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Tour zum "unbekannten" Weißen Riff
Ende Juni rief mich mein Onkel an, er wollte von mir wissen, wo er mit seinem Sohn in den Sommerferien zum Fischen hinfahren kann und ob ich auch mitkommen würde. Mein Onkel und mein Cousin haben beide keinen Sportfischereischein und auch keine Ausrüstung. Ich war schon öfter mit meinem Cousin zum Forellenpuff und zum Aalangeln an meinem Vereinsgewässer. Also habe ich zugesagt. Am nächsten Abend haben wir drei uns getroffen und meine Angelzeitschriften nach Angeboten durchforstet. Immer wieder fiel uns Dänemark auf. Als ich dann noch die Bestimmungen für Dänemark gefunden hatte, stand unser Ziel fest. Nun war von vornherein klar, dass es schwer ist, noch ein Haus in den Sommerferien zu bekommen, so dass wir unsere suche auf eine Mehrtages Tour auf dem Meer fixierten. In den diversen Zeitungen, Zeitschriften und im Internet fanden wir auch mehrere Anbieter. Wir ließen uns von den Anbietern Angebote zuschicken. Nach 4 Tagen hatten wir alle Angebote zusammen und haben uns dann für eins entschieden. Unsere Wahl fiel auf die Schifffahrtsagentur Hartung aus Kiel. Sie haben uns ein Angebot für ein 4 Tages Törn ans Weiße Riff von Thyboron mit der MS Ostsee Star aus gemacht. Nachdem wir die Anmeldung per Fax losgeschickt hatten, erhielten wir innerhalb von einer Stunde die Bestätigung und eine Anfahrtsbeschreibung. Dann gab es noch ein Telefonat mit Frau Hartung wegen der Ausrüstung, da ich im Internet nichts finden konnte mit welchem Gerät da gefischt wird. Sie sagte mir dass das Weiße Riff bei den Anglern noch sehr unbekannt ist. Das benötigte Gerät ist sehr einfach. Es wird mit leichten Pilkruten oder schweren Spinnruten gefischt. Die Pilker liegen so zwischen 60 und 150 Gramm. Damit kommt man hervorragend aus. An Beifängern ist alles erlaubt was das Herz begehrt. Man sollte aber eine große Stationärrolle verwenden, mit der man die Kraft gut übertragen kann. Die Angeltiefe liegt zwischen 19 und 45 Metern.
 Smutje Willi |
 Manfred mit zwei Anglern |
Am Mittwoch den 06.08.2003 ging es dann endlich los. Wir fuhren bei mir (nähe von Bremen) so gegen 12.00 Uhr los und erreichten unser Ziel, den Hafen von Thyboron, dank der guten Wegbeschreibung der Schifffahrtsagentur Hartung sehr gut und pünktlich zum Abendbrot. Wir wurden auch gleich vom Skipper Manfred und Smutje Wille mit einem herzlichen "Willkommen" begrüßt. Als erstes wurde das Abendbrot eingenommen. Anschließend gab es eine Einweisung des Skippers zur Schiffsordnung, Sicherheitsbestimmungen und die Tour wurde besprochen. Nun führte uns Willi zu den Kabinen.
 MS "OSTSEE STAR"
Bei den ersten gemütlichen Bieren lernte sich die Gruppe kennen. Mit an Board waren 2 Berliner, 3 Kölner, 3 aus dem Raum Kassel, 4 Mainzer und wir 3 aus dem Raum Bremen. Die einen bauten schon ihre Ruten für den nächsten Tag auf, andere bauten noch fleißig an Montagen und verglichen ihre Pilker und Beifänger. Später trafen sich dann alle im Salon zum Fußball gucken. Wenn wir im Hafen liegen haben wir SAT - TV.
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Beim Frühstück am Donnerstag morgen wurde vereinbart, das wir heute ein Nachtangeln machen und auf Hoher See bleiben. Das Bedeutet, nach dem Abendbrot kann wieder geangelt werden. Es bringt uns auch allen einen Vorteil, wir müssen abends nicht wieder 4 Stunden zurück fahren und morgens 4 Stunden raus fahren. So sind wir direkt wieder am Fisch. Nach dem Frühstück ging es dann endlich los. Alle waren schon ganz gespannt was die Tour so bringen wird. Als erstes fuhren wir zu einem anderen Kai und luden Eis für die Fische Etwas mehr als 1 Kubikmeter. Das machten wir vor jeder ausfahrt. Dann ging es auf die knapp 4 stündige Ausfahrt ins Zentrum des "weißen Riffes" ca. 26 Seemeilen von Thyboron entfernt. Während der Ausfahrt machte uns Manfred den Vorschlag erst zu essen und dann zu angeln. Dieser Vorschlag kam bei allen gut an, und wurde in die Tat umgesetzt. Gegen 12 Uhr war es endlich soweit. Das Schiff wurde in die Strömung gelegt und die Hupe ertönte. Von nun konnte genagelt werden. Es dauerte auch nicht lange bis die ersten Ruten sich beugten. Ich eröffnete meine Erfolgsliste mit einem 58 cm langen Dorsch, dem noch mehrer folgen sollten. Es wurde von allen Teilnehmern gut gefangen. Nach kurzer weiterfahrt zur 2. Drift sausten die Pilker wieder in die Tiefe. Hier kamen auch größere Dorsche ans Tageslicht. Nun konnte die Crew beweisen wie gut sie mit dem Gaff umgehen kann. Meine Hochachtung. Die Tiere wurden vorbildlich gegafft, so dass das Filet heil blieb. Ein weiter Aufgabenbereich der Crew war es, die Fische in den Wannen mit Eis zu versorgen. Es klappte alles wunderbar, so dass unsere Fische nicht umkippten. Es wurde bis 16 Uhr geangelt. Es wurden schöne Dorsche bis 80 cm gefangen und einige Schellfische. Nun hieß es aber erst mal Fische versorgen. Als alle Teilnehmer fertig waren, wurden die Filets in die Kühltruhen gebracht die sich an Board befinden. Während des Abendbrotes ging Manfred mit der Fangliste rum und trug alle Fische ein. In 4 stunden wurden 134 Dorsche gefangen.
Beim anschließenden Nachtangeln wurden zu den Dorschen auch noch Köhler, Seehecht und Makrelen erbeutet. Mehrere Angler waren nach dem Angeln am Tage so geschafft, dass sie keine Lust mehr hatten. So wurden noch weitere 93 Dorsche auf die Planken gelegt, und es musste wieder filetiert werden. Als besondern Fang des Tages konnten wir einen großen Knurrhahn melden. So langsam aber sicher lichtete sich das Deck. Einige hatten genug für heute vom Angeln und wollten sich auf den nächsten Tag vorbereiten, andere fischten noch bis Mitternacht.
Nach dem Frühstück am Freitag konnten wir gleich im Zentrum des Riffs weiterangeln, was aber nur möglich war weil wir die Nacht über draußen geblieben waren. Mir ging es leider nicht gut am Freitag, es lag aber nicht am Seegang wie sich später rausstellen sollte. Nachdem ich am Vormittag nur die Fische gefüttert hatte, ging es mir nach dem Mittagsschlaf blendend. Leider bin ich erst aufgewacht als um 14 Uhr abgehupt wurde. Als ich wieder an Deck kam sah ich viele volle Fischkisten. Insgesamt wurden an diesem tag 178 Dorsche erlegt. Während die anderen ihre Beute filetieren mussten, hatte ich Zeit mich mit dem Skipper zu unterhalten.
 Eine der Fischkisten...
An dieser Stelle werde ich jetzt mal etwas über das Schiff und seine Besatzung loswerden. Die MS Ostsee Star ist 24 Meter lang und 5,8 Meter breit. Es ist seit 2002 in Betrieb bei der Schifffahrtsagentur Hartung. Manfred Hartung hat das Kapitäns Patent seit 1983. Auf der See ist er seit 1960 zuhause. Manfred verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Fahrt mit Angelkuttern. Das letzte schiff war die MS Liberty. Auf der MS Ostsee Star gibt es nur Meertagesfahrten. Von Januar bis Ende April befindet sich das Schiff im Öresund, danach geht es bis ende August ans Weiße Riff, und anschließend bis Anfang Dezember wieder in den Öresund. Geangelt wird am Weißen Riff in Tiefen zwischen 19 und 45 Metern. Es reicht eine normale Pilkrute und eine große Stationärrolle aus. Die Pilker liegen zwischen 60 Gramm und maximal 150 Gramm.
Der Freitagabend wurde auf unterschiedliche Art und Weise verbracht. Einige spielten Skat, andere erkundeten Thyboron, oder es wurde im Salon gesessen und TV geschaut. Die hervorragenden Mahlzeiten wurden vom Skipper selbst zubereitet. Das Frühstück besteht aus Brötchen, Marmelade, Wurst, Käse und Ei. Mittags gab es immer Suppe oder Eintopf. Abends wurde dann noch mal warmes Essen serviert, z.B. Steak, Bratwurst oder Chickenwings.
Am letzten Angeltag ging es an die Südspitze des Riffs. Es sind rund 2 Stunden fahrt bis zum Angelplatz. Dort angekommen, fand Willi auch schnell Fisch. Als er nach 3 - 5 Minuten merkte das nur kleine Dorsche gezogen wurden, hupte er wieder ab und versetzte das Schiff auf einen anderen Platz. Dieser war besser, dort fingen wir wieder Dorsche zwischen 50 und 78 cm. Mir ging beim Naturköderangeln (Makrelenfetzen mit Oktopus) ein schöner 85 Dorsch an den Hacken. Später am Tag hatte ich noch das Glück eine Trilette landen zu können. Im ersten Moment hatte ich auf den Fang der Tour gehofft, aber auch so war es ein super Drill mit den drei Dorschen ( 57 cm, 65 cm und 74 cm). Da wurde meiner Penn Prion viel abverlangt. An diesem Tag wurden 244 Dorsche auf die Schuppen gelegt. Eine sehr stattliche ausbeute für 14 Angler. Des weiteren wurden wieder Köhler, Makrelen, Seehechte und auch Knurrhähne gefangen. Insgesamt wurden 649 Dorsche gefangen.
 Udo und 2 Dorsche |  Eine schöne Makrele |
Gegen 22 Uhr legten wir wieder in Thyboron an. Dort ging es dann zum gemütlichen Teil des Tages über. Jeder Angler hatte die Möglichkeit seine Eindrücke von der Tour zu berichten. Wie sollte es auch anders bei so einer guten Truppe und einer hervorragend aufeinander abgestimmten Crew anders sein, alle waren zufrieden. Mein persönliches Fazit fällt auch sehr gut aus. Ich habe in 2 Tagen 47 Dorsche gefangen, leider nicht den Klopfer schlecht hin, aber egal. Es war super. Mich hat die MS Ostsee Star nicht zum letzten mal gesehen. Ich kann dieses Schiff und seine Crew nur weiterempfehlen.
Björn Kohröde
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