|
Artikel als .pdf herunterladen (212 KB) !?
Gut gewählt
Zwei Angler stehen nebeneinander und fischen mit ihren Spinnruten. Die Barsche scheinen heute bissig zu sein. Zumindest holt einer der beiden aller paar Würfe einen Stachelritter aus dem Wasser, manch schönes Exemplar ist dabei. Der andere hat hingegen eher wenig Erfolg, obwohl er genau wie Angler 1 mit einem 3er Spinner fischt. Nur gelegentlich ruckt es kurz an seiner Spinnrute und noch seltener kann er einen Barsch landen. Ein Szenario, was man immer wieder erlebt. Beim genaueren Hinsehen wird der Grund für die Fangunterschiede klar. Der Erfolgreiche angelt mit einer feinen Rute und dünner Schnur, der andere hat eine kräftige Geflechtschnur im Einsatz und sein Köder baumelt noch dazu an einem Stahlvorfach. Viele Fänge entgehen einem beim Spinnfischen, weil das Gerät falsch zusammengestellt ist. In der Regel wird mit zu starkem Material gefischt.
Vor dem Beginn eines Angeltages sollte man sich immer die Frage stellen, was man denn überhaupt fangen möchte. Will man einen großen Fang machen und dabei einen Schneidertag riskieren oder will man einfach mit feinem Gerät viele, eher kleinere Räuber auf die Schuppen legen. Dabei spielen natürlich auch der Bestand und die zu erwartende Fischgröße im Gewässer eine Rolle.
An einem kleinen Vereinstümpel beispielsweise ist in der Regel nicht mit Meterhechten zu rechnen. Dafür sind stehen die Fische häufig unter einem starken Angeldruck und sind daher relativ materialscheu. Barsche und kleinere bis mittlere Hechte sind hier zu erwarten. Wer es gezielt auf Barsch probieren möchte, fischt hier am besten mit einer leichten Spinnrute und durchgehend monofiler Schnur. Vor allem Barsche sind definitiv schnurscheu. Darum ist von geflochtener Schnur und einem Stahlvorfach beim gezielten Barschangeln abzuraten. Wenn ein größerer Hechtbestand im Gewässer vorhanden ist, kommt man dennoch nicht um ein Stahlvorfach herum. Jedoch sollte dieses so dünn wir möglich sein, da es ja nur zur Absicherung bei eventuellen Hechtbissen dient. Diese kommen beim Barschangeln allerdings nur selten vor, da die Hechte nur im Sommer aufgrund von erhöhtem Brutfischaufkommen häufiger auf die kleinen Barschköder beißen. Eine brauchbare Alternative ist auch ein Fluocarbonvorfach in 0,40 bis 0,50 mm Durchmesser, vor allem wenn die Hauptschnur geflochten ist. Dieses ist im Wasser kaum sichtbar, dafür lassen sich damit auch mittelgroße Hechte noch sicher landen. Allerdings beeinträchtigt das sehr steife Material die Laufeigenschaften sehr kleiner Kunstköder ein wenig. Zum gezielten Hechtangeln, mit entsprechend größeren Ködern, in Gewässern, wo keine allzu großen Hechte vorkommen ist es allerdings sehr empfehlenswert. Ich habe damit auch in stark befischten Teichen gute Erfolge erzielt.
Szenenwechsel: Ein kleiner Fluss mit zahlreichen Rauschen und Kurven liegt vor uns. Ein perfekter Lebensraum für Döbel, Forellen und Barsche. Hier ist ebenfalls feines Gerät gefragt. Eine leichte bis mittlere Rute und eine Rolle, welche mit Monofiler bzw. dünner Geflochtener bespult ist, stellen hier das optimale Gerät dar. Bei geflochtener Hauptschnur setze ich ein meterlanges 0,20 bis 0,30 mm starkes Fluocarbonvorfach ein, bei monofiler Schnur verzichte ich auf ein Vorfach.
An größeren Flüssen ist zum Spinnfischen eine geflochtene Schnur fast immer am empfehlenswertesten, wobei auch hier teilweise die zuvor genannte „Bachkombi“ bedingt eingesetzt werden kann. Dies gilt beispielweise für das Fischen mit kleinen Ködern auf Rapfen, Döbel und Barsch unterhalb von Wehren im Hochsommer oder das Angeln in kleinen, schnellfließenden Altarmen. Andere Fischarten beißen unter diesen Bedingungen verhältnismäßig selten. Eine Ausnahme bilden Welse. Es kommt häufiger vor, als man denkt, dass gute Waller an heißen Sommertagen unterhalb von Wehren nach kleinen Ködern schnappen. Der Grund für dieses Phänomen ist mir relativ unklar. Es steht zwar fest, dass man mit etwas stärkerem Gerät vielleicht den einen oder anderen Döbel weniger fängt, dafür aber noch recht gute Chancen hat einen großen Beifang zu landen. Beim Flussangeln mit größeren Spinnködern oder auch beim nächtlichen Zanderspinnen sind eine mittelstarke Spinnrute und eine geflochtene Schnur auf jeden Fall Pflicht. Auch sollte hierbei auf ein Stahlvorfach oder ein starkes Fluocarbonvorfach niemals verzichtet werden, schließlich sind die Zielfische hierbei ja Hechte, Zander und nicht zuletzt auch Welse. Von Vorfächern aus Hardmono halte ich übrigens sehr wenig, weil sie nur in großem Durchmesser Hechtzähnen standhalten und dann kaum noch unauffälliger sind als ein Vorfach aus mittelstarker Stahlseide. Zwar beißen Döbel und Barsche dann kaum noch, dafür können die eigentlichen Zielfische sicher gelandet werden und dies sollte in jedem Fall oberste Priorität haben.
Keine Kompromisse bei der Gerätewahl sollten an typischen Hechtgewässern, wie großen Seen oder Boddengewässern, gemacht werden. Eine kräftige Spinnrute, eine 0,20er geflochtene Schnur und ein Stahlvorfach beziehungsweise eine Spinnstange sind hier das Maß aller Dinge. Es kann jederzeit der Hecht des Lebens beißen und diesen will man schließlich auch landen.
Veit Wilde
| | Werbung
|
| |
|