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Vannöya - ein Reisebericht in acht Kapiteln

Ziel unserer Sommer-Norge-Angelreise war dieses Jahr Vannöya. Den Bericht zu dieser Reise habe ich in "Kapitel" unterteilt. Die einzelnen Kapitel fügen sich nicht zu einer zusammenhängenden Erzählung sondern es sind abgeschlossene Texte, die verschiedene Aspekte unserer Reise beleuchten.

Die Titel beschreiben worum es in den Kapiteln geht.....so kann sich jeder ganz nach Gusto das aussuchen was ihn interessiert oder wozu er Infos sucht.

  1.  Das Reiseziel  
  2.  Die Anreise  
  3.  Das Vannöya Sjöcamp  
  4.  Das Angelgebiet  
  5.  Das Angeln  
  6.  Der Kveitefänger  
  7.  Der 16-Stunden-Törn nach Innerbaan  
  8.  Das Fazit  

Das Reiseziel

Vannöya ist eine Insel in Nordnorwegen, 30 km lang und etwa 15 km breit. Sie liegt rund 50 km nordöstlich von Norwegens fünft größter Stadt Tromsö und ist von dort über die Straße Nummer 863 zu erreichen. Ab Hansnes geht eine Fähre (Hansnes-Karlsöy-Vannöy) nach Vannöya mit ca. 10 Abfahrten pro Werktag......die direkte Überfahrt dauert 45 Minuten.

Auf der Insel gibt es einen joker-Markt in Vannareid mit dem üblichen Warenangebot. Der ist auch zugleich Tankstelle, Post und Bank. Wenn die Dame im Supermarkt guten Willens ist kann man dort auch Eurobargeld gegen NOK tauschen.......Geld abheben mit EC-Card ist nicht möglich.

Eine Straße führt an der Küste um gut die halbe Insel herum und im Norden gibt es noch eine West-Ost-Straßenverbindung. Wer mehr sehen will, muss sich zu Fuß auf die Socken machen.

Die Anreise

Klar, erste Wahl beim Reisemittel ist natürlich das Flugzeug. Von Tromsö als Zielflughafen sind es gerade Mal knapp 70 km bis zum Sjöcamp. Man steigt morgens in den Flieger und sitzt dann abends schon im Boot beim Angeln. Das hat schon was für sich.

Wir sind mit dem Auto da hochgefahren. Keine Probleme mit dem Gepäck, Mobilität vor Ort, frei wählbare An- und Abreisezeiten und noch ein paar Vorteile mehr........auch nicht schlecht. Die Prioritäten liegen bei jedem anders.

Im Frühjahr habe ich mir ein schönes Norge-Reise-Auto gekauft und damit sind wir am Freitag gegen 11.00 Uhr vormittags in der Nähe von München losgefahren.

Von Puttgarden aus gings dann mit der Fähre nach Rödby und auf Falster habe ich übers Internet auf einem Campingplatz eine Hütte vorgebucht. Die erreichten wir um etwa 22.00 Uhr.

Am nächsten Tag sind wir so gegen fünf Uhr morgens aufgebrochen und über die Öresundbrücke, nach Jönköping zum Vättern und bis nach Stockholm gefahren. Diese Strecke ist zum weitaus größten Teil eine vierspurige Autobahn mit überwiegend recht mäßigem Verkehr. Angenehm zu fahren.

Nach Stockholm geht's auf der E4 die Ostsee entlang. Hier gibt's dann kaum mehr Autobahn ........nur kurze Stücke im Bereich der großen Städte .....und der Verkehr wird merklich weniger. Die typische Straße hier hat in jede Fahrtrichtung eineinhalb Spuren und über viele Kilometer kann das so aussehen.

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Tempomat rein bei 110 und dann kanns schon mal ne halbe Stunde so gehen ohne dass man eingreifen muß. Absolut stressfreies Autofahren.

In der Nähe von Umea dann die nächste Übernachtung. Der Campingplatz liegt traumhaft schön an einem See. Von der Terrasse unserer Hütte genießen wir an diesem Abend eine herrlichen Sonnenuntergang über dem glitzernden Wasser.

In Umea verlassen wir am nächsten Morgen die E4 und fahren durch das schwedische Binnenland Richtung Dreiländereck Norwegen -Finnland -Schweden. Über Lycksele erreichen wir Jokkmokk am Polarkreis.

Bei Karesuando überqueren wir die schwedisch finnische Grenze. Auf der finnischen Seite führt unser Weg dann am Grenzfluß Könkämeäno entlang, wir passieren die finnisch norwegische Grenze und erreichen in Skibotn den Lyngenfjord.

Es ist Sonntagnachmittag und unsere Ankunft hatte ich eigentlich erst für Montag geplant. Wir fahren weiter bis nach Tromsö und stellen fest, dass wir locker noch die 20.00 Uhr Fähre von Hansnes nach Vannöya erreichen. "Vielleicht können wir unsere Hütte ja schon einen Tag früher beziehen als gebucht," so hoffen wir und setzen über.

Zwei Fahrer haben sich auf der Strecke abgewechselt. Vorgebucht war nur die Hütte in Dänemark. In Schweden, Finnland und Norwegen ist es kein Problem eine Hütte auf einem Campingplatz zu bekommen. Meist haben diese Hütten vier Betten (Schlafsack erforderlich) und kosten so zwischen 30 und 50 Euros pro Nacht.

Das Vannöya Sjöcamp

Das Vannöya Sjocamp liegt in einer kleinen Bucht im Südwesten der Insel direkt an der Straße. Hier vermieten die Betreiber Roald und Helene Jensen verschieden große Hütten und Boote an Angeltouristen und Naturfreaks.

Vom Wasser aus hat man einen guten Überblick über die gesamte Anlage.

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Wir treffen einen Tag früher ein als geplant ....können aber unsere Hütte schon beziehen. Als wir ankommen ist die von uns gebuchte Hütte schon mit der "unserer" Nationalfahne beflaggt. Roald hängt diese Flaggen auf die Terrasse vor jeder bewohnten Hütte und informiert so über die Nationalität der Bewohner.

Wir waren übrigens während der gesamten elf Tage im Camp die einzigen Deutschen. Dänen, Schweden, Finnen und vor allem Norweger hatten sich eingemietet.

Es gibt Hütten für 2, 4, 5, 6, 8 und 15 Personen lt. der Preisliste des Sjöcamps. Wir hatten die Hütte Nr. 7 für 4 Personen gebucht. Zwei Schlafzimmer mit Stockbetten, Wohnzimmer mit Kochecke, Dusche, sehr kleiner Vorraum, Terrasse mit wunderbarem Ausblick. Gemütlich aber recht klein. Für drei erwachsene Personen einer Familie ok und ausreichend. Ich würde aber davon abraten in so eine Hütte 4 erwachsene Männer zu packen.....lieber eine Nummer größer buchen. Das Erreichen des oberen Stockbettes würde glatt als olympische Disziplin durchgehen, da keine Leiter zur Verfügung stand. Ob das gut geht, wenn da mal ein 120 kg-Kerl rauf muß?

In einem großen Gerätehaus stehen die Gefriertruhen für die einzelnen Hütten. Falls es in der Hütte zu eng ist kann man nach einem Regen-Angel-Tag dort seine Klamotten trocknen.

Roald vermietet Boote in verschiedenen Größen und mit unterschiedlicher Motorisierung...... angefangen vom 14 Fuß-Boot mit 8 PS bis zum 19-Fuß-Boot mit 50 PS.

Wir hatten ein 17 Fuß-Boot mit einem sehr zuverlässigen 25 PS Zweitakter gemietet. Die Boote liegen an Bojen vertäut vor dem Schwimmsteg

Um zu den Booten zu gelangen muß man mit einem am Steg befestigten sehr kleinen Ruderboot ........... von Jetblack in seinem Bericht auf dorschfestival.de recht treffend mit einer Kinderbadewanne verglichen.....zur Boje paddeln.

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Es ist ratsam in gebückter Haltung in das Miniboot einzusteigen und vorsichtig auszubalancieren sonst landet man schneller als man schauen kann im Wasser. Beim Vertäuen des Minibootes am Steg legt Roald großen Wert darauf, dass es immer auf der windabgewandten Seite des Steges festgemacht wird und mit dem Bug Richtung Fjord schaut.

Den Sprit für sein Boot kann man sich nach jeder Tour bei Roald nachfüllen lassen.

Im Hauptgebäude befindet sich ein recht nett eingerichtetes voll lizensiertes Restaurant mit den in Norwegen üblichen Preisen. Dort hängt auch eine Seekarte des Gebietes aus, auf der man auf den ersten Blick die Topangelstellen erkennt, da sie wohl schon viele hundert Mal mit Anglerzeigefingern lokalisiert wurden.

Vor den Filetierbänken sind ordentlich gestapelt die Fischkisten. Alles hat seinen Platz und ist aufgeräumt....darauf achtet Roald. So saubere Fischkisten wie hier habe ich noch in keiner Angelanlage in Norwegen erlebt. Die Fischabfälle werden vom Steg aus einfach im Wasser versenkt.

"Das Wetter hier oben ist unberechenbar" meint Roald, "auf den Wetterbericht im Radio können wir uns nicht immer verlassen. Binnen Minuten kann bei Windstille ein heftiger Sturm aufziehen, auch wenn davon nichts gemeldet wurde."

An unserem letzen Tag kündigen Wolken am Horizont einen aufziehenden Sturm an. Wir haben daher das Miniruderboot aus dem Wasser gehoben und auf dem Schwimmsteg vertäut. Die drei schwedischen Angler, die just in diesem Moment rausfahren wollen hat Roald dann schnell zum Umkehren überredet.

Ich habe Hütte und Boot Anfang Oktober per Fax bei Roald gebucht, im Januar eine kleine Anzahlung per Auslandüberweisung getätigt...und dann bei unserer Abreise den Rest in NOK bezahlt. Roald akzeptiert keine Kreditkartenzahlung.

Soweit ich weiß hat zur Zeit kein deutscher Reiseveranstalter diese Anlage im Angebot....früher war sie wohl mal über Vöglers zu buchen.

Das Angelgebiet

In einem Umkreis von ca. 10 km um das Sjöcamp gibt es Wassertiefen bis gut 200 m und viele Bereiche in denen es 20 bis 40 m tief ist.

Ich muß aber gleich dazu sagen dass wir so weit nicht gefahren sind. Direkt um dass Camp sind so viele Topplätze, so dass weite Fahrten nicht notwendig sind. Wir haben uns nicht weiter als gut 3 km vom Sjöcamp entfernt.

Noch in keinem Angelurlaub habe ich so wenig Sprit verbraucht ......abgesehen von der Tour nach Innerbaan....... an 10 Angeltagen rund 50 Liter Gemisch für einen nicht gerade sparsamen Zweitakter. Wohl gemerkt .....wir hatten keinen Ausfalltag. Natürlich kann man auch viel mehr fahren.....wenn es denn sein soll.

Direkt vor dem Camp gibt es eine sandige Bucht in der man vorzüglich auf Plattfische angeln kann.

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Das Angeln

Am Morgen nach unserer Ankunft wache ich schon gegen fünf Uhr früh auf. Die Tür zum Wohnzimmer steht auf und ich kann vom Bett aus auf den Fjord sehen. Ruhiges Wasser, kein Wind, die Sonne kommt hinter den Bergen hervor......und wir haben noch kein Boot.

So gegen 8.00 Uhr sehe ich Roald Richtung Steg gehen...also nichts wie runter. Bootseinweisung. Eine halbe Stunde später sind wir schon auf dem Andergrund......der ersten Topstelle....... gerade mal gut zwei Bootsminuten vom Camp entfernt.

Bereits zu Hause habe ich einige Positionen in mein GPS gespeichert. Die Infos dazu erhielt ich von Jetblack, von einer schwedischen Angelseite und durch ausgiebiges Seekarten-studium.

Auf dem Andergrund haben wir Fischanzeige auf dem Echolot ...also nichts wie runter mit den Montagen, pilken ist zunächst mal angesagt. Bereits nach wenigen Minuten liegen die ersten 70 - 80 cm Dorsche im Boot. Es herrscht eine schwache Drift. Wir lassen und bis zu einer Tiefe von gut 40 m treiben und verlegen dann wieder auf die Bergspitze. Die Bisse kommen im Minutentakt. Nach zwei Stunden Angeln haben wir schon die ersten beiden 20-Pfund+ Dorsche in der Kiste......alltägliche Fische hier wie wir die nächsten Tage merken. werden.

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Die meisten Bisse bei dieser ersten Tour gibt's am Grund auf Pilker wenn man durch den Kleinköhlerschwarm ohne Anbiß durchgekommen ist. Die nächsten Tage machen wir da aber deutlich andere Erfahrungen.

Etwa 3 Stunden vor Hochwasser sind wir vom Camp weggefahren. Die Bisse lassen schlagartig nach kurz nachdem das Wasser seinen Höchststand erreicht hat. Die Kleinköhler sind zwar noch da.......die Dorsche aber verschwunden.....oder sie wollen nicht mehr beißen.

Diese Erfahrung machen wir auch die nächsten Tage. Deutlich bestes Angeln ist in den Stunden vor dem Hochwasser.
0410_vannoeya_06.jpg Eigentlich hätten wir keine Tidentabellen gebraucht. Wenn wir auf der 76m Topstelle geangelt haben, so konnte man die Uhr danach stellen, dass 2 Stunden vor Hochwasser die norwegischen Juskafischer gekommen sind.

Neben den allgegenwärtigen Dorschen gabs schöne Schellfische, gute Steinbeißer und so man denn wollte halbstarke Seelachse in der 2-4 kg-Klasse.

Abgesehen von den Top 76m haben wir die meisten Dorsche zwischen 20 und 45 m gefangen. Dorsch ist ganz eindeutig der Hauptfisch hier oben. Am ersten Tag nahmen wir noch alle Fische von 70 cm+ mit. Ab dem zweiten Tag wurden die meisten zurückgesetzt.....auch etliche Meterfische durften wieder schwimmen. Wer es gezielt versucht, kann auch viele Steinbeißer fangen.

Die mit Abstand besten Fänge machten wir auf der 76m Stelle. So hatten wir z.B. eine Dirft bei der sich fast eine halbe Stunde nichts rührte. Und wie aus dem Nichts waren binnen einer Sekunde alle drei Ruten krumm.
Stefan hatte zusätzlich noch eine Naturköderangel ausgelegt bei geöffneter Bremse....und auch hier surrte die Knarre. Das konnte eigentlich nicht gut gehen. Unsere Schnüre waren zwar heillos verdrillt ineinander aber wir konnten dennoch einen 25-Pfünder, einen 18-Pfünder und einen 17-Pfünder landen. Was für ein Schwarm muß da unten unterwegs gewesen sein?

Die Fische, die wir auf Top76 fingen paßten in keine Kiste. Hier ein 30-Pfünder oben drauf.

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Christas schwerster Fisch brachte knapp 26 Pfund auf die Waage.........ganz allein hat sie das Präsentieren beim Fototermin leider nicht geschafft.

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Natürlich haben wir es mit der Naturköderangel auf den großen Platten versucht. Aber ich muß schon gestehen, dass es nicht einfach ist, stundenlang auf den einen Biß zu warten, wenn die Mitangler beim Pilken Meterfische fangen. Oft haben Stefan und ich je eine Naturköderangel ausgelegt, die Bremse geöffnet und nebenbei gepilkt. Großer Circlehook, darunter ein Drilling mit 1,2 mm Monofiler angeknotet und kleinen Seelachs eingehängt......so sahen unsere Montagen aus.

Bei einer Drift auf dem Hotspot SWE2 surrt plötzlich Stefans Knarre....es läuft zügig Schnur von der Penn 340 GTi.....viel schneller als wir driften. Herzklopfen bis unter die Schädeldecke.

Ist er das?

Stefan nimmt Kontakt auf....Anhieb.....Widerstand.....der hängt.

Ich zum Junior: "Was ist es? Was meinst Du?"

Er ganz gelassen: "Großdorsch"

Nach etwa 10-minütigem Drill kommt dann tatsächlich ein Dorsch von 36 Pfund und 127 cm Länge an die Wasseroberfläche....Freude.......oder doch ein bißchen Enttäuschung in Stefans Gesicht.

Tja, die Ansprüche steigen mit den Möglichkeiten.

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Der Dorsch hat den Köder voll genommen und sich so wie es die Theorie beschreibt sauber selbst gehakt.

Es war dann übrigens der Rekordfisch des Camps an diesem Tag......freu, freu bei Stefan.

Wie mancher Leser vielleicht bemerkt hat, war ich bei den Fischfotos dieses Kapitels überhaupt nicht zu sehen.....das ist kein Zufall.

Der Angelzweikampf Vater-Sohn ging eindeutig zugunsten von Stefan aus. Alles in allem hat er hier im Norden 17 Fische über 20 Pfund gefangen.......die größten davon 1 x 38 Pfund, 1 x 36 Pfund, 1 x 34 Pfund, 2 x 32 Pfund...........und dann erst komme ich mit meinem 30-Pfünder.

Bleibt mir nur der Trost ein guter Lehrer gewesen zu sein.

Während der ersten 5 Tage im Camp hatten wir ausgezeichnetes Sommerwetter mit strahlend blauem Himmel und glattem Wasser. Allerdings gab morgens häufig Nebel in unserer Hausbucht ......von draußen sah das dann so aus.

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Der Kveitefänger

Wer mit dem Auto zu seinem Angelziel im hohen Norden reist hat jede Menge Zeit, ausgiebig darüber zu quasseln, welche Fische man wie zu fangen hofft und vor allem .........wie groß sie sein werden. Ein bißchen ist man ja auch immer auf der Jagd nach seinem persönlichen Rekordfisch.......und wie für viele Norwegenangler steht da der Heilbutt auch bei uns ganz oben auf der Wunschliste.

Mitten in so eine heiße Diskussionsphase platzt da eine SMS eines gewissen B.K. mit folgenden Wortlaut: "Hallo, ich will Euch ja keine Angst machen, diese Woche fing ein Däne aus Eurer Anlage einen neuen norwegischen Rekordheilbutt, 190 kg bei 2,38 m im Hamrefjord."

Unglaublich.

Angst! Angst machte uns das keine ......aber so richtig heiß auf das Angeln im Hamrefjord.

Einen Tag später stehe ich am Steg des Vannöya Sjöcamp und unterhalte mich mit einem Angler über die Fische, die es hier wohl so zu fangen gibt. Dabei erwähne ich, dass ich gehört hätte ein dänischer Angler aus diesem Camp konnte vor ein paar Tagen ein 190 kg Heilbutt haken und landen. "Ja" meinte mein Gegenüber, "das war ich".

Da hab ich wohl im ersten Augenblick ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt.......aber dann packte mich die Neugier. "Fotos?", fragte ich ihn. Hatte er nicht, aber er zeigte mir dann einen ganzseitigen Bericht der örtlichen Tageszeitung über diesen Fang mit wirklich eindrucksvollen Bildern.

Dann wollte ich Einzelheiten wissen. Wie, wo gefangen, wie gelandet? Thomas gab bereitwillig Auskunft.

Gefangen hatte er ihn nicht im Hamrefjord sondern auf der Südostseite der Insel Vannöya. Als wir ein paar Tage später mit Vagn, einem Kumpel von Thomas nach Innerbaan unterwegs waren meinte dieser plötzlich: "Hier, hier wurde der große Heilbutt gehakt."

Gebissen hat er auf eine Naturködermontage mit einem etwa 25 bis 30 cm langen Sei als Köder. Zwei große Drillinge wurden an monofiler Schnur aneinander geknotet und an Kopf und Schwanz des Köhlers eingehakt.

Der Biß erfolgte in knapp 40 m Tiefe. Der Drill war unspektakulär, keine großen Fluchten, der Fisch war nur schwer. Eine Stunde dauerte es bis er an der Wasseroberfläche war.

Die Jungs hatten natürlich eine Heilbuttharpune und ein stabiles Gaff dabei. Es waren drei Mann an Bord und die hievten den toten Butt dann über die Bootsseite auf diese Fangmaschine.

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Größte Vorsicht war geboten, weil das Boot ob des Gewichtes dieses Riesenbuttes Schlagseite bekam. Der schwerste von ihnen mußte daher auf der gegenüber liegenden Seite kräftig dagegenhalten.

Klingt fast unglaublich....aber die Jungs sind so mit diesem Riesenvieh im Camp angekommen.

Thomas, der Kveitefänger ist der "Angelguru" einer dänischen Gruppe von fünf Jungs, die mit ihren eigenen Booten aus Kopenhagen angereist sind. 15 größere Butt hat er in seinem Anglerleben schon verhaften können, erzählt er mir. Ich glaube es ihm.

Als ich ein paar Tage nach unserem Gespräch auf der Terrasse unserer Hütte sitze und die Aussicht auf den Fjord genieße, kommt Thomas mit einem Kumpel gerade vom Angeln zurück. Entgegen ihrer sonstigen Angewohnheit räumen Sie nicht das Boot aus, sondern eilen zur Hütte und holen ihre anderen Angelkollegen. Alle eilen zum Steg......ich hinterher. Hat dieser Kerl doch schon wieder zwei Heilis gefangen.......... 23,5 kg und 11 kg. Gebissen haben Sie innerhalb einer Viertelstunde .......dort, wo auch der große gehakt wurde.

Ich würde ja jetzt zum Schluß noch gerne berichten, dass ich auch einen Butt auf die Planken legen konnte.......dem war aber nicht so.....leider.

Aber eines ist sicher......da oben hab ich noch Rechnungen offen......ich muß also wieder kommen.

Der 16-Stundentörn nach Innerbaan

Traumwetter. Der Hamrefjord liegt wie ein Spiegel vor uns, darüber ein strahlend blauer Himmel ohne eine einzige Wolke.

Wir haben eine Gruppe dänischer Jungs kennengelernt, die sind mit zwei eigenen Booten hier ...... Fangmaschinen, die mit allem ausgestattet sind was ein Anglerherz begehrt. Vor allem das Boot von Thomas dem Kveitefänger lässt keine Wünsche offen.

Die Jungs machen heute einen Longtörn nach Innerbaan, eine Seichtstelle nordöstlich von Vannöya........ ca. 70 km vom Sjöcamp entfernt. Dort soll es wahre Dorschkracher geben. Eigentlich wollen sie mit nur einem Boot dort hin, sie bieten uns aber an, gegen Übernahme der Spritkosten auch mit dem zweiten Boot zu fahren und uns mitzunehmen. Stefan und ich sind dabei.

Wir fahren nach Vannereid um Benzin zu holen und tanken das Boot auf.

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Thomas mit seinem Superflitzer (2 x 115 PS) ist als erster startbereit......... gegen 12.30 Uhr geht es dann endlich los. Nach ca. eineinhalb Stunden erreichen wir unser Zielgebiet. Wir beginnen die erste Drift bei einer Wassertiefe von weniger als 10m. Am Echolot Fischanzeige.......bis sechs sieben Meter über Grund ist alles voll mit Fisch.......Kleinköhler und daneben und vor allem darunter die großen Räuber wie wir gleich merken werden.

Wir lassen unsere Montagen ab.....Pilker solo bzw. max. ein Gummimakk als Beifänger.

Nach nur wenigen Augenblicken rummst es in der ersten Rute und kurze Zeit später liegt ein knapp 14-pfündiger Dickkopf auf den Planken. Nach zehn Minuten sind bereits zwei 20-Pfünderplus in den Kisten. Die Attacken kommen oft mit brachialer Gewalt und dann geht die Post so richtig ab.

Bei ca. 30 m Wassertiefe ist Schluß. Wir verlegen das Boot und die nächste Drift verläuft wie die erste.

Die besten Bisse gibt es, wenn ein Sei am Haken hängt.......Überbiss.......die Schnur rast von der Rolle. Wer jetzt voll dagegen hält bleibt meist zweiter Sieger. Schnur geben.....den Dorsch ziehen lassen und hoffen, dass er den Kleinfisch schluckt.....dann Anhieb.....Widerstand.....der hängt. Es klappt nicht immer, manchmal holt sich der Dorsch seine Beute vom Haken oder lässt einfach wieder los. Stefan hat den Bogen am besten raus und bevor ich den ersten über 10-kg-Fisch landen kann, hat er schon fünf in der Kiste.

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Beim Hochholen der Montagen haben wir manchmal Nachläufer. Meterdorsche folgen dem Pilker oder dem Kleinköhler am Beifänger bis kurz unter die Wasseroberfläche und drehen dann ab.....ein eindrucksvolles Schauspiel.

Neben Dorschen haken wir auch viele Köhler in der 10 bis 15 Pfund Klasse. Die Seis werden ausnahmslos zurückgesetzt und auch Dorsche unter 10 Pfund haben wir nicht mitgenommen. Wegen der geringen Wassertiefe, in der die Fische gefangen wurden, war das Zurücksetzen ohne Probleme möglich.

Gegen Mitternacht erleben wir dann einen stimmungsvollen Sonnenuntergang über dem Nordmeer bei dem zum Schluss die Sonne nur noch als roter Strich am Horizont zu sehen ist.

Zwei Stunden später ist dieser rote Strich wieder da......die Sonne geht auf. Die ganze Nacht über bleibt es taghell auch wenn sich die Sonne für zwei Stunden hinter dem Horizont versteckt hat.

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Um 3.00 Uhr morgens kommen Thomas und seine Kumpels zu unserem Boot. Nach einer kurzen Lagebesprechung wird entschieden, dass wir nun zurückfahren.

Dreizehn Stunden Nonstopangeln brachten für unsere Bootscrew......Vagn der Däne und Bootsführer, Stefan und ich.........knapp 30 Dorsche über 20 Pfund........die schwersten davon 2 x 30 Pfund, 2 x 32 Pfund, 1 x 34 Pfund und 1 x 38 Pfund (vom Jungster Stefan).

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Die 40-Pfund-Marke konnten wir auf unserem Boot leider nicht knacken. Der schwerste Dorsch der vier Jungs vom anderen Boot brachte 55 Pfund auf die Waage, gefangen.......wie könnte es anders sein......vom Kveitefänger Thomas.

Was angelmäßig in diesen dreizehn Stunden abging hatte ich bisher noch nicht erlebt und ich denke mal das wird auch so leicht nicht zu toppen sein. Die dänischen Jungs sind der Meinung, dass es zumindest in Norwegen keine bessere Stelle zum Dorschangeln gibt.....ich kann dem nicht widersprechen. Einen 30-Pfund-Dorsch in 10 m tiefem Wasser zu haken ..... einfach nur geil.

Gegen fünf Uhr kommen wir von unserer Tour zurück. Kurz danach steht Roald, der Betreiber vom Vannöya Sjöcamp schon auf dem Steg. Die Dänen hatten vorher mit ihm vereinbart, dass er den Fisch abnimmt.

Voraussetzung dafür war, dass der Fisch natürlich bereits draußen auf dem Meer geschlachtet wird und die Köpfe abgeschnitten werden. Das Abschneiden der Köpfe musste auf eine ganz spezielle Art erfolgen, die Roald uns vorher gezeigt hatte. Nur dann würde der Fisch in der Fabrik angenommen. Als Roald unseren Fang sieht meine ich, ein kurzes Lächeln in seinem zerfurchten Gesicht zu entdecken.. .......ich kann mich aber auch getäuscht haben. Jedenfalls hat er mit unserem Fang seine Quote für dieses Jahr erfüllt.

Noch etwas zum Angelplatz. Innerbaan ist eine Seichtstelle im offenen Meer ca .50 km nordwestlich von Vannöya, etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Inseln Söröya und Vannöya und von der nördlichen Spitze der Insel Fuglöy 25 km entfernt. Erreichbar ist dieser Platz nur mit geeigneten Booten und das auch nur bei allerbestem Wetter. Roald meinte, es gäbe hier oben so durchschnittlich nur ein bis zwei Tage pro Monat an denen eine solche Tour möglich ist.

"Schwein gehabt", sag ich da nur!

Das Fazit

Das Fazit ist kurz und eindeutig: Ich will da nochmals hin.

Schon viele Norwegenurlaube haben wir verbracht....auch ganz im Norden. Noch nirgends konnten wir so viele und vor allem so viele große Fische fangen. Hauptfisch ist ganz eindeutig der Dorsch.

Aber da ist viel mehr drin. Ausgiebiges Naturköderfischen haben wir nicht betrieben...da liegen sicher noch viele Möglichkeiten. Und die Chance auf einen kapitalen Butt ist groß. Wir hatten etliche Hammerüberbisse auf Seelachs, die wir nicht verwerten konnten.......ich bin mir sicher, das waren nicht nur Großdorsche.

Also schaun mer mal was nächstes Jahr ist!

Viel Grüße



Johann Grindinger






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