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Brassenfang bei tierischer Hitze

brassenfang_1.jpg Der Sonnenschein lässt uns nicht nur schwitzen, sondern veranlasst uns auch dazu das Hobby Angeln intensiver zu verfolgen als sonst. Denn was gibt es besseres als am Gewässer zu sitzen und die Natur in ihrer ganzen Schönheit zu genießen. Aber so ganz stimmt dass ja nicht, denn bei Temperaturen über 40° kann man sich wiederum doch etwas besseres vorstellen, als das Angeln. Deshalb bin ich vor einer Woche mit großer Zuversicht in den Norden Deutschlands gereist um dort mein Angelglück zu versuchen, denn der Wetterbericht meldete in den nördlichen Regionen Temperaturen um die 30°. Als ich dann mit meinen Großeltern endlich angekommen war, erkundete ich zielstrebig das zu beangelnde Gewässer. Obwohl wirklich ein angenehmes Klima herrschte, herrschte bei mir schnell die Verzweiflung. Denn der Wasserstand des Kanals war trotzdem sehr niedrig und die Wassertemperatur war alles andere als kühl.
Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt. Da das Stück Kanal im Besitz der Vermieter unserer Wohnung ist, gab es keine Beschränkung der Stückzahl von Angeln, einzige Bedingung war dass man sich mit den anderen Anglern abspricht, damit keine Streitigkeiten aufkommen. Und nach einen kurzem Gespräch konnte ich meine vier Angelruten montieren. Als Zielfisch habe ich mir den Brassen gesetzt, da dieser Fisch in Kanälen durch großes Nahrungsangebot Rekordgrößen erreichen kann.
Erst einmal habe ich zwei Grundangeln zusammengebaut, da Brassen typische Grundfische sind. Als Angelgerät wendete ich Steckruten an mit einem Wurfgewicht von 10 - 30 Gramm, an die 0.25er Hauptschnur knotete ich einen Karabinerwirbel und in diesen hing ich ein 15 gr. schweres Birnenblei und ein 0.20er Vorfach mir Hakengröße 6. Danach montierte ich noch zwei Angeln mit feststehender Pose. Dafür benutzte ich Teleskopangeln die das gleiche Wurfgewicht wie meine Grundangeln haben, als Hauptschnur wählte ich erneut die Stärke 0.25, da Brassen keine sonderlichen Kämpfer an der Angel sind. Ich benutzte Posen mit 4 Gramm Tragkraft, da die Strömung durch den niedrigen Wasserstand sehr schwach war. Das 0.25er Vorfach war mit einem Haken der Größe 5 versehen, nach dem ich dann ausgebleit hatte, konnte es endlich losgehen. Als Köder benutzte ich Süßmais aus der Konservenbüchse und Würmer aus dem daheim liegenden Komposter. Ich fütterte mit Mais an, und nach kurzer Zeit bekamen meine Augen langsam aufsteigende Bläschen zu sehen, was mir signalisierte das die Brassen mit ihrem rüsselartigen Maul den schlammigen Grund nach Nahrung absuchten. Aber der erste Tag sollte noch keinen Erfolg bringen.
Am nächsten Morgen habe ich verschlafen und beginn dadurch relativ spät an zu angeln. Die Sonneneinwirkung war sehr stark und ich legte alle Angeln aus, für die Grundangeln benutze ich eine Mais-Wurm Kombi und an die Posenangeln befestigte ich nur Mais. Nach dem ich noch einmal mit Mais angefüttert habe, ging ich in den kühlen Aufenthaltsraum von dem ich das ganze Geschehen am Wasser sehr gut beobachten konnte. Auf die Schwimmer habe ich alle fünf Minuten einen Blick geworfen und bei den Grundangeln erwartete ich bei einem Biss dass klingeln der Aalglöckchen und beobachte diese deshalb weniger. Ich fand zufälligerweise eine Angelzeitschrift und vertiefte meine Gedanken mehr in den Bildern, als in dem reellen Angelgeschehen.
Nach einer halben Stunde legte ich die Zeitschrift wieder zur Seite und beschloss die Angeln zu kontrollieren. Und als ich auf die Angeln zuging fiel mir sofort eine Grundangel auf, deren Schnur total schlaff durchhing. Mir war sofort klar, dass es eine Brasse sein wird. Denn beim Grundangeln ist mir schon oft aufgefallen, dass eine Brasse nicht versucht zu flüchten sondern in der Nähe bleibt. Dadurch kommt diese Schlaffheit der Schnur zustande.
 
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Als ich dann die Angel rein holte fühlte es sich für mich so an, als ob ein Stück Blei am Ende der Schnur wäre. Dieser Punkt ist wieder charakteristisch für das Verhalten einer gehakten Brasse. Ich zog den Fisch über den Kescher und konnte diesen dann in Ruhe landen. Es war eine schöne Brasse von 40cm, und kurze Zeit später war auch meine Familie da und wollte wissen womit ich den Fisch gefangen habe und was das für ein Fisch ist usw.
Als die Brasse dann im Kühlschrank war, verschwand plötzlich das große Interesse meiner Familie und ich war wieder alleine an meiner Angelstelle. Aber die Aussichten auf weitere Fänge sanken, denn die Temperaturen stiegen. Mir kam die Idee ein Lockfutter anzufertigen um den Fischen die Hitze dann erträglicher zu machen. Ich mischte Graubrot mit Maiswasser zu einer gut knetbaren Masse und dazu gab ich noch Maden hinzu. Ich formte kleine Kugeln und fütterte damit an. Und die Wirkung war grandios, das Wasser wurde unruhig, es stiegen wieder Blasen auf und paar Minuten später fing ich auch eine Rotfeder von 10cm. Es folgten noch einige Barsche auf Wurm und noch einige Rotfedern.
Aber von Brassen war nichts mehr zu sehen.
brassenfang_2.jpg
Am nächsten Morgen bin ich dann mit meinen Opa um 6 Uhr aufgestanden. Ich fütterte wieder mit Mais und meinem Teig an und die Fische wurden wieder aktiv, auch die Temperatur war zu diesem Zeitpunkt sehr gut auszuhalten - für den Fisch und für uns. Während wir beiden uns noch über die Wirkung meines Lockfutters wunderten, sah ich wie eine Pose kurz untertauchte. Da mein Opa direkt vor der Angel stand machte ich auf den Schwimmer aufmerksam. Und wieder tauchte die Pose ab, aber diesmal länger. Und genau dann schlug mein Opa an. Der Schwimmer war immer noch untergetaucht. Es sollte nun ein wesentlich spannenderer Drill werden, als wie am Vortag. Denn der Fisch versuchte in das Kraut zu flüchten. Allerdings konnte mein Opa den Fisch noch rechtzeitig davon abhalten. Ich kescherte den Fisch kurze Zeit später und es war wieder eine Brasse, diesmal mit einer Länge von 47cm und einem Gewicht von 1,2 Kilo.
In den nächsten Tagen wurde es immer wärmer und unerträglicher, und dass schien bei den Fischen auch nicht anders gewesen zu sein. Denn Brassen haben wir keine mehr gefangen. Einzig Barsche und Rodfedern ließen und ab und zu noch einmal hoffen. Trotzdem konnte ich sehr stolz sein, denn andere Angler hatten keinerlei Erfolg gehabt.
Das Resultat der einen Woche ist, dass man nie pessimistisch ans Werk gehen darf.
brassenfang_3.jpg
Man muss flexibel auftreten und sich den Gegebenheiten schnell anpassen, indem man etwas Neues ausprobiert. Ebenfalls sollte man sich auch über das Verhalten des zu fangenden Fisches erkundigen. Denn nur dann stellt sich der Erfolg ein, denn konservatives Angeln bringt einen nicht weit.

Marcel Thewes



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