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Wedeln in Frangroisch
oder: das AB auf Pressereise
Das Telefon klingelt: „Hi, hier ischt de Thomas"
„Hascht näschst Woch Zeit uhn kanns Uhlaub nähme?"
(für ein Nordlicht ist das Schwäbische wirklich nicht einfach ;-))
Komische Frage. Ich hatte doch gerade erst Urlaub. Bevor ich fragen konnte warum ich eine Woche Zeit bräuchte, schwäbt es schon aus dem Thomas heraus. Das Anglerboard ist mit auf eine Pressereise eingeladen. Nach Frankreich in die Franche-Comté, zum Fliegenfischen soll die Fahrt gehen.
Erstes Problem: Ich spreche kein Wort Französisch! Nachdem ich das Programm von unserer Organisatorin Monika Fritsch erhalten habe, verflüchtigt sich schnell diese Angst.
Die wirklich umfassend organisierte Einladung beinhaltet neben den Unterkünften auch einem Flifi-Guide, einer Reisebegleiterin auch einen Dolmetscher. Klasse!
 v.l. Fliegenfischer Peter Sagerer, unser gemütlicher Dolmetscher Bernard, Fanny die immer lustige Reisebegleiterin und Flifi-Urgestein Werner Steinsdorfer
 David, unser Guide. Er kennt die Gewässer wie seine Westentasche, spricht aber leider kein Englisch
 Die Comté liegt im Juragebirge und ist ein Mittelgebirge geprägt durch Landwirtschaft und ausgedehnten Wäldern.
Die Region ist zu Recht stolz auf die unvergleichliche Natur, den zahlreichen Käsespezialitäten und einer riesigen Auswahl von leckeren Weinen. Wer in dir Comte reist, ist kulinarisch sehr gut aufgehoben. Leben wie Gott in Frankreich ist Programm bei so einem Trip. Die vielen Gasthöfe und Restaurants bieten eine fantastische und vorallendingen erschwingliche Küche. Der straff organisierte Ablauf für diese Reise sah als erstes den gemeinsamen Treff mit den übrigen Redakteuren und den Betreuern am Montagmittag in Ornans vor.
 Ein nicht zu übersehendes Wahrzeichen in Ornans :-)
 Verträumtes Ornans
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 Die Loue. Von der Brücke gucken bringt Herzrasen. Nicht nach unten blicken!
 Das hält man nicht aus…
 Der Junge hat gefangen!
Da die Anreise nach Frankreich für ein Nordlicht wie mich doch etwas üppiger ausfällt, bin ich schon am Sonntag angereist. Auch das war kein Problem und wurde netterweise genau so wie die Verlängerung bis Samstag für mich im vorraus gebucht. Am Montagmittag traf ich mich also mit dem Rest der Gruppe. Peter Sagerer, Werner Steinsdorfer, Benny Dittmann und meine Wenigkeit als Journalisten. Fanny Dofur, David Bouhelier und Bernard als unsere Reisebegleiter.
In Ornans besuchten wir das Fischereimuseum Maison Nationale de la Péche et de l´Éau. Es liegt im Stadtkern nur fünf Gehminuten vom Hotel de La France. Viel antikes Gerät und Wissenswertes über die fischereilichen Bemühungen der Region gibt es dort zu sehen. Rollen über deren Sinn man durchaus streiten könnte und als Augenweide eine Sammlung herrlicher gespliesster Fliegenruten. Absolutes Highlight darunter eine Ritz Super Parabolic. Schon der ehrenwerte Herr Ritz wusste die Gewässer des Hochburgunds zu schätzen.
 man achte auf die gespliesste Big Game!!
 Ritz Super Parabolic :-)))))))
Das Museum geschafft ging es auch schon ins erste Hotel in Ornans. Wie für Fliegenfischer geschaffen liegt es 100m von der La Loue entfernt. Die Einrichtung lässt keinen Zweifel über das Hobby der Besitzer: Stephane und Vincent sind Flififanatiker vor dem Herrn. Die ganze Innenausstattung ist komplett der wedelnden Zunft verschrieben. In der Bar hängen stählerne Maifliegen als Wandleuchte und Vorhänge mit Motiven von Ruten und Rollen. In einer gemütlichen Couchecke der Bar liegen Zeitschriften mit nur einem Thema.
Ungeplanter Weise wollen wir heute Abend doch noch mal an die Hausstrecke des Hotels und den Abendsprung genießen. Stephane, der auch Koch ist im Hotel fragte sofort seinen Vater ob er mitgehen dürfe. Stephane ist wirklich sehr hilfsbereit und geht, wenn seine Zeit es erlaubt, gerne mit den Gästen fischen. Das Hotel führt zwei eigene Parcours an der Loue. Eine ist 500m lang und liegt direkt auf dem Grundstück wo Stephane mit seiner Familie wohnt. Ein großes Wehr beherbergt dort immer sehr starke Äschen.
Die andere Strecke ist 1,5km lang und bietet sehr unterschiedliche Möglichkeiten. Von der rasenden Rausche bis zum 2,5m tiefen Gumpen ist alles vorhanden. Starke Bachforellen und noch stärkere Doubser patrouillieren in den tiefen Rinnen. An verschiedenen Stellen lässt sich der Fluss durchwaten, so dass man auch das andere Ufer befischen kann. Als kleines Willkommensgeschenk überreichte uns David ein paar selbst gebundene Muster.
 Das Wehr vom großen Hotelparcous
 Viele Bäume und wenig Rückraum. Ein bisschen switchen muss man schon.
 Welches verdammtes Muster nehmen die?
 Unfangbar?
 Benny gibt alles
„Die wären die Bringer im Jura“ übersetzte uns Bernard. Naja, es kam etwas anders. Die Fische ließen sich leicht in der La Loue ausmachen. Im weißen Wasser oder beim Steigen waren immer Kapitale Insektenmörder auszumachen. Sie zu fangen stellte sich als „etwas“ schwieriger heraus. Wir haben uns echt die Zähne an den starken Äschen und Forellen ausgebissen.
Die Farios scheinen bereits jede Fliege gesehen zu haben. Unseren Mustern, egal ob die eigenen oder die von David, wurde keine Beachtung geschenkt. Zum verzweifeln… Eigentlich sollte der erste abendliche Trip ja auch nur ein kleines Antesten sein. Am nächsten Morgen würde es bestimmt besser laufen. Nach dem typisch kleinen französischem Frühstück ging es wieder an die Loue. Diesmal an die Strecke mit dem Wehr. Werner platzierte sich direkt hinter dem Wehr und beharkte einen Trupp starker Fahnenträger. Benny, Peter und ich gingen etwas flußab. David, der Guide sah erstmal gelassen unserem Treiben zu.
Wieder waren die Fische schnell ausgemacht. Aber wie am Vorabend Pustekuchen. Außer handlangen Äschen war nix zu machen. Werner hat es richtig gemacht. Nicht das er das Wedeln auch richtig im Blut hat, konnte er jede der starken Äschen zumindest an die Fliege bekommen. Viele Thymallus sind ihm in der starken Strömung wieder ausgestiegen. Sehr Spitz hatten sie gebissen und dementsprechend knapp gehakt. Das ich auf dem Parcours nichts ist wirklich in so einer Umgebung unerheblich. Es ist landschaftlich dermaßen schön, dass man oft gar nicht zum Fischen kommt sondern am Ufer verweilt und Insekten studiert oder seinen Blick über die imposanten Berge schweifen lässt.
 Wie im Märchen
Da die Zeit am Wasser bekanntermaßen viel zu schnell läuft (Riss im Raum/Zeit-Kontinium?), stand das Mittagessen auf dem Plan. Also wieder raus aus der Wathose und rein ins Auto. In Kolonne ging´s zu einem herrlichen Restaurant. Ganz Ehrlich? Ohne Dolmetscher wäre ich in Frankreich elendig verhungert. Ich v e r s t e h e k e i n Wort von der Kellnerin und bestelle immer irgendwas. Falsch lag ich nie. Alles was man mir servierte war der Hammer und übertraf das davor gewesene. Am besten gefielen mir die Käsezeremonien. Nach jedem üppigem Mahl kam noch mal der Kellner und bot diverse Käsesorten der Region an. Dazu ein Fläschchen leckersten Wein und ab dafür. Problem ist, nach der Völlerei geht es wieder in die Wathose zum Weiterfischen. Mann, dass ist echt stressig gewesen. Da haust du dir den Wamps voll, wohlgemerkt bei 35°C und musst dann weiter wedelnd durch den Fluß waten. Wat solls. Nur die Harten komm´n Garten.
 Am Wasser Picknicken hat was
Gewurmt von meinen Nichtfängen änderte ich meine Taktik. Ich hörte erstmal auf zu fischen! Ich pirschte mich an David den Guide an und beobachtete sein tun. David fischte komplett anders. Nie sah man Leerwürfe bei ihm. Vielmehr ähnelte seine Technik dem Stippen auf Sicht. Die Gewässer kannte er natürlich wie seine Westentasche und wusste genau wo starke Flossenträger stehen könnten. David bewegte sich ganz langsam an die verheißungsvollen Spots und unterbrach seinen Gang immer wieder für Minuten. So stand er irgendwann direkt neben den Gräten leicht Stromab außerhalb ihres Gesichtfeldes. David fischte eine Ratschenrolle und brauchte fast nie seine Schnurhand bewegen. Er legte sehr vorsichtig wenige Meter Leine aus und ließ seine Nymphen direkt in den Spot treiben. Je nach Tiefe musste das Vorfach schwer genug sein um die Fliege auf Tiefe zu bringen. Jetzt trieb sein Muster immer und immer wieder direkt an den Mäulern vorbei. Irgendwann war es einer Äsche zu blöd und sie saugte die Fliege ein. Das aber immer noch so spitz, dass es von Französisch fluchenden Anhieben nur so hagelte.
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Das probierste auch, dachte ich mir. Im nächsten Hotel angekommen baute ich meinen Bindestock auf. Ich band super beschwerte Nymphen auf 18er Haken und schnitt mir einen fastsink Polyleader auf die genau abgestimmte Wassertiefe. Das muss klappen. War nur noch ein Problem. Schleich dich mal an eine starke Äsche an, ohne sie zu verscheuchen. Ich meine, du sollst höchstens 2m neben der Gräte stehen und mit der Fliegengerte außerhalb ihres Blickfeldes deine Nymphe tunken.
Entweder sie sah mich oder meine Rute. Dieses Spiel wiederholte ich unzählige Male. Stand ich zu weit weg und musste den Fisch anwerfen und schoss er beleidigt in den nächsten Unterstand. Konnte ich mich richtig annähern, vernahm das Vieh meine Rute und linkte mich auf´s Neue. Die Zicken nahmen wirklich nur Nahrung, welche direkt ins Maul trieb. Kein Deut wurde sich vom Standplatz wegbewegt. Das liegt gezwungener Maßen auch an dem riesigen Vorkommen an natürlicher Nahrung. Der Abendsprung ist einmalig in der Jura. Oft sieht man die Hand vor Augen nicht. Steinfliegen, Maifliegen, Mücken und unzählige Eintagsfliegen sorgen immer für einen reich gedeckten Tisch. Was dort unter den Steinen an Steinklammern, Schnecken und Steinfliegenlarven steckt ist faszinierend.
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 Steinklammerer ohne Ende
 Häuslebauer
 nicht Anfassen :-)
 Blauflügel-Prachtlibellen in Schwärmen
 Spinner der Ephemera danica
 Das gilt als Belagerung
 Elritzen – Mittag für dicke Trutten
Die starken Äschen standen immer in Trupps in den tiefern Rinnen. Meist waren es dann Größen von 40-50cm. Die Kleineren verteilen sich diffus im Fluß und die Babys standen am liebsten in Schwärmen auf flachen Kiesbänken. David in seiner stoischen Geduld stellte sich auch mal an einen Hotspot und wartete einfach bis die Fische sich dort wieder eingefunden haben. Soviel Zeit hab ich aber nicht auf einer eigentlich nur drei Tage langen Reise. Meine Kenntnisse über Äschen von den dänischen Auen konnte man an den Gebirgsflüssen des Jura komplett knicken. Ich übte fast nur noch das anpirschen. Irgendwann hab ich alles Wichtige berücksichtigt: den Sonnenstand, den Schatten meiner Rute, das Gesichtsfeld der Fische, die bevorzugte Nahrung, sehr langsame Schritte auf den schroffen Kalkfelsen, prinzipiell stromauf watend und die natürliche Präsentation.
Es gab nichts schöneres als am Ende der Reise e n d l i c h eine dieser herrlichen Äschen drillen zu können. Mit Vorfachspitzen von 0,08 bis 0,12 verlangt es dir alles ab die kampfstarken Fahnenträger aus der Strömung und Tiefe zu bugsieren.
 starke Äschen standen links bei der Brücke unter den Bäumen
 tiefe, nicht mehr einsehbare Rinnen. Unbedingt abpirschen.
 E N D L I C H
 Ich hab Tage gebraucht diese schönen Tiere zu überlisten
Bei diesen vier Äschen ist dann auch geblieben. Am Dessoubre und am Doubs konnte ich außer wenigen 10cm Äschen nichts fangen. Der Dessoubre hat es mir trotzdem angetan. Dorthin werde ich garantiert zurückkehren. Die Herberge direkt am Wasser und eine sehr lange Strecke von 20km kann befischt werden. Teilweise Flyonly und häufig c&r.
 Die Strecke am Doubs. Linkes Ufer die Schweiz, rechtes Ufer Frankreich. Das Gewässer steht unter starkem Angeldruck.
 Der Doubs erwacht früh am Morgen
 Französischer Baumfäller
 Unser Hotel am Doubs - Auberge du Moulin du Plain
 Der Dessoubre führte Niedrigwasser. Die Fische waren dementsprechend sehr scheu. Dennoch einer meiner Favoriten :-)
 Die empfehlenswerte und preisgünstige Herberge Auberge de Moricemasion.
 Funkeln am Dessoubre
 Der Dessoubre führt sonst 40 cm mehr Wasser
Wenn ihr einen Trip in die Franche-Comté plant, nehmt euch bitte mindestens 10 Tage Zeit mit. Die Gewässer sind dermaßen schwierig, dass man oft Tage braucht bis man Erfolg hat. Für weitere Auskünfte schickt einfach eine Mail an mich.
Euer Tim (Truttafriend)
Kontakte für die Franche Comté:
Am Flüsschen Dessoubre
Auberge de Moricemasion
Route de Dessoubre (D39)
7km von St-Hippolyte 25190
Telefon 0033-381640172
Email: vitaenergie@freesurf.fr
Zimmer ab 26€, Der sehr nette Wirt kommt aus der Schweiz und spricht etwas deutsch!
Am Flüsschen La Loue
Hotel de France
51 rue Piérre Vernier
25290 Ornans
Telefon 0033-381622444
Fax 0033-381621203
Stephane und Vincent sprechen sehr gut Englisch.
Zimmer ab 60€
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Am Flüsschen Doubs
Auberge du Moulin du Plain
Familie Choulet
25470 Goumois
Telefon 0033-381444199
Fax 0033-381444570
Zimmer ab 30€
Alle Hotels liegen unmittelbar am Wasser und Angler sind dort sehr gern gesehen. Teilweise gibt es Trocknungsräume für Watbekleidung. Gastkarten gibt es an den Rezeptionen.
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