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Angeln in Brasilien

Grosse Angel-Wettbewerbe

Im Gegensatz zur europäischen Auffassung, dass ein sog. Wettfischen „unmoralisch“ sei, sind diese Wettbewerbe hier in Brasilien Gross-Ereignisse und von der gesamten Bevölkerung der veranstaltenden Region geschätzt. Grosse Festivitäten im Laufe eines Jahres sind sowieso eher selten und an den Fingern einer Hand abzuzählen. Also wurde schon Wochen zuvor damit begonnen, den Austragungsort (in unserem Falle Guapé) in einem möglichst guten Lichte erscheinen zu lassen. Die Seeufer wurden gereinigt, eine Rampe für die Bootswässerung erstellt, Schlaglöcher in der Zufahrtsstrasse mit Asphalt aufgefüllt und die Häuserfassaden auf „festlich“ zurecht gemacht. Die Teilnehmer konnten also kommen....

Das „Primeiro Campeonato de Pesca Esportiva no Lago de Furnas“ (1. Sport-Fischer-Championat am Furnas-See) wurde vom TV-Sender ALTROSA, mit Unterstützung der Standortgemeinde Guapé, ins Leben gerufen.

Eine herrliche Landschaft als Kulisse, ein Super-Gewässer als Austragungs-Ort - was will ein Angler eigentlich noch mehr?

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Angler-Wettbewerb in einer traumhaften Gegend

Allerdings - der festgesetzte Termin wurde ein wenig unglücklich gewählt! Aus Erfahrung müsste man eigentlich wissen, dass im „Winter“ (ja, in Brasilien zählen Juni, Juli und August zu den drei Wintermonaten!) die Beisslust der Fische auf Sparflamme steht. Zudem fielen die Temperaturen zwei Tage vor dem Startschuss (für brasilianische Verhältnisse) in den Keller! Nur noch 21 Grad Celsius! Äusserst schlechte Vorzeichen also und männiglich war es von vorneherein klar, dass unter diesen Umständen die Fangergebnisse nicht eben berauschend ausfallen würden!

Die Teilnehmer

90 Mannschaften, gebildet aus 2 oder 3 Anglern, hatten sich für den Wettbewerb eingeschrieben (Mannschaftswertung!) Dazu noch 18 Jugendliche (unter 12 Jahren), die eine eigene Kategorie bildeten und einzeln bewertet wurden. Beim Studium der Startliste konnte man unschwer feststellen, dass solche Veranstaltungen landesweite Beachtung finden. Mannschaften, die aus über 800 km(!) Entfernung angereist kamen, waren ebenso zu finden, wie solche aus der Region.

Wer als Sportfischer in Brasilien „Berühmtheit“ erlangen will, muss sich zwingend auf derartige Konkurrenzen „spezialisieren“, denn das Fernsehen ist (mit eigenen Booten!) überall hautnah dabei!

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TV ALTEROSA mit eigenem Boot

Für erfolgreiche Gertenschwinger sind solche Veranstaltungen in Brasilien übrigens eine sehr lukurative Angelegenheit: Die ersten drei Preise waren durchwegs 5m-Alu-Boote, voll ausgerüstet, aber mit unterschiedlichen Motoren (25 PS Honda / 15 PS Mercury / 4 PS Yahama) ausgestattet.

Fisch, Fang und Wertung

Da nur mit Kunstködern geangelt werden durfte, war die Zielbeute gegeben: Raubfische! Der Lago de Furnas weist grosse Bestände an

*Tucunarés (3 differente Arten!)
*Traíras
*Trairãos
*Dourados

auf. Die Population des Tucunarés ist sogar derart gross, dass das bis vor kurzer Zeit existierende Schonmass gestrichen wurde! Und das bei einem Fisch, von dem jeder Angler träumt...!

Vor einiger Zeit hat die Jerkbait-Welle auch Brasilien erreicht. Mit dieser, am Lago de Furnas sehr erfolgreichen Methode, angelte denn auch die Mehrheit der Mannschaften.

Kleine Randbemerkung: Die Jerkbait-Köder sind in Brasilien wohl erhältlich, die dazugehörigen Ruten jedoch noch nicht! Meist wurde mit normaler Spinnrute und Multirolle die Konkurrenz bestritten. Vereinzelt habe ich hingegen bereits multifile Dyneema-Schnüre entdecken können! Und dies trotz des astronomischen Preises (ca. BR$ 100,00 = 1/3 eines Minimallohnes!), der für eine 115m Schnur fassende Spule bezahlt werden musste!

Weiter konnte ich noch Schwinglöffel (MEPPS Nr.3, rot gepunktet) und grössere Wobbler, mit meist rotem Kopf, ausmachen. Die Farbe rot wurde also favorisiert.

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Geheimtip - die Farbe rot bei den Kunstködern!

Gewertet wurde nicht das Gewicht der Fische, sondern die addierten Längen der einzelnen Fischarten. Für jede Spezie zählte der gemessene Zentimeter unterschiedlich viele Punkte. Beim Dourado (der „Forelle“ Brasiliens!) konnte man sich beispielsweise 10 Punkte/cm gutschreiben lassen, beim Tucunaré hingegen nur 1 Punkt!

Noch eine gute Stunde bis zum Start. Unterdessen hatten sich auch die örtliche Polizei, die Umweltschutz-Polizei und ein Vertreter der Policia Federal eingefunden. Die Überwachung der Wettbewerbs-Regeln und der allgemeinen Vorschriften für die Fischerei am Lago de Furnas waren also sichergestellt!

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Die örtlich Polizei mit Sergento Claudio Rodrigues (rechts)

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Sergento Tavares von der Policia Militar überwachte die Einhaltung der Umweltschutz-Gesetze



Start zum Wettbewerb!

Um 09.30 fiel der Startschuss! Die Boote warfen die Motoren an und jede Mannschaft versuchte möglichst rasch wegzukommen - um als Erste eine fangträchtige Stelle ansteuern zu können! Auch die „4 Schiedsrichterboote“ und die Aufnahme-Equipe von TV ALTEROSA stachen in See. Ich konnte nun auch meinen Platz (auf einem zweiten „TV-Boot“) einnehmen, um das Geschehen aus nächster Nähe verfolgen zu können!

Auf eine Besonderheit möchte ich noch kurz zu sprechen kommen: Die Boote für diese Art der Fischerei hatten alle vorne links am Bug einen Elektromotor installiert. Ca. 20-25 m vom Ufer entfernt wurde auf diesen Antrieb gewechselt. Der Kahn wurde dadurch langsamund ruhig, in gleichbleibendem Abstand zur Gewässerbegrenzung, weiterbewegt. Geangelt wurde mit präzisen Köderwürfen unter die überhängenden Äste der Bäume und Sträucher gegen das Ufer zu – dem bevorzugten Standplatz der Tucunarés.

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Sekunden vor dem Startschuss

Jedes der Boote war gekennzeichnet mit einer Nummer und dem Signet von TV ALTEROSA. Bei einem Fang wurde der Fisch im Fischkasten des Bootes gehältert und eine rote Fahne geschwenkt. Eines der Schiedsrichter-Boote (gekennzeichnet mit einer gelben Fahne) steuerte daraufhin längsseits, der Fang wurde vermessen, die Daten in eine Liste eingetragen und der Beutefisch wieder zurück in sein angestammtes Element entlassen. In Brasilien wird C & R (oder in der Landessprach P & S, also Pescar e Soltar) schon seit längerer Zeit praktiziert und auch von der Umweltbehörde IBAMA strengstens kontrolliert!

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Diesesmal konnten die Schiedsrichter zwei Traíras vermessen...

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... und beim nächsten Boot gleich nochmals eine Traíra!



Wie ich bereits eingangs erwähnte, waren die Fangergebinisse nicht überwältigend! Für ein Gewässer mit einem derart grossen Fischbestand sogar kläglich! Das Positive daran: Heute konnte wirklich nur der erfahrene, alle Tricks beherrschende, Sportangler Fische fangen! Nur ein einziger Tucunaré wurde überlistet - von einem 12jährigen Jungfischer - und vom Ufer aus!

16.00 Ende der Konkurrenz. Die Boote erreichten nach und nach wieder den Ausgangspunkt. Trotz dem schlechten Fang-Ergebnis herrschte eine aufgeräumte Stimmung unter den Konkurrenten. Keine Mannschaft wusste zu diesem Zeitpunkt, welche Rangierung sie erreicht hatte. Für Spannung war also gesorgt!

Die Jugendlichen kehrten auch von ihren Angelplätzen zurück. Da sie ihre Beute behalten durften, konnten nun auch die zahlreich anwesenden Schaulustigen einige Fische bestaunen.

19.00 Das Signal zur Siegerehrung! Der Prefeito (Stadtpräsident), Senhor Nelson Alves Lara, der Gemeinde Guapé richtete eine Grussbotschaft an alle Teilnehmer und wies darauf hin, dass diese Veranstaltung in Zukunft einen festen Platz im Veranstaltungs-Kalender der Gemeinde hätte und deshalb alljährlich zur Austragung käme! Ich brauche hier kaum zu erwähnen, dass die anschliessenden Sätze (durch den aufbrausenden Applaus) nicht mehr verstanden werden konnten!

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Der Stadtpräsident von Guapé, Senhor Nelson Alves Lara, im Gespräch mit meiner Übersetzerin Jacyra

Der grosse Augenblick war gekommen: Die Ranglisten wurden verlesen! Zuerst erhielten die Jungfischer ihre verdienten Auszeichnungen:

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Evandro Reis (1. Platz)

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Rovilson Francisco (2. Platz)

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Gabriel Teixeira (3. Platz)

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Die Sieger: Equipe Perdidos na Pesca 2 (Boa Esperança)...(ganz links Fabio, der Sponsor des 1. Preises)



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...und für den 2. Rang durfte ich den Preis an die Equipe Mar de Minas (Divinópolis) überreichen

Eine gelungene Veranstaltung fand damit ihren würdigen Abschluss! Nein - noch nicht ganz: Inzwischen war durch TV-ALTEROSA eine riesige Bühne aufgebaut worden und ein grosses Volksfest mit Musik und Tanz konnte beginnen. Eine der besten Musikgruppen aus dem Staate Minas Gerais konnte für einmal live beklatscht werden!

Mein Dank gebührt der Gemeinde-Verwaltung Guapé für die freundliche Einladung zu dieser Veranstaltung und TV-ALTEROSA für die tatkräftige Unterstützung bei meiner Arbeit (hier sei vor allem die Regisseurin Senhora Cristina Marques erwähnt!)

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Blieb immer ruhig und gelassen: Regisseurin Cristina Marques

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr, wenn die zweite Auflage des „ Campeonato de Pesca Esportiva no Lago de Furnas“ im Kalender steht...



René Sehringer


rs.fishing@uol.com.br

Belo Horizonte, Brasilien
 
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