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Der Nebelhecht

Der morgendliche Blick aus dem Fenster gibt Gewissheit – es ist wieder Nebelzeit. Diesmal beginnt das Abenteuer schon mit der Fahrt ans Angelgewässer. Die dichten Nebelschwaden behindern die Sicht, langsam aber sicher taste ich mich in meinem Wagen an den kleinen Fluss heran. Obwohl die Sonne schon am Horizont zu sehen ist, ist es bitterkalt heute morgen – der dichte Nebel gibt ihr keine Chance ihre wärmenden Strahlen auf die Erde zu schicken. Mit klammen Fingern zittere ich den aufgetauten Barsch aus dem Gefrierbeutel und montiere ihn an ein System. Spinnfischen mit totem Köderfisch soll es heute sein. Ehe ich den ersten Wurf mache muss ich angesichts einer atemberaubenden Kulisse erst einmal innehalten.

1105_nebelhecht_01.jpg

Der urige Fluss hat tiefe Löcher in den Gewässergrund gespült. Wieder und wieder versuche ich meinen Köderfisch verführerisch durch die Gumpen zu dirigieren. Ein vorsichtiger Anfasser, mehr gaben die sonst oftmals so ergiebigen Gumpen heute nicht her. Ich packe meine kleine Spinntasche und ziehe weiter flussaufwärts. Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch komme ich an einer meiner sicheresten Hechtstellen an. Mit dem Auto ist sie nicht erreichbar und ohne nasse Füsse wohl auch nicht. Die einheimischen nennen diese Ecke ehrfürchtig „Urwinkel“ – wer einmal an einem diesigen Sonntag Morgen in dieser gottverlassenen Gegend seine Rute schwingt kann es vielleicht verstehen. Mit leisen Sohlen schleiche ich mich an die kleine, stark strömende Kurve heran und setze mich vorsichtig auf meine Jacke. Ich lasse den Köderfisch einfach abtaumeln um ihn später gegen die Strömung heranzuzupfen. Ich spüre es genau wenn der Bleikopf wieder den Boden berührt und bin mir sicher, dass hier irgendwas passieren muss. Gerade als ich den Köder aus dem Wasser hebe, platscht es an der Oberfläche – ein Hecht ist nachgegangen. Schnell nocheinmal den Köder unter der Rutenspitze gezupft und schon geht ein Ruck durch die Rute, jetzt hab ich ihn.

Der Fisch geht in die Strömung und nimmt rasant Schnur von der Rolle – plötzlich ist die Leine schlaff. Verdammt, der ist weg.

Ich entscheide mich erst einmal noch 2 andere Stellen abzufischen und auf dem Rückweg noch einmal die kleine Kurve aufzusuchen. Der Barsch sieht mittlerweile etwas mitgenommen aus und ich packe ihn sicherheitshalber erst einmal weg und wechsle auf einen Gummifisch. Bereits beim ersten Wurf steigt ein halbwüchsiger Barsch auf den 8er Kopyto ein. Nach 2 weiteren kleinen Stachelrittern trete ich den Rückweg an, ich will den Hecht haben.

An der Kurve angekommen montiere ich wieder den Barsch und lasse ihn erneut abtreiben. Der Köder ist keine 10 Sekunden im Wasser da ruckt es schon wieder an der Rute. Ein beherzter Anhieb und der Fisch sitzt. Nach 2 bis 3 Minuten heftiger Gegenwehr zeigt er Breitseite.

Ein schön gezeichneter 60er Nebelhecht liegt vor mir.

1105_nebelhecht_02.jpg

Also Freunde raus aus den Federn und Hechte angeln, jetzt kommt die beste Zeit des Jahres.

Petri Heil für kalte Jahreszeit wünscht

Franz Josef Hollweck


 
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