Google
 
Web www.anglerpraxis.de
Guten Morgen, und Viel Spaß im Archiv des Anglerboard-Magazins!


  Navigation
picStart
picAktuelles Magazin
picMagazinforum
picOnlineshops
picKleinanzeigen
picImpressum
picHaftungsausschluss
picAnglerboard.de



  Archiv
picGesamtes Archiv
picAllgemein
picRaubfischangeln
picFriedfischangeln
picMeeresangeln
picJungangler
picGewässertipps und Reiseberichte
picGerätetips und Berichte picBasteln und Gerätepflege
picRezepte und Kochtips
picPolitik und Naturschutz
picInteressengemeinschaft Angeln
picUnterhaltung
picPressemitteilungen und Firmenvorstellungen
picSonstiges




Artikel als .pdf herunterladen (76 KB) !?

Senja oder die Reise ins Blaue, Teil 2

Nach 16 Stunden Fahrt haben wir dann endlich eine Stelle gefunden an der wir beginnen konnten zu fischen.

Morgens haben wir 60 Fässer von der Gröse eines Mörtelfasses auf das Schiff geladen. Darin befand sich je eine Langleine von 450m Länge. Daran an Tönnchenwirbeln befestigt 300 langschenklige Haken mit einer monofilen 80er Mundschnur die ca 60cm lang war. Jeder Haken war schon mit einer ca 3cm breiten Heringskarbonade beködert. Gelagert werden die Langleine in einem Frostraum, die Heringsstücke waren mit Salz bestreut, der Geruch dadurch zu ertragen. Ausserdem waren noch verschiedene Behälter mit Leinen ohne Haken an Bord.

Als erstes wird eine Boje mit Stab und Wimpeln an einer dieser Leinen befestigt und 2 Ketten mit Schwimmerkugeln. Das ganze geht über Bord, es folgten ca 400m Leine, danach ein ca 40 kg wiegender Anker an die Leine und über Bord. Es folgen noch mal ca 50m Leine und dann wurde die erste Langleine angeknubbert.

Insgesamt wurden 10 Langleinen verbunden, die Gesamtlänge einer Langleine betrug somit ca 4,5km, mit 3000 Haken. Als Abschluss kam wieder ein Anker, 400m Leine (bis zur Oberfläche) dann 2 Schwimmerketten uind eine Stabboje mit Wimpeln. Das ganze wird nicht unbedingt in gerader Linie ausgebracht sondern abhängig von der Abbruchkante/Tiefe auch im Bogen.

Von diesen Monsterschnüren haben wir 2 Stück ausgebracht, was jeweils ca 45min dauerte. Dann war erstmal 2,5 Stunden Pause angesagt. Das wäre die einzige Zeit gewesen in der man mit der Angel hätte fischen können. Aber die Pause war für uns alle dringend nötig.

Nachdem die erste Leine 4 Stunden lag haben wir mit dem Einholen begonnen.Also Boje und Schwimmerkugeln rein, dann die 400m freie Leine, den Anker und dann kamen die ersten Fische. Wurden aber nicht an Bord gehoben sondern landeten alle wieder im Wasser. Es waren anfangs nämlich nur Chimären, eine hässlicher und schleimiger als die andere.

Aber bald kamen auch die ersten Heilis an Bord. Der schwarze Heilbutt wird bei weitem nicht so gross wie der graue Heilbutt. Die grössten Exemplare wogen schätzungsweise 12-15 kg. Durchschnitt war so 6 kg schätze ich.

An der Winde, die die Leine hochzog, stand Käpt´n Inger mit dem typischen norwegischem kurzem Holzgaff.Er gaffte die Heilbutts und hielt deren Schnauze kurz vor die Winde, die Mundschnur riss und der Fisch flog im hohen Bogen in den linken Teil einer grossen metallenen Fischkiste.

Ja und da kamen dann Ralf und ich zum Zug..... Ich hab die Fische gekehlt und den Bauch geöffnet, Ralf oblag es, die Innereien samt Rogen oder Milch auszuräumen....

Die haben sich wenigstens nicht mehr gewehrt, so wie auf meiner Seite.

Anschliessend kamen die Fische über eine Rutsche in 6 grosse Edelstahlbehälter im Rumpf des Schiffes. Die wurden vorher im Hafen mit Eis bestückt, dann noch einiges an Salzwasser dazu und der Fisch blieb frisch.

Nach der ersten Langleine hatten wir ca 800kg Fisch im Bunker. Direkt anschliessend wurde Leine Nummer 3 gelegt und dann Leine Nummer 2 eingeholt. Uns wurde dann gesagt, dass sie normalerweise nach 2 Leinen eine Pause machen würden, aber wenn wir weiter mithelfen würden könnten wir auch durchfischen und wären dann halt früher zu Hause.

Also hat Ralf dann die 2. Leine ausgesetzt und gepooft. Die Leine voll Fisch durfte ich dann ausnehmen. Mann, was für ein Job, wenn du das so 6 Stunden nacheinander machen musst. Die Leine war auch besser gefüllt als die erste.

Mittlerweile ist ringsrum dichter Nebel aufgezogen, man kann gerade mal 50m weit blicken. Das ganze Wasser sitzt voller Möwen und Eissturmvögeln die sich nur noch die Lebern der Heilis reinschlingen. Selbst der Rogen wird nicht mehr gefressen. Die leben also auch im Überfluss.

Auf der Hinfahrt hatten wir plötzlich eine Schwalbe an Bord, die offensichtlich die Orientierung verloren hatte. Sie blieb immer am Schiff bis wir zu einem grösseren Schiff kamen. Dort ist sie dann übergesiedelt.

Immer wenn ein Heilbutt sich an der Oberfläche löste, wurde versucht, ihm doch noch habhaft zu werden. Mittels 2, jeweils 3m langen Stangen, an denen unten ein sehr grosser Vierlingshaken angebracht war. Ich war völlig baff, mit welcher Geschwindigkeit der ca 3,5 Zenter wiegende Riese von Käptn die meisten dieser Kerle wieder am Haken hatte und wie enttäuscht er guckte wenn er einen verfehlte.

Die 3. Leine hab ich ausgesetzt, gepooft und gefuttert. Die 4. wieder mit Ralf zusammen versorgt.

Wir haben insgesamt bei der Tour 5,8 Tonnen Heilbutt gefangen.

Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, dass ich, nördlich vom Nordkapp, ca 4t Heilbutt geschlachtet habe. War auch sicher besser dass wir die Ruten an Land gelassen hatten. Hätte bestimmt ne Doublette aus Lumb und Chimäre hochgepumpt. Dafür sind 350m verdammt tief.

Als Beifang gabs ca 50 kg Brosme, aber keine wirklich grossen. Ausserdem 3 Rotbarsche, auch nix grosses, ein schöner Köhler, ca 13 Pfund der wohl beim Raufholen eingestiegen sein muss.

Ausserdem jede Menge Chimären und 3 riesige blaue Steinbeisser. Alle mindesten 1m lang. Die kann man aber leider wohl nicht essen, da ihr Fleisch wohl nur aus Wasser besteht. Wollten wir dann lieber nicht ausprobieren.

Auf der Heimfahrt passierte eigentlich nichts besonderes mehr . Ausser dass wir den Nebel da oben liessen und plötzlich wieder Sonnenschein herrschte. Wind war zwar etwas stärker, aber keine wirklichen Probleme damit gehabt.

Durften dann nach Herzenslust für uns filetieren, was wir aber nicht allzu schamlos ausnutzten. Hatten hinterher 15 Pck. Filet und noch 4 ganze zum Kottelett schneiden und räuchern.

Kamen nach 16 Stunden Direktfahrt wieder im Heimathafen an. Der Fisch wurde dort sofort entladen in grosse Wannen mit Eiswasser gefüllt. Dazwischen natürlich noch gewogen. 6t durften sie noch fischen, war also fast ne Punktlandung.

War halt mal ne Heilbutttour der ganz anderen Art, würde es aber jederzeit wieder machen.

Könnte zwar noch ein paar Geschichten von norwegischen Berufsfischern einfügen, aber vielleicht sprengt das dann wirklich den Rahmen eines Reiseberichtes. Vielleicht laber ich ja so schon zu viel für einige .

Ausserdem wirds dann auch noch gefährlich für die Boardferkelwahl..

Eine Geschichte werd ich bestimmt so schnell nicht vergessen.

Unsere beiden Berufsfischer waren schon recht rustikal, wobei Inger bei weitem den Vogel abschoss. Leider konnte er kaum Englisch, ich kaum Norwegisch, sonst hätten wir sicher noch mehr zu Lachen gehabt.

Begrüsst wurden wir zu jeder Tageszeit mit einem lauten:" AAAhhh, Gutttään Mooorgäään". Oder auch mal: "aaahhh Hällgaa oder Olllgaaaa."

Auf seinem anderen Schiff hatte er auch einen Videorekorder... Da konnten wir dann Helga und Olga in Aktion erleben, Ausserdem noch Ken und Kevin usw....

Zurück an Bord: Als die ersten von diesen Chimären hochkamen sagte uns Georg, dass man sie nicht essen könne und sie deshalb nicht mitgenommen würden.

Inger liess es sich aber nicht nehmen, uns ab und zu so´n schleimiges ,fädenziehendes Untier mit einem fröhlichen: "Oahh, Hällgaa" in die Kiste zu werfen.

Irgendwann fing er dann an, sich so 4-5 der grössten Exemplare auf die Seite zu legen. Während ich mich noch fragte was das jetzt werden soll begann er die Tierchen ruck-zuck zu filetieren.

Auf meinen fragenden Blick antwortete Georg, dass nur Inger sie essen würde.

Die Filets sahen eigentlich nicht schlecht aus. Sie landeten dann für einige Stunden im Salzwasser. Irgendwann holte Inger sich dann die Pfanne, in der wir vorher das Hähnchen portionsweise aufgewärmt hatten, und briet in dem alten Fett die Hälfte der Filets. Wurden dann mit dem Ausspruch:"Hm, Kyling"(Hähnchen) verspeist.

Dann kam nach Säubern der Pfanne die 2. Hälfte der Filets auf den Herd, wo sie in 1-2 Stunden schön cross gebraten wurden.

Irgendwann stoppte Inger dann die Winde, mit der die Langleine hochgezogen wurde und ging in die Küche. Er nahm sich die Pfanne und ging wieder nach draussen. Ich war der Meinung ,er wolle die eingetrockneten Fischstücke über Bord werfen.

Aber weit gefehlt: Sie landeten in der Kiste in der auch der Heilbutt nach dem Gaffen landete. Ich habs immer noch nicht kapiert.

Kurz später langte Inger dann mit seinen zugesetzten norwegischen Fischerhandschuhen in die Kiste,kratzte die Wand hoch eine Portion Chimäre hervor und steckte diese mit einem fröhlichem: "HmmH; Ohh; Hällgaa" in den Mund.

Bisschen Schleim von Heilbutt oder Chimäre störte ihn dabei überhaupt nicht.

Mir wird jedenfalls beim Schreiben schon fast wieder schlecht.

Mülleimer gabs an Bord auch nur einen. Aber der diente nur als Zwischenlager. Sämtliche Abfälle wanderten über Bord. Haben zwar versucht unseren Müll in einer Tüte zu sammeln, aber die nahm irgendwann den gleichen Weg.

Weiterhin hatten die Jungs immer mal viel Spass damit, einen der Eissturmvögel mit dem grossen Gaff zu fangen. Holt man diese Vögel an Bord, fliegen sie nicht weg, sondern beginnen nach kurzer Zeit zu kotzen. Hat ihnen einen Heidenspass gemacht. Ich fands nicht so lustig.

So nun aber mal wieder weg von der Blakveitefahrt.

Am darauffolgenden Tag war pötzlich Schlechtwetter angesagt. Viel Regen und Wind zog in den Fjord. In der Hoffnung, dass das nur ein kurzer Ausrutscher war, beschlossen wir, heute nach Tromsö zu fahren und das Echolot zu holen.

Sind hinzus an der Küste lang zur Nordspitze Senjas gefahren und von dort mit einer Fähre nach Kvaloya übergesetzt. Von dort kommt man über eine Brücke, vom Flughafen her, nach Tromsö. In Tromsö natürlich erstmal schön Kaffee getrunken und natürlich auch gefachsimpelt. Auch die Heringe , die wir mitnehmen durften waren super legger. Viele Grüsse nochmal an dich, Nordmann.

Haben dann dem Polaria in Tromsö noch einen Besuch abgestattet. Ist ein Museum mit Schwerpunkt Eismeer/Svalbard. Haben auch ein schönes Aquarium dabei. Die Steinbeisser dort sind echt beeindruckend. Haben alle 3 Arten da, in Grössen von ca 1m. Wir hatten schon überlegt, ob wir uns nicht über Nacht einschliessen lassen sollten. Aber natürlich hatte mal wieder keiner eine Handleine dabei.

Aber eigentlich müsste man sich gar nicht einschliessen lassen, Angeln im Salzwasser ist doch frei, oder?

Tromsö hat übrigens noch eine Besonderheit: Die Stadt ist untertunnelt und hat sogar 3 Kreisel in den Tunnels. Das alles für ca 20000 Einwohner.

Am Montag haben wir dann Torbjörn nach seinem anderen Boot gefragt. Er hatte mal erzählt, dass er noch ein Boot mit 25 PS Motor habe. Da das Echolot an dem Schnellboot nur schlecht zu befestigen war wollten wir das ausprobieren. Echolot liess sich zwar einfach mittels Zwinge befestigen, aber das Boot lag mit uns beiden doch recht tief im Wasser. Da es auch noch ein 2-Takter war kam der Sprit nicht wirklich billiger.

Haben dann an diesem Tag noch viel im Fjord versucht um Fisch zu finden, leider nur mit mässigem Erfolg. Einige andere Angler standen nur leicht ausserhalb des Fjordes, was uns aber mit dem kleinen Boot etwas zu riskant erschien.

Am Dienstag dann viel gebastelt um das Echolot an der Badeleiter zu befestigen. Das hielt auch sehr gut wenn man sehr langsam fuhr, aber um Schwärme zu finden während der Fahrt konnten wir es leider nicht nutzen. Mussten also eine Stelle anfahren um dann das Echolot runterzuklappen und zu sehen ob auch Fisch da ist. War halt schon mühsam.

Am frühen Abend sind wir dann wieder mit Inger, Thorbjörn und Georg rausgefahren. Sie wollten eine Langleine auf Heilbuttlegen. Diesmal sollte aber nicht der schwarze Butt unser Ziel sein. Anschliessend wollten sie dann mit uns noch zum Fischen fahren.

Der Aufbau dieser Langleine wahr ähnlich wie im vorigen Teil beschrieben. Es wurden jedoch grosse Kreishaken verwendet, die mit einer 1.5m langen Mundschnur aus Kordel an der Hauptleine befestigt war. Die Haken waren mit je einem ganzen Hering beködert.

Die Mundschnüre sassen auch viel weiter auseinander, so das insgesamt 600 Haken ausgelegt wurden.

Die Jungs hatten auch noch überlegt mit einer Leine auf Lachs zu fischen. War aber nicht neblig genug dazu.

Anschliessend haben wir noch einige Stellen mit Inger angefahren aber es war kaum Fisch auf dem Echolot zu finden.

Nur Ralf hatte plötzlich einen heftigen Kontakt. Er hatte 160m Schnur draussen, unter uns waren 180m Wasser. Ralfr brachte mit viel Mühe 20m Schnur auf die Rolle, dann ging wohl nichts mehr. Inger fuhr dann ein bischen entgegen, nochmal 15 m auf die Rolle dann ging nichts mehr. Ralf liess sich dann endlich überzeugen, dass das kein Fisch sein kann und kappte die Schnur mithilfe des Holzgaffes.

Sind dann die Rückfahrt angetreten. Plötzlich war ein grosser Schwarm Fisch in 140m Tiefe 20m über Grund auf dem Echolot zu sehen. Also nichts wie angehalten, Köder runter und Ralf hat auch gleich einen ordentlichen Biss. Nach kurzer Zeit hatte er den ca 15pfündigen Dorsch an Bord.

Danach tat sich nichts mehr. Der Schwarm bestand wohl aus kleinen Schellfischen. Versuch mit Gummimakks, Pilker solo, Überbeisservorfach...

Es war zum Verrücktwerden. Man sieht diesen riesigen Schwarm an Fisch und irgendjemand hat ihnen die Mäuler zugenäht . Aber das ist halt Angeln.

Bernd Hoos


 
Werbung
 





© 2003-2011 Anglerpraxis.de - Alle Rechte und Irrtümer vorbehalten
Powered by MLIT