rute krumm. Ich dachte zuerst, er macht diesen lustigen Anglerscherz "Ich-habe-nen-Hänger-aber-tu-mal-so-als-sei-es-ein-Kapitaler". Dann verarbeitete mein blondes Hirn allerdings, dass es relativ selten Hänger gibt, die bei still gehaltener Rute Schnur nehmen… FISCH! Und er nahm ordentlich Schnur! Für mich begann eine Lehrstunde in Im-Wasser-Multitasking: eigene Rute verstauen, zu Locke waten, Kamera herausholen, dumme Sprüche machen, Kescher richten, vor-Freude-fiepsen, fotographieren…
Locke im Drill
Der Fisch – schon hier klar zu erkennen gefärbt – kämpft wie ein Irrer! Aber der Kescher wartet schon…
Ich muss sagen, dass Locke für seine erste Mefo außerordentlich cool blieb. Er ließ sie in Ruhe ihre Fluchten nehmen und führte sie dann irgendwann über den Kescher.
Ein echt FETTES GERÄT! Wir haben den Fisch nicht gemessen, um ihn so schnell wie möglich wieder zu releasen, aber so bis Mitte 60 dürfte er haben! Nochmal ein fettes "Petri" an Thorsten für seine erste Mefo!
Dann kam Lockes Ruten-Resumee: "Ich glaube, die Rute ist nixx für die Küste von Land aus – zu kurz, zu weich!"
Tja, aber Locke muss sich nicht wirklich überlegen, ob er sie noch mal einsetzen wird, denn kurze Zeit später hatte die Rute Locke die Entscheidung abgenommen…unglaublich, was bei einem einfachen Auswurf alles so (&wo) wegknacken kann…
Nur gut, dass er die Ersatzrute dabei hatte!!
Tja, jetzt kommen wir zu dem bildermäßig unbelegten Teil der Geschichte...
Es fing gerade an zu dämmern, als keine 20m vor mir nach einem Spinnstopp die Rute bei mir krumm war – und zwar richtig krumm!
Irgendwas hatte sich den schwarz-roten Spöket-Wobbler in der Absinkphase genehmigt. Eigentlich war ich zunächst fest von einem Dorsch überzeugt – dunkel genug war es. Aber so früh so heftig an der Oberfläche?! Und so wilde Fluchten…?
In der Zwischenzeit kam Locke zum Keschern zu Hilfe und ich erfreute mich heftigst am Drill meiner insgesamt vierten Meerforelle, die wirklich ordentlich Dampf machte! Schnell war zu erkennen, dass auch sie gefärbt war.
Schließlich war sie im Kescher – was für ein Kaliber! Mindestens so groß wie Lockes, wahrscheinlich hatte sie sogar etwas mehr auf den Rippen. Sauber gehakt im Maulwinkel.
Tja, und was dann passierte schildert Euch lieber Thorsten selbst:
"Wer Weissenhaus kennt, der weiß, dass im Wasser eigentlich nur Steine liegen! So mit allem erdenklichen Flora und Fauna des Meeres bewachsen, richtig schön glitschig. Ich bin mit meinem Optimistenkescher zu Sönke geschliddert und dachte mir ne neue Methode aus: Mein richtig tiefes Netz halte ich gekonnt mit einer Hand im Griff, während ich mit der anderen Hand rotierende Bewegungen komponierte, um das Gleichgewicht zu halten. Irgendwie sprang die fette Trutta in den Kescher hinein, verhakte den treuen Spöket im Netz, befahl mir, das Netz weiter in der Hand zu behalten und den Kescherrand tief im Wasser zu lassen, damit sie wieder hinauspringen kann. Ja und so kam es dann auch. Der Spuk war schnell wieder vorbei…"
Die Befreiungs-Schüttelattacke der Mefo war wirklich ein Sekundenbruchteil. Und dann DIESER Moment: Stille. Ungläubiges Starren. Locke schaut sich langsam um und murmelt nur "Die ist jetzt nicht weg… oder?"... da hätte nur noch gefehlt, dass im Hintergrund stumm ein Wüsten-Strohballen durchs Bild rollt und eine Grille zirpt...
Dann wurde es dunkel --- und nichts passierte!
Thorsten fing einen Dorsch um die 35 cm, das war es dann aber auch.
Zwar fing Locke nun an, sein "Fangrevier" mit diversen Ködern im Seegras abzustecken (vielleicht ein Haar-Losen-Brauch oder so…) aber weitere Dorsche kamen nicht…
So kann's gehen beim Angeln... Eigentlich fährt man los, um Dorsche zu ärgern und dann kommt alles anders. Aber gerade dafür liebe ich das Angeln!
Was für ein genial-schön-Wetter-Mefo-Fischtag!
Sönke Städtler
Fotos: S. Städtler
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