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Welche Schnurtragkraft braucht man eigentlich wirklich??

Es ist doch immer wieder interessant zu sehen, mit was für Schnüren und vor allem mit welcher Tragkraft Angler unterwegs sind.
Auf der einen Seite gilt es als nicht waidgerecht, wenn man mit Schnüren zu geringer Tragkraft angelt, auf der anderen Seite erhöhen Schnüre mit dünneren Durchmessern oder geringerer Tragkraft durchaus messbar den Angelerfolg.

Leider machen sich zuwenig Angler Gedanken darüber, welche Kräfte die Schnur eigentlich unter welchen Bedingungen aushalten muss. Und es gibt durchaus örtliche Gegebenheiten, bei denen es sinnvoll sein kann, auf eine Schnur mit höherer Tragkraft zurück zu greifen.

Ausser der linearen Tragkraft ist da aber vor allem die Knotentragkraft entscheidend. Diese ist aber sehr schwer objektiv zu messen, da die Angler nicht nur unterschiedliche Knoten verwenden, sondern bei Verwendung gleicher Knoten diese aber unterschiedlich sorgfältig binden. So kann es bei Verwendung gleicher Knoten bei der gleichen Schnur durch verschiedene Angler zu teilweise erheblichen Unterschieden der Knotentragkraft kommen.

Und viel wichtiger als die eigentliche Tragkraft ist für die meisten Angelmethoden eigentlich auch das Verhalten der Schnur beim Wurf, im Drill und bei der Abriebfestigkeit.

Um dennoch einen Überblick zu verschaffen, welche Tragkraft man eigentlich braucht, greife ich hier gerne einmal auf einen Bericht von Rute und Rolle zurück, die in der Ausgabe Juni 2001 getestet hatten, welche Kräfte welcher Rutentyp eigentlich am Ende der Schnur ankommen lässt. Und die sind doch erstaunlich gering.

Dazu wurde vom RuteundRolle – Team eine Federwaage an der Schnur angebracht und in einiger Entfernung an einem Pfosten festgemacht. Dann legten sich die Tester mit voller Kraft und blockierter Bremse ins Zeug, bis die Rute kurz vor dem Zerbrechen war. Und lasen dann die dabei entstehende Kraft an der Waage ab.
Dies kann sicher nur einen Anhaltspunkt liefern, aber mehr Kraft kann gegen die volle Rutenbiegung kein Fisch auf die Schnur einwirken lassen. Und wenn man dann noch bedenkt, dass man als Angler ja noch die Rollenbremse hat, die man so einstellen kann, dass Schnurbruch im Drill (ausser bei Schnurbeschädigung) vermieden werden kann, lässt sich aus diesen Tests von Rute und Rolle eine Tabelle erstellen, wo man zu den jeweiligen Rutentypen die maximal benötigte Schnurtragkraft für den Drill herauslesen kann (siehe unten).

Angelt man in hindernisreichen Gewässern, kann es trotzdem sinnvoll sein, diese Grenze bei der Tragkraft zu überschreiten. Ein gutes Beispiel ist dafür das Spinnfischen vom Ufer in Norwegen. Mit meiner 75 Gramm Rute würde dazu eigentlich eine Schnur zwischen 4 und 6 Kilo Tragkraft voll ausreichen. Da man dort aber viele Hänger hat, benutze ich dort Schnüre zwischen 12 und 14 Kilo linearer Tragkraft. Denn bei einem Hänger wirkt ja die Kraft direkt und linear und nicht über die Rutenbiegung auf die Schnur ein. Und durch die höhere Tragkraft konnte ich dadurch viele Pilker retten, die ich mit einer 5 Kilo Schnur verloren hätte. Meist durch aufbiegen der Haken, aber auch zum Beispiel indem ich den Pilker mit der Tragkraftreserve zum Beispiel einfach aus einem Krautfeld ziehen konnte.

Rutevolle Belastung bei Kg25% Reserve (Knoten)optimale lineare Tragkraftist ca. Durchm. Mono
Matchrute 1,400 kg 0,350 kg 1,750 kg0,14er
Fliegenrute Klasse 7/8 2,400 kg 0,600 kg 3,000 kg0,16er (Vorfach)
Spinnrute 10 – 40 Gramm 2,700 kg 0,675 kg 3,375 kg0,18er
Spinnrute 40 – 90 Gramm 4,300 kg 1,075 kg 5,375 kg0,25er
Karpfenrute 2,5 lbs 4,400 kg 1,100 kg 5,500 kg0,25er
Pilkrute 60 – 180 Gramm 5,200 kg 1,300 kg 6,500 kg0,25er
Bootsrute 50 lbs14,000 kg 3,500 kg17,500 kg0,50er


Diese Tabelle zeigt, dass man im Süsswasser fast durchgehend mit monofiler Schnur von max. 0,25mm Stärke eigentlich auskommt, vom schweren Wallerfischen mit etnsprechend starken Ruten mal abgesehen.
Wer jetzt sagt, dass er Reserven braucht, um einen Fisch von einem Hindernis abzuhalten, sollte daran denken,. Dass auch kein Fisch mehr Kraft als in obiger Tabelle angeben auf die Schnur bringen kann. Dass man also auf jeden Fall keine stärkere Schnur braucht, um einen Fisch zu halten.

Wenn man jetzt noch bedenkt, wie viele Anger mit geflochtenen Schnüren zum Spinnfischen unterwegs, und vor allem in welchen Stärken, muss man daran denken, dass die Durchmesser bei geflochtenen Schnüren immer äusserst grosszügig angegeben sind. Aber sicher wird für normale Einsätze im Süsswasser niemand geflochtene über 0,10mm brauchen.

Das heisst dann aber auch, dass es doch eigentlich in der Praxis auch nicht unwaidmännisch sein kann, mit relativ dünnen Schnüren zu angeln. Unter der Voraussetzung dass man sich mit der Tragkraft an obige Tabelle mit entsprechender Reserve anlehnt. Denn wenn die Rute sowieso nicht mehr Kraft zulässt, bei voller Spannung, warum soll man dann stärkere Schnur nehmen.

Auch unser Admin Franky gehört zu den Anglern, die bei der Schnur lieber dünner angeln – und auch ihm ist noch nie ein Fisch durch Schnurbruch abgekommen.

Hier Frankys Statement zum obigen Artikel:

Ich darf inzwischen auf gut 18 Jahre Angelei zurückblicken. Sicherlich ist das nicht viel, wenn man die „alten Hasen“ betrachtet. Dennoch habe ich in diesen „paar“ Jahren einiges an Erfahrung sammeln dürfen – gerade auch, was das Angeln mit monofilen Schnüren angeht. Statt wie früher, nach dem Motto „das meiste kann dienen“ bin ich, wie viele andere auch zum Motto „so fein wie eben nötig“ übergegangen. Man lernt halt mir der Zeit dazu... ;-) Irgendwelche Tabellen oder Tests hatte ich dafür nicht gehabt – dennoch reichen für die meisten meiner „Einsatzzwecke“ hier in meinen „Hausgewässern“, Schnüre bis 6 kg Tragkraft völlig aus. Ich will da auch einmal eine Tabelle aufbauen, und Einsatzzweck/Rute und Schnur gegenüberstellen (ausschl. Monofil):

RuteZielfischSchnurstärke mmTragkraft kg (ca.)
Spinnrute 5 – 25 gBarsch/Zander0,18 – 0,224,0 – 5,2
Spinnrute – 50 gZander/Hecht/Dorsch/Meerforelle0,22 – 0,255,2 – 6,5
Spinnrute – 70 gHecht/Dorsch0,25 – 0,356,5 – 11,5    (*1)
Xtra Heavy FeederBrassen/Barbe/Weissfisch 0,18 – 0,264,0 – 6,0    (*2)
Lightpilke – 120 gDorsch0,3510,35 – 11,5
Grund-/Posenrute – 60 g (2 lbs)Zander/Aal/Hecht/diverses0,25 – 0,286 – 7,5
Grund-/Posenrute – 80 gZander/Aal/Hecht/diverses0,25 – 0,306 – 8,9
Stipprute 6 mRotaugen/Rotfedern/Lauben 0,08 - 0,121 – 1,7

(*1) 0,35 mm für Ostsee wegen hohem Gewichts der Pilker und Abrieb durch Muscheln/Steine etc.
(*2) hohe Tragkraft wegen teilweise hohem Gewicht der Futterkörbe (bis 180 g)

Je nach Gewässertyp und Ködergewicht variiere ich ein wenig die Schnurstärke. Beispielsweise ist in der Weser eine Schnur zum Spinnfischen unter 0,22 mm ziemlich unbrauchbar, nicht wegen der Tragkraft, sondern wegen des Abriebs und die dadurch entstehenden Beschädigungen, die die Schnur im Drill brechen lassen können. Sowas tut da wirklich nicht not. Jedoch für „meinen“ Haussee reicht meine 0,22 mm starke Hauptschnur aus, um einem 80 cm Hecht paroli bieten zu können, ohne ihn überlange drillen zu müssen.

Darum liege ich, zumindest was die Belastung im Drill, die R&R da scheinbar demonstrieren wollte, mit der Wahl meiner Schnurstärke nicht sonderlich über oder unter deren „Maßstab“, was allerdings nichts heissen soll. Die kurzfristige Belastung, die durch den Wurf schwerer Köder entsteht, haben die Tester unberücksichtigt gelassen, denn vor dem Drill kommt ja nun einmal erst der Wurf...

Mit ein wenig stolz darf ich tatsächlich behaupten, dass ich durch einen „klassischen“ Schnurbruch noch fast keinen Fisch im Drill verloren habe. Ausschlitzer, defekte Wirbel, gebrochene Haken (!!!) oder gar ein gesprengtes Stahlvorfach (offensichtlich Materialfehler) waren bisher Hauptursache. Die einzige Ausnahme passiert beim Stippen auf Köderfische, wenn ein Hecht diesen im Drill packt und losreisst (meistens mitsamt Montage) oder vorwitzige „Satzkarpfen“ bis 50 cm sich an dem 16er Haken mit 2 Maden vergehen. Aber selbst DIE liessen sich schon ausdrillen, was allerdings einen Wechsel der Montage nach sich zog, da die Schnur unbrauchbar zerdrillt wurde.

Darum – Trockentests sind schön und gut und werden auch von mir gerne mal durchgeführt. Letztenendes entscheidet aber die Praxis am Wasser über Tauglichkeit oder Untauglichkeit von Gerät, Montagen oder sonst was – und darüber kann man dann prima „streiten“, was denn dann das richtige ist... ;-)

Hier Tils Statement zum obigen Artikel

Im Prinzip ist das alles völlig Richtig, aber...
Meistens angle ich mit dickerer Schnur. Ich würde erstens die Reserve für den Knoten grosszügiger berechnen und bei der Tragkraft der Schnüre bin ich auch nicht ganz so optimistisch. Ausserdem ist Abrieb eben wirklich ein nicht zu unterschätzender Faktor, beim Spinnfischen würde ich auf jeden Fall noch einen Zuschlag für Abrieb machen, weil immer die Möglichkeit besteht, dass die Schur im Drill irgendwie Kontakt mit Haken oder Wirbel kriegt (z.B. wenn sich der fisch einwickelt). So fische ich dann halt 1-3 Schnurklassen höher, als die Tabelle. Auch wenn man Geflochtene verwendet, sollte man unbedingt Abrieb einkalkulieren, weil sie empfindlicher ist als Mono.
Manchmal angle ich mit dünnerer Schnur. Wenn die Fische gar nicht beissen wollen, schnell wieder loslassen, oder einfach, wenn man einen sehr kleinen Köder verwendet, kann es auch Sinn machen, noch feiner zu angeln. Dann muss man halt vorsichtiger drillen.
Es ist aber richtig, dass viele Angler gar keine Ahnung haben, was sie Ihrer Schnur und Ihrer Rute zumuten können. Da werden dann 60er Hechte an 35er Schnur und mit Ruten wg 30-60 vorsichtig ausgedrillt...

 
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Hier Gerätefetischists Statement zu obigem Artikel

Hi,
im Grunde bestätigt das meine Vorliebe zu eher dünner (Tragkraftschwacher) Schnur. Ich habe nie Verstanden was die Leute sich im Süßwasser 0,25mm geflochtene Kaufen und beim Hochseeangeln 40kg Abschleppseile. Die RuteundRolle Angaben finde ich dann aber doch etwas sehr gering. Eine 50lbs Rute sollte doch die entsprechenden 23 kg Druck abkönnen, ebenso sollte eine Karpfenrute von 2,5lbs noch in der Lage sein 25lbs bzw. 11kg zumindest annähernd auszuschöpfen. Analog die anderen Testruten.

Das bestätigt dann auch meine Vorliebe für rückgratstärkeren Ruten, und meine Meinung, dass die in Deutschland erhältlichen Ruten eher zu weich ausgelegt sind. Denn nach wie vor suche ich die Schnur nach dem Fisch und die Rute nach dem Fisch und der Schnur aus, nicht umgekehrt. Keineswegs kaufe ich mir ne Rute wo der Hersteller meint das sie für den xy-Fisch geeignet ist, und suche die Schnur anschließend nach der Rute aus.
Denn was so gesehen das RuteundRolle Testergebnis da vorgibt ist mit verlaub Blödsinn. Es mag ja Durchaus Leute geben, die mit einer 0,25er Schnur und weicher Rute 180g Pilker ohne abriss werfen können, das wäre mir jedoch zuviel Risiko und für Ungeübte auch noch Teuer. Ebenso sind alle anderen Vorgaben so gesehen grob fahrlässig.

Die Höchste Belastung kommt bei einer Wurfrute sowieso beim Wurf auf den Blank, und nicht beim Drill! Die optimale Schnurtragkraft findet man also, indem man, um bei der Pilkrute zu bleiben, den schwersten genutzten Pilker wirft, und die Schnur so wählt, das sie 100%ig nicht reißt. Die RuteundRolle angaben sind also völlig Praxisuntauglich. Die Wurfgewichtangaben auf deren Ruten aber anscheinend auch. Bei Brandungscastingwettbewerben ist aus Sicherheitsgründen eine Schlagschnur von soweit ich weiss 0,80mm vorgeschrieben. Alles andere wäre grob fahrlässige Gefährdung von Mitanglern und Unbeteiligten. Daher: Sicherheit geht vor, auch bei anderen Angelarten!

Auch andere Gründe zur Nutzung einer stärkeren Schnur sind, wie schon gesagt unabhängig von irgendwelchen Trockentheorietests, vorhanden. Schroffe Steine und Muscheln bedingen hohe Abriebfestigkeit, hindernisreiches Wasser (Wasserpflanzen) manchmal hohe Tragkräfte. Und bei Brandungs- und Meeresanglern ist Amnesia für Mundschnüre nicht umsonst erste Wahl. Die ist sehr Steif und für die Tragkraft extrem dick, somit hat man wenig Tüddel. Außerdem ist eine kleine Tragkraft- und Abriebreserve auch fast immer empfehlenswert.

Überhaupt mag ich die typisch deutschen Hochleistungsschnüre nicht. Sie sind meiner Meinung nach nur auf Kundenfang optimiert, nicht zum Fischen. Die Durchmesserangaben sind grundsätzlich 0,02mm zu gering, die Tragkraft zu hoch angegeben, die Schnüre sind Vorgestreckt, Kringelanfällig und fürchterlich Steif. Ich fische am liebsten US und UK-Schnüre mit passender Tragkraft und größerem Durchmesser. Daher ist die „Durchmesser zu linearer Tragkraft“-Angabe in diesem Test für mich sowieso ungültig.

Fazit: Ich fische etwas tragkraftstärker und viel durchmesserstärker als die RuteundRolle Testangaben, jedoch immer noch sehr dünn, was altbackene Mitangler angeht. Die Fischereiprüfungsangaben sind sooo von der Welt immer noch nicht, besonders für Einsteiger. Und der Satz: „So fein wie möglich unter der Einschränkung so grob wie nötig“ hat nichts, aber auch gar nichts von seiner Aktualität verloren. Und das die Fische sich an meiner etwas dickeren Schnur stören kann ich auch nicht bestätigen. Ne Geflochtene sieht man viel besser, eingefärbte Neonschnüre auch, trotzdem fangen sie. Von den sehr gut sichtbaren Vorfächern beim Karpfenfischen, Brandungsangeln sowie Stahlvorfächern und Kevlar ganz zu schweigen. Eher stören die Fische sich an steifen kringeligen Leinen meiner Erfahrung nach.

Hier Meeresangler-Schwerins Statement zu obigem Artikel

Zu der dünnen Schnur kann ich nur so viel sagen das ich persönlich immer so dünne Schnur fische wie irgend möglich. Für mich kommt es beim angeln auf die größtmögliche Wurfweite an und die kann ich nur mit der dünnsten Schnur erreichen die für die entsprechende Angelart möglich ist. Allerdings darf man auch nicht vergessen das dünnere Schnur auch immer mehr Dehnung hat und das ist zumindest für den Meeresangler Gift. Also sollte man neben den Tragkräften auch unbedingt die Schnurdehnung im Auge behalten. Es reicht ja nicht wenn ich beim Brandungsangeln mit einer 25iger Schnur fische weil die von der Tragkraft her reichen sollte. Das wäre dann wie ein Gummiband und ich würde gar keinen Biss erkennen.

Hier Angeltreffs Statement zu obigem Artikel

Ich bin selber Angler, der lieber mit etwas dünnerer Schnur angelt. Dann aber immer mit einer Rolle mit sehr fein einstellbarer Frontbremse. Und immer frischer Schnur, die ich je nach Belastung ein oder 2 mal im Jahr auswechsele. Beim Drill lasse ich den Fisch sich ermüden und prügel diesen nicht auf Teufel komm raus ans Ufer. Bei hindernisreicher Strecke oder starken Unterwasserpflanzen verwende ich ausschließlich geflochtene Schnur.
Anfänger in unserem wunderschönen Hobby möchte ich bitten, anfangs mit etwas stärkerer Schnur zu arbeiten. Denn Schnurbruch ist nicht nur ein verlorener Fisch, sondern auch ein verluderter, der jämmerlich eingehen wird. Mit wachsender Erfahrung und dem richtigem Gerät können Sie sich dann immer weiter rantasten.

Hier Havkats Statement zu obigem Artikel

„Grau ist alle Theorie!“

Der R&R – Test hat soviel Praxiswert wie ein Angelspiel am PC.
Das man über den Zug einer leichten Spinnrute die Tragkraft einer 4-5 kg Schnur nicht ausreizen kann ist klar.
Ebenso klar ist, dass die Entwicklung moderner Schnüre ermöglicht, heute kleinere Durchmesser fischen zu können. (Mein Großvater hätte nie eine 30er zum Spinnfischen auf Hecht benutzt.)
Nach meiner Erinnerung habe ich erst einen Fisch (Köhler) durch Bruch der Hauptschnur verloren und einige konkrete Fische, deren Gewicht die Tragkraft überstieg (z.B. Hechte am Barschgerät) landen können.
Ich war aber auch schon Zeuge, dass Fische Schnüre/Vorfächer wie einen Bindfaden zerrissen haben. Das waren wahrlich nicht nur Kapitale!
Es spielen noch andere Faktoren eine Rolle als nur der Druck der Rute und der Zug den ein Fisch, durch die Elastizität der Rute gepuffert, ausüben kann.

Seitlicher, hoher Strömungsdruck (Fluss, Straumen), ein stromauf stürmender starker Fisch (Lachs, Forelle, Köhler) und der Zug den der Angler ausübt bringen enorme Belastungen auf die Leine die rasant steigt, je mehr Schnur draußen ist!
Bei o.g. Situation nütz eine Bremse nix, da sie gar nicht anspricht.
Eine „dünne“ Schnur hat keinerlei Abrieb-Reserve.
Nicht umsonst werden oft sehr starke Vorfächer zum Lachsfischen genommen, obwohl eine feinere Hochleistungsleine mehr als genug Tragkraft hätte.
Wenn´s nicht diese gemeinen Schotterbänke, Felsen etc. geben würde.
Ein großer, springender Fisch, ein zu langsam reagierender Angler, die Beute fällt mit vollem Gewicht auf die „sportlich feine“ Leine........ ciao Bella!

Mein Hauptargument ist aber der Drill.
Ich drille immer forciert. Mit der Rute und nicht mit der Bremse. Nur ernstgemeinte Fluchten von guten Fischen beanspruchen die Bremsscheiben meiner Rollen.
Ich konnte Meerforellendrills beobachten, deren Länge auf Rekordfische schließen ließ......... wenn die fehlende Rutenaktion nicht gewesen wäre.
Oft war eine „sportliche“ Schnur und die Sorge des Anglers der Grund. Mit so feiner Schur zu fischen ist die eine, einen guten Fisch sicher zu drillen die andere Seite der Medaille.
Ein unnötig langer Drill ist der beste Weg einen Fisch zu verlieren, mal ganz abgesehen vom Tierschutzaspekt.
Wie viel Küstenblinker/Wobbler ich schon abgeborgen habe, weil mein Eisen sich in dem (teilweise extrem feinen) Schnurrest verfangen hat, kann ich nicht sagen, ist für mich aber bezeichnend.

Besonders interessant ist die, theoretisch nötige Schnurstärke, für die Spinnrute 10-40g und die Fliegenrute 7/8.
Sind beide Standard-Meerforellengerät zum Küstenangeln.
Wer mit 16er Vorfachspitze, bzw. 18er Hauptschnur auf Mefos losgeht ist......... sorry....... mit
der Muffe gepufft!

So sehe ich die Sache und beziehe mich mal nur auf Mono, da ich Geflecht nur ab 20lb – Bootsgerät in Norwegen verwende:

Matchrute:Keine Ahnung von
Fliegenrute 7/8:22er – 25er Spitze (Ist eine Streamer, - u. keine Trockenfliegenrute!)
Spinnrute 10-40g:25er
Spinnrute 40-90g:30er – 40er je nach Gewässer u. Fischart
Karpfenrute 2,5lb:Keine Ahnung von
Pilkrute 60-180g:35er
Bootsrute 50lb:50lb Schnur (logisch oder?)


Immer so fein wie möglich, aber so schwer wie nötig!
Ich will keine sportlichen Höchstleistungen erzielen, sondern den gehakten Fisch möglichst sicher drillen u. landen.
Einen Schnurklassen – Rekord habe ich so nötig wie ein Loch im Kopf.

In diesem Sinne...

Tight Lines! ;o)

havkat

Thomas Finkbeiner



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