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1: Fähre Kiel-Oslo
Eine Norwegen-Reise: Smöla
Teil 1
Wenn man auf der großen Fähre von Kiel nach Oslo unterwegs ist, fängt der
Urlaub bereits an. Als wir am 06.08.03 mit der "Kronprins Harald" an
Langeland vorbeifuhren, waren wir aber erst mal betroffen: Vor der Insel
schwammen ausgedehnte Algenteppiche, die ein übriges Leben im Ostseewasser
undenkbar erschienen ließen. Trotz Ferienzeit, in der sonst immer viele
Angelboote unterwegs waren, sahen wir nur vereinzelt wenige Boote, die
trotzdem versuchten, in dem stark erwärmten Wasser noch zu angeln. Je weiter
wir in den Norden kamen, verschwand diese nachdenklich machende
Naturerscheinung zum Glück aber wieder.Bei klarem Wetter war es ein
gigantisches Erlebnis, in den Oslofjord hineinzufahren! Die See war
spiegelglatt, so dass man sogar die Ringe einzelner Fische an der
Wasseroberfläche in mehreren hundert Meter Entfernung sehen konnte.

2: Oslofjord |

3: Im Gebirge |
Obwohl wir ab Oslo noch eine Strecke von 650 km vor uns hatten, war es eine
entspannte Fahrt. Die Kinder waren angesichts der Natur voller Vorfreude.
Nur Christian, unser Jüngster, hatte Bedenken, ob die kommenden 2 Wochen
genauso schön würden wie die Anreise, weil er der einzige "FastNichtAngler"
war. Beeindruckend auf dem letzten Teil der Strecke war die Kulisse der
schneebedeckten Berggipfel mitten im August! Auf Slalomfahrten durch frei
herumlaufende Schafe auf der Straße hatten die Kids mittlerweile 36
Wasserfälle gezählt.
Nachdem wir noch 2 Inselhopper-Fähren benutzen mussten, kamen wir am 2. Tag
abends um 20.00 Uhr im Angelzentrum Steinsöya auf Smöla, der Nachbarinsel
von Hitra, an. Nach herzlicher Begrüßung mit Rolf Kirchhoff und seinem Team
(Frank, der immer hilfsbereite und freundliche "technische" Mitarbeiter und
seine Frau, die wie meine ebenfalls Monika hieß, die "gute Seele" für das
leckere Essen und alles andere) bezogen wir 2 nebeneinander liegende Zimmer.
Der Familie wurde am Abend nur noch das Angelzentrum und die nahe Umgebung
gezeigt, dann fielen alle müde und glücklich ins Bett.

4: Angelzentrum Steinsöya |

5: Die ersten Drills auf hoher See! |
Am nächsten Morgen schliefen wir erst mal aus, das Frühstück hatten wir für
10.00 Uhr bestellt. Monika (Laksine) genoss es, bei Vollpension sich einmal
nicht ums Essen kümmern zu müssen. Nachmittags fuhren wir dann das erste Mal
mit unserem gemieteten Kutter zusammen mit Carsten von "Eisvogel Tours" und
seiner Familie zu einer ersten Schnuppertour aufs Meer hinaus.

6: Christian gibt alles! |

7: Der erste Norwegen-Köhler |
Martin fing viele Makrelen und seinen ersten Schellfisch, und Christian
schaffte es auch, eine prächtige Makrele und den ersten Köhler auf die
Planken zu legen. Monika gestaltete das Angeln mit Lengs und weiteren
Köhlern abwechslungsreich. Ich selbst kam kaum zum Angeln, weil ich ständig
"buttlern" musste und Fische versorgte oder den Kids Vorfächer wechselte.
Als Ausgleich durfte ich dafür abends die Fische der ganzen Family
filetieren, hurra!

8: Makrelen, groß wie Schellfische!

9: Monikas erster Fisch |

10: Köhler am Beifänger |
Samstag besuchten wir ein Dorffest, wo wir ein bischen norwegisches
Landleben und ein paar Einheimische kennen lernen konnten. Es war sehr
schön, nur Martin hatte allmählich genug vom Landgang und wollte endlich
wieder Angeln! Na gut, dann wollten wir nachmittags eben noch mal
raus.

11: Büchsenwerfen |

12: Hufschmied bei der Arbeit |

13: Dorffest-Impressionen 1 |

14: Dorffest-Impressionen 2 |

15: Dorffest-Impressionen 3 |

16: Dorffest-Impressionen 4 |
Mit unserem Auto fuhren wir flott über die einsame Schotterpiste quer über
die Insel. Plötzlich, nach einer uneinsehbaren Hügelkuppe, der Mega-Schreck:
Beinahe hätten wir 2 riesige Steinadler überfahren, die nur 20 Meter vor uns
auf der Piste mit einem gerade gerissenen Kaninchen saßen! Wir schafften es
noch, das Auto zum stehen zu bringen, während sich die 2 großartigen
Greifvögel mit ihrem Fang in die Lüfte erhoben und 100m weiter auf einem
Felsen kurz von ihrem Schrecken erholten, bevor sie sich majestätisch von
uns verabschiedeten. - Ein wahnsinniges Erlebnis!

17: Steinadler |

18: Igel in unserem Vorgarten |
Am späten Nachmittag starteten wir schließlich zum Angeln, die Fänge waren
gut und abwechslungsreich: Leng, Lumb, Köhler, Schellfisch, Dorsche bis 70cm
und 8 Pfd, viele Makrelen (fast alle fing Martin), ein ca. 80cm langer
Leopardhai von Martin und ein kleiner Heilbutt von Ilse, einer Mitfahrerin
auf unserem Boot. Auf der Rückfahrt waren alle happy, und auch das Einparken
mit dem 10m-Dieselkutter machte uns keine Probleme.

19: Martins Leopardhai |

20: Ilse und der Heilbutt |

21: Wilhelm mit Seelachsen |

22: Martin mit prächtigem Dorsch |
Am folgenden Sonntag verzichteten wir auf den Kirchgang und verabredeten uns
gleich ganz früh zur nächsten Angelausfahrt mit dem Gästeehepaar Ilse und
Wilhelm. Nach herzhaftem Frühstück ging es schon um 6.00 Uhr los, damit wir
wieder rechtzeitig zurückfahren konnten, um der größten Tageshitze zu
entgehen. Außerdem sagte uns Rolf, dass nach seinen Erfahrungen zur Zeit
gerade früh und abends gut gefangen würde, tagsüber dagegen weniger. Auf
einem Zwischenstopp fingen wir zum Anfang reichlich Ködermakrelen.

23: Ein Leng |

24: allgegenwärtig die vielen Möwen |
Bei der ersten ausgesuchten Stelle und den dortigen Driften gab es aber nur
einen einzigen Schellfisch, natürlich wieder für Martin. Aber nach einem
"Umzug" zu einer wenige hundert Meter entfernten Stelle, die uns nach dem
Echolot erfolgversprechend erschien, klappte es dann wie am Schnürchen.
Mittlere Lengs, Lumbs (teilw. sehr groß), wenige, aber meist mittlere und
große Köhler. Und einen schönen, 17 Pfd schweren 85cm-Dorsch, den Martin aus
120m Wassertiefe unter größtem Kraftaufwand nach einem ungemein spannenden
Drill nach oben pumpen konnte!

25: 17Pfd-Dorsch im Jugend-Drill |

26: Der Lohn! |

27: Käpt'n Monika! |

28: Die alte Walfänger-Station |
Gegen 11.00 Uhr hatten wir nach unserer Meinung für diesen Tag bereits
genügend Fische und fuhren deshalb wieder heim. Filetieren mussten wir ja
auch noch.

29: Unser Kutter |

30: Martin filetiert seinen ersten Seelachs |
Während am Nachmittag in der flirrenden Hitze scheinbar ganz Norge und das
Angelzentrum Steinsöya Siesta hielt, aalten sich Monika und ich in
Badesachen auf dem Bootssteg, wo uns ein laues Lüftchen von See her das
Sonnenbad noch angenehm machte. Derweil angelte Martin schon wieder
unermüdlich vom angebundenen Kutter aus und fing tatsächlich noch einen
Dorsch mit der Spinnrute. Den Tag ließen wir schließlich am alten
Fähranleger sitzend gemütlich in der Abendsonne ausklingen.

31: Unermüdlicher Jungangler |

32: Der Blick für die Natur! |
Am nächsten Tag machten wir eine Angelpause, gönnten uns ein wenig Muße und
genossen die Ruhe in dieser Natur abseits von jedem städtischen Trubel. Da
störte es nicht, dass das bisher schöne Wetter etwas umschlug, wolkig und
ein bischen kühler wurde und es auch mal ein wenig nieselte. Rolf und seine
Mannschaft waren alle unterwegs und machten viele Besorgungen, derweil
hüteten wir alleine das Angelzentrum. Die Auszeit tat allen gut, denn am
nächsten Tag hatten wir ja einiges vor.

33: Unser Charter-Kutter, die "Luton" |

34: Der norwegische Käpt'n Raidulf |
Dienstag ging es in aller Herrgottsfrühe nach zeitigem Frühstück weit raus
auf hohe See! Wir hatten zusammen mit Wilhelm und Ilse für teures Geld einen
kleinen Berufskutter samt Eigner als Skipper gemietet.

35: Bootsmaat |

36: "So groß sind unsere Makrelen hier!" |
Wie sich im Nachhinein herausstellte, lohnte sich diese Ausfahrt allemal und
wurde für jeden von uns zu einem besonderen Erlebnis. Raidulf, der Fischer,
legte pünktlich um 6.00 Uhr mit seinem Kutter "Luton" an unserem Anleger an.
Das Schiff hatten wir für 6 Stunden gechartert. Die Fahrt zu den Fangplätzen
dauerte 1 Stunde hin und 1 Stunde wieder zurück. Also hatten wir eine reine
Angelzeit von 4 Stunden, was auch mehr als genug war.

37: harter Drill ..... |

38: ..... und gutes Ende! |
Danach hatten wir alle genug Fische und waren körperlich mehr oder weniger
am Ende, denn wir fischten bis in 190m Wassertiefe mit bis zu 600g-Pilkern
und Beifängern. Der allergrößte Teil der gefangenen Fische waren Seelachse
(Köhler). Nur ein paar wenige, große Lumbs gingen an die Haken, wenn wir
direkt über Grund geangelt hatten. Die Köhler bissen meistens 10 bis 40
Meter über dem Grund. Im oberen Wasserdrittel gingen immer wieder mal ein
paar Makrelen an Beifänger und Pilker, die uns als frische Köder sehr
willkommen waren. Rolf war als Dolmetscher mit von der Partie, so hatten wir
gemeinsam eine Menge Spaß, es war sehr lustig!

39: Chef Rolf vom Angelzentrum |

40: Das Abendbrot ist gesichert |
Christian, unser fastnichtangelnder Youngster, saß mit seinem Gameboy
ebenfalls zwischen Tauwerk und Fischkisten mit an Deck und hatte alles
souverän im Blick. Martin hielt locker mit den Erwachsenen mit und fischte
wie die Großen. Wir waren wieder einmal beeindruckt von seiner Ausdauer und
überrascht, wie gut er in diesen großen Wassertiefen mit dem schweren
Angelgerät zurecht kam und oft sogar Dubletten mit kapitalen Seelachsen an
Bord drillte.

41: "Kleiner Tip: Bswswswwisperwisper ..." |

42: "Au joh, so klappt's!" |
Monika war ebenfalls in ihrem Element und pumpte, was das Zeug hielt. Die
letzte Stunde hielt sie aber nur mit Muskelkater durch und sank nach Ende
des Angelns erschöpft, glücklich und zufrieden in die Reling. Raidulf, unser
norwegischer Käpt'n, hatte uns während der gesamten Angelzeit hervorragend
mitgeholfen, "Tüddel" zu entwirren, Pilker und Beifänger mit Fetzen unserer
zuvor selbstgefangenen Makrelen zu bestücken und ein paar hilfreiche Tipps
gegeben. Auf dem Farbecholot konnten wir gut die Schwärme der Köhler
beobachten und verfolgen. Nachmittags beim Filetieren wurde es dann etwas
länger, die Fische zu versorgen.

43: schöner Lumb ... |

44: ... und ein ordentlicher Seelachs |
Am darauffolgenden Tag wollten wir wieder etwas mehr in Ruhe die See, die
Natur und das Angeln vom eigenen Kutter aus genießen. Nachmittags hatten wir
vor, zu Räuchern. Daher fingen wir uns vorher draußen in Höhe des
Dreibein-Seezeichens reichlich Makrelen. Dafür genügte es uns, mit den
Spinnruten zu fischen, nur Martin angelte mit einem 2-Feder-Makrelenvorfach.
Die Drills der teilweise sehr starken Makrelen machten an den Spinnruten
eine Menge Spaß, so dass selbst Martin nachher noch mit der Spinnrute
angelte.

45: das sagenumwobene Seezeichen "Dreibein" |

46: Das Räuchern schien gesichert zu sein... |

47: Makrelenangeln mit der Spinnrute |

48: wunderschöne Tiere |
Doch auch auf diese Weise hatten wir schon in kurzer Zeit genügend Makrelen
zusammen, also packten wir wieder ein. Wir versuchten, beim Schleppfischen
mit einem Wobbler zwischen den Schären noch ein paar Meerforellen oder
Pollacks zu überlisten. Dabei hatten wir jedoch keine Bisse mehr, so ging es
zum Räuchern zurück ins Camp.

49: Hitchcock-Fieber! |

50: Abendstimmung |

51: Fischerhäuser |

52: gleich neben dem Angelzentrum |
Aber das Räuchern wurde zum Waterloo: Fast hätten wir dabei das Camp
abgefackelt! Die Fische waren beinahe schon fertig goldgelb geräuchert, als
das Unfassbare geschah. Wahrscheinlich fingen die Räucherspäne Feuer und
entzündeten dabei das abtropfende Fett. Die Makrelen wurden im nachfolgenden
Geschehen, na, sagen wir mal, krosskrossdunkeldunkel!

53: bei der Vorbereitung schien die Räucherwelt noch in Ordnung zu sein
...
Der ganze Räucherofen fing innen Feuer und konnte erstmal nicht mehr
gelöscht werden. Und darüber befand sich die Holzveranda. Sie war zwar noch
ein Stück entfernt, aber uns wurde doch mulmig. Mit vereinten Kräften und
schneller Hilfe durch Frank, Rolfs Mitarbeiter, ein paar Lederhandschuhen,
einer Eisenstange und einer Sackkarre schafften wir es irgendwie, den Ofen
vom Haus weg auf den Betonpier zu verfrachten. Dort löschten wir ihn dann,
ganz feuerwehrfachmännisch(?), mit dem Wasserschlauch. Wie manchen
vielleicht bekannt ist, zischt Wasser auf brennendem und siedendem Fett
ziemlich heftig; die ganze Sache qualmte auch ein bischen sehr. Rolfs
trockener und beruhigender Kommentar war dann aber bloß: "Na, wenigstens
isser jetzt saubergebrannt!" - Zum Abendessen gab's dann Pilze.

54: Chefe Rolfs Geburtstagsfeier |

55: Norwegisch-Deutsche Freundschaft! |
Donnerstag stürmte und regnete es ziemlich heftig, wohl aus gegebenem
Anlass: Rolf wurde an diesem Tag 50 Jahre alt. An eine Ausfahrt mit dem Boot
war nicht zu denken. So erkundeten Monika und ich mit unserem Wagen einmal
mehr die Insel. Am frühen Abend wurde dann zur Geburtstagsfeier gegrillt. Es
wurde ein sehr lustiger Abend, und unsere 2 Jungs schlossen Freundschaft mit
Merte, einer 20-jährigen Norwegerin.
Lest in der nächsten Ausgabe, wie es weiter geht...
Norbert Wiercimok
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