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Kleine Norwegische See- und Wetterkunde für Bootsangler

Wir alle haben es schon erlebt, eine schöner Angeltag bei Sonnenschein draußen auf See, aber gegen Mittag dann Wind und Wellen.

Woher kommt das wohl?

Die felsige Küste nimmt weit mehr Wärme auf als erdiger Untergrund und vor allem als Wasser. Daraus resultieren erstaunlich starke thermische Einflüsse.
Am Tage entwickelt sich eine daher meist südwestliche bis nordwestliche Thermik, die um 14.00 Uhr herum ihr Maximum findet, dabei werden leicht 5 - 6 Beaufort erreicht. Wir sprechen hier von der sogenannten Seebrise, die meist Auflandig ist. Diese Seebrise müssen wir beachten wenn wir früh morgens raus zum fischen fahren. Nachts kehrt sich die Richtung um was bedeutet das es wir es hier nun mit Ablandigen Wind zu tun bekommen. Sprich wenn man spät am Mittag noch weit raus aufs Meer( Richtung West/Nordwest und auch Östlich) fährt wird man meist gegen diesen Ablandigen Wind zurück fahren müssen.
Mein Norwegischer Freund Arve riet mir daher vor Jahren schon, auf westlichen bis östlichen Kursen sehr früh aufzubrechen und das Ziel vor Mittag zu erreichen.

Wetterberichte

Die gewohnten Berichte für das Nordmeer - soweit man sie überhaupt empfangen kann - sind weitgehend für das Revier unzutreffend. Das hängt mit den Küsteneinflüssen und der oben erwähnten Thermik zusammen. Es ist daher unabdingbar lokale Wetternachrichten abzuhören. Neben der Vorhersage über Wind und See werden wichtige Stationsmeldungen gegeben. Die Berichte werden mehrmals am Tag auf den neuesten Stand gebracht und kontinuierlich gesendet. Des norwegischen Unkundig - wie auch ich - können sich dann den Bericht so oft anhören, wie für das Verständnis nötig. Nach mehrmaligen Abhören kommt man aber dahinter.

Seegang

In den Seekarten sind verschiedene Gebiete mit dem Vermerk ?Attention Area, Dangerous waves? versehen. Diese Hinweise sind unbedingt ernst zu nehmen!
Aus dem Skagerak oder Nordmeer heraus läuft eine Grunddünung, die schon bei mittlerem Wind leicht 1 m erreicht. Dazu kommen die küstennahen Einflüsse. Bei zunehmendem Wind nimmt die See schnell an Höhe zu. Durch mehrere Faktoren werden brechende Seen und Kreuzseen erzeugt.
Aus den Fjorden heraus setzt in der Regel Strom, der die See aufsteilt. Die Wassertiefe steigt sehr schnell aus mehreren 100 m auf weniger als 10 m an.· Der Strom, wind- und tidenbedingt, wird von dem zerklüfteten Grund und den vorgelagerten Schären stark umgelenkt. Zusammen mit der Reflexion der See von der Felsenküste laufen die Seen in alle Richtungen und bauen mitunter gefährliche Kreuzseen auf.
Bei Winden unter 5 Beaufort haben wir schon Seen bis zu 3 m erlebt, die in unmittelbarer Küstennähe und auf vorgelagerten Gründen brachen und unangenehme Kreuzseen erzeugten. Nach Berichten der norwegischen Fischer besteht ab 5 - 6 Beaufort echte Gefahr. Die gefährlichste See entsteht naturgemäß bei südlichen Winden.

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Seekarten

Die norwegischen Seekarten sind sehr gewöhnungsbedürftig. Sie enthalten eine Unmenge von Details, insbesondere Tiefenangaben, die für den Angler und für die Fischerei von Bedeutung sind. Der Maßstab ist meist 1: 50 000.In den etwas älteren Karten ( Zur Zeit etwa die hälfte der zur Verfügung stehenden Karten )sind die flacheren Stellen nicht farblich abgehoben. Man muss so auf dem gewählten Kurs mühsam und durch sehr kleine Schrift erschwert aus zahlreichen Tiefenangaben die gefährlichen Untiefen heraussuchen. Die neueren Karten sind in diesem Punkt verbessert.
Angelt man nun zufällig in einem Gebiet für die es noch keine neuen Karten gibt, sollte sie sich Kartenausschnitte in einem besseren Maßstab z.B. 1. 25 000 besorgen. Wer schon einmal ( im besten Fall ) auf einer Schäre sitzen geblieben ist, der weiß was ich meine. Daher also die in den Detailkarten die Untiefen mit einem farbigen Marker kennzeichnen. Die Gefahr, eine Untiefe zu übersehen ist ansonsten groß. Kundige Seefahrer können mit Hilfe von Lineal und Zirkel selber markante Punkte ausmessen und auf die Karte übertragen. Die Genauigkeit lieg dann meist so bei 50 bis 150 Meter. In der heutigen Zeit wird ja meist auch ein GPS zur Hilfe genommen, um den Kurs zu bestimmen, und spezielle Angelstellen (Hotspots) anzufahren. Bitte daran denken, ein GPS alleine genügt nicht um sicher zu navigieren und wieder heim zu finden. Ein Kompass sollte daher in jeden Fall immer mit an Board sein.

Zum Schluss

Das Angelrevier Norwegen stellt zwar hohe Anforderungen an den Kapitän oder Bootsführer, belohnt aber dafür mit guten Fängen, einer wunderschönen Landschaft und sehr freundlichen, gastlichen Menschen. Nirgendwo sonst sind wir bisher als Angler so gastfreundlich, und hilfsbereit aufgenommen worden wie in Norwegen.

Daher eine Bitte:

Bedenke, dass wir Gast in dem jeweiligen Land sind. Wir haben zwar einige Mühen und Kosten auf uns genommen, was uns aber nicht berechtigt, uns dort wie eine Horde Wilder zu benehmen.
Schont die Ressourcen des Meeres. Nehmt nur soviel Fisch mit nach Hause, wie ihr in nächster Zeit verzehren könnt. Ich habe Angler beobachtet, die ganze 220 Volt Tiefkühltruhen an den Reiseort schleppten. Ich finde, das muss nicht sein.
Versucht untermaßige Fische dem Meer zurückzugeben. Ich weiß, dass dies nicht immer einfach ist. Aber bei den immer knapper werdenden Ressourcen und in Anbetracht der Kreatur (Fische) sollte dies vielleicht leichter fallen. Dann seid ihr bei der nächsten Angelreise mit Sicherheit wieder gern gesehene Gäste.
Leider werden viele Angelreiseorte gerade auch in Norwegen kommerzialisiert. Wenn ihr das ursprüngliche Norwegen, seine Gelassenheit und Ruhe sucht, dann meidet solche Orte, wo spezielle Wohnghettos für Angler angeboten werden. Ihr werdet eine Enttäuschung erleben. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Durch die teilweise Kommerzialisierung des Angelsportes ist leider altes Gedankengut verloren gegangen.
Versucht, diese wiederzuentdecken! Dann werdet ihr, auch ohne den Fisch des Lebens gefangen zu haben, glücklich, und um einige positive Erfahrungen reicher nach Hause zurückkehren.

Herbert Jordan



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