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Uschis Angelerlebnisse
Angeln an der Treene und Eider
Nachdem wir aus Dietfurt zurückgekehrt waren, lagen immer noch 3 Wochen Urlaub vor uns.
Was tun? In den ersten Tagen für wir an die Weser, aber die Fische waren hier nicht in Beißlaune.
Mein Interesse am Angeln war inzwischen so groß, dass ich mir die verschiedensten Angelzeitschriften kaufte. In der Angelwoche lasen wir, dass es an der Treene bei Friedrichstadt "Fische in Massen" gäbe. Und was noch viel interessanter war: Gäste, die noch keinen Angelschein besaßen (und dazu gehörte ich ja nun einmal) konnten eine "Sondergenehmigung" bekommen. Das klang so schön, dass ich am liebsten sofort hingefahren wäre.
Achim hatte uns übers Internet ein Unterkunftsverzeichnis besorgt und wir suchten uns ein paar Wohnungen aus, die uns zusagten und gerade frei waren. Dann packten wir unsere Sachen und fuhren wir einfach los. Als wir in Friedrichstadt ankamen, fanden wir etwas außerhalb, nämlich in Süderstapel, eine kleine hübsche Unterkunft. Die Eider lag nur 5 Minuten Fußweg entfernt. Als wir dem Vermieter erzählten, dass wir hier angeln wollten, sagte er, dass er ein Boot mit Motor besäße, welches wir gerne benutzen könnten. Achim war von der Idee sofort begeistert, ich dagegen nicht so sehr. Ich hatte schon viel über die Vorteile vom Boot aus zu angeln gelesen, aber da ich es noch nie gemacht hatte, war mir bei dem Gedanken etwas mulmig zumute. Boote schaukeln manchmal ganz schön! Daher meinte ich zu Achim, dass ich lieber vom Ufer aus angeln wollte. Wenn wir nichts fingen, dann könnten wir uns ja immer noch für das Boot entscheiden, meinte ich zu ihm.
Am nächsten Tag erkundeten wir erst einmal die Ufergegend der Eider. Ich wunderte mich, dass die Angelstellen mit Nummern versehen waren. Was bedeutete das? Durfte man sich den Platz nicht aussuchen? Doch bald erfuhren wir, was es damit auf sich hatte. Die Plätze waren für ein Wettangeln, welches kurz nach unserer Abreise stattfinden sollte, abgesteckt worden. Also konnten wir hier angeln. Wir bauten zwischen den dichten Bäumen und dem verkrauteten Ufer unsere Ruten auf und warteten, dass ein schöner Zander anbiss. Aber wir fingen nichts.
Im Yachthafen wimmelte es nur so von Köderfischen und wir deckten uns damit ein, um dann am Ufer der Eider zu angeln.
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Das Auswerfen der Rute war dort gar nicht so einfach, denn das ganze Ufer wurde von Bäumen gesäumt. Ab und zu blieb ich mit der Schnur auch in den Bäumen hängen. Und gefangen haben wir dort auch nichts. Also beschlossen wir es woanders zu versuchen. Eines Nachmittags fuhren wir mit dem Auto an die Treene. Sie lag nur wenige Kilometer entfernt. Die alte Eisenbahnbrücke wurde in einer Angelzeitschrift als "Geheimtipp" bezeichnet. Dort bauten wir unsere Sachen auf und beschlossen, die ganze Nacht zu angeln.
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"Wenn wir hier keinen Zander fangen, dann stimmt etwas nicht" meinte ich zu Achim. Wir fingen auch tatsächlich keinen Zander, nicht einmal eine Rotfeder oder einen Barsch.
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Und was nicht stimmte war, dass es in dem Fluss von Wolllandkrabben nur so wimmelte. Kaum war der Köder (Tauwurm oder toter Köderfisch) im Wasser, machten sie sich darüber her. Immer, wenn die Rutenspitze zitterte oder sogar das Glöckchen bimmelte, schlug mein Herz heftiger, weil ich dachte, ein Fisch wäre dran. Aber wieder hatte eine Krabbe sich über den Köder hergemacht. "So eine Sch..., davon stand aber nichts in den Zeitschriften" fluchte ich vor mich hin. Wir blieben bis zum Morgen ohne einen Fisch zu fangen. Ich war ganz schön enttäuscht!
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Als die Sonne aufging tröstete mich der herrliche Anblick des Himmels. Er hing zwar noch voller Wolken, aber sie zauberten ein wunderschönes bizarres Bild an den Horizont.
Wieder in der Wohnung angekommen meinte Achim, dass wir es doch einmal vom Boot aus probieren sollten. Vielleicht hätten wir dann mehr Erfolg. Mir behagte der Gedanke überhaupt nicht, aber ich ließ mich von Achim überreden. Und so mieteten wir das Boot für die nächsten 8 Tage. Abends schauten wir es uns im Yachthafen erst einmal an.
Als Achim probeweise in das Boot stieg und ich sah, wie es hin und her schaukelte, überkam mich wieder etwas Panik. Oh Gott, da sollte ich reinsteigen? Es kam mir wie eine Nussschale vor.
Aber nun hatten wir es für die nächste Woche gemietet und ich musste da durch.
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Am nächsten Tag gingen wir erst einmal zur Hafenmauer um Köderfische zu fangen. Ein paar Jungens, die uns schon am Tag zuvor beim Köderfischen zugeschaut hatten, kamen sofort zu uns gerannt und fragten, ob wir etwas gefangen hätten. "Nein, noch nicht. Aber wir fahren gleich mit dem Boot raus und dann fangen wir sicher etwas", antwortete Achim. "Wenn ihr dann einen Fisch habt, müsst ihr laut rufen", meinte einer von ihnen. "Ich habe eine Signalrakete dabei. Die schieße ich dann ab", sagte Achim. Als Achim seinen Gerätekasten aufmachte, schauten sie sprachlos. So viele Zubehörteile hatten sie noch nie gesehen. Achim kam gar nicht zum fischen, denn von allen Seiten prasselten Fragen auf ihn nieder: "Was ist das?" oder "Wozu braucht man dieses?" oder "Kann ich einen kleinen Haken haben? Aber nicht dem da geben, der hat Geld genug um sich selber welche zukaufen!" Als wir genug Köderfische hatten fragten sie, ob wir am nächsten Tag wieder kämen. Als wir das bejahten, sagten sie, dass sie dann auch da wären.
Mittags fuhren wir mit dem Auto zum Yachthafen und luden unsere Angelsachen auf dem Parkplatz aus. Das Boot war voll Wasser gelaufen und Achim musste mehrere Liter schöpfen, bis wir einsteigen konnten.
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Dann schleppten wir unser ins Boot. Wir fuhren einigen Kilometer und ankerten an einer Stelle, die vielversprechend aussah. "Wie angelt man denn vom Boot aus?" fragte ich Achim. "Du kannst auf Grund angeln oder mit Pose. Die Pose lässt du einfach treiben. Das reißt die Raubfische", war seine Antwort. Das klang gut. Ich montierte eine dicke Pose auf die Schnur und wählte als Köder einen Tauwurm. Dann wartete ich geduldig, das sie untertauchte.
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Das Wetter in Schleswig-Holstein war nicht mehr so schön wie in Bayern. Immer wieder kam Regen auf. Nut gut, dass ich meinen wasserdichten Thermoanzug angezogen hatte.
Eine ganze Stunde blieben wir an der Stelle, aber es biss kein Fisch an. Wir entschlossen uns den Fluss noch etwas weiter runter zu fahren und holten unsere Ruten rein. Plötzlich rief Achim: "Da hat einer zugebissen. Ich habe einen dran!" Tatsächlich. Es war ein Barsch. Stolz durfte ich ihn für ein Foto halten.
Nun wollte ich nicht weiterfahren. "Wo einer raubt, sind bestimmt noch mehrere", meinte ich. "Lass uns noch ein bisschen hier bleiben. Ich möchte auch einen fangen." Wir warfen wieder unsere Köder aus, aber der Fluss war plötzlich wie ausgestorben. Kein Fisch nahm unsere Köder. Nun holten wir doch den Anker rein und fuhren weiter flussabwärts. Doch als sich auch da nichts tat traten wir die Rückfahrt an. "Morgen klappt es bestimmt besser. Dann fängst du sicher auch einen Zander", tröstete mich Achim.
Doch der nächste Morgen sah gar nicht gut aus. Schon beim Aufwachen hörte ich den Regen an die Fensterscheibe klopfen. Das machte mich nicht nur traurig, ich wurde auch etwas wütend. Schließlich war ich voller Hoffnung auf zahlreiche Zanderfänge hierher gefahren. Der Regen selber machte mir nichts aus, schließlich hatten wir einen Angelschirm und auch Regenkleidung dabei. Aber mit dem Boot wollte ich bei dem Wetter nicht rausfahren. Wir warteten bis zum Mittag, aber der Regen hörte nicht auf. "Komm, lass uns mit dem Boot rausfahren. Gerade bei schlechtem Wetter beißen die Fische gut", meinte Achim. Man soll den Menschen ja nicht ihren Glauben nehmen - ich stimmte, wenn auch etwas mürrisch, zu.
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Wir zogen uns unsere Regensachen an, in der Hoffnung, dass sich das Wetter bald bessern würde. Aber das war ein Irrtum. Der Regen hörte einfach nicht auf. Als wir unsere Ruten auspackten, um sie ins Boot zu bringen, stellte Achim plötzlich fest, dass seine Shimano-Spinnrute fehlte. Wir konnten uns nicht erklären, wo sie geblieben sein könnte. Dann fiel mir ein, dass wir sie am Tage vorher beim Beladen des Bootes an einen Baum gestellt hatten. Wahrscheinlich haben wir vergessen sie mitzunehmen - und nun war sie weg! Wir fragten im Informationsbüro, ob sie jemand abgegeben hätte, aber dem war nicht so. Klar, so eine schöne teure Rute und noch dazu mit Stationärrolle konnte jeder Angler gebrauchen. Und in der Nähe des Parkplatzes gab es einen Campingplatz mit vielen Anglern, wie uns gesagt wurde.
Nicht nur die schöne Spinnrute war weg, wir wurden an diesem Tag bei unserer Bootstour auch bis auf die Haut nass. Und außerdem bissen diese verdammten Fische wieder nicht! Gut, dass ich im Boot mit dem Rücken zu Achim saß, so konnte er meinen verbiesterten Gesichtsausdruck nicht sehen.
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Auf die "Angelwoche" war ich auch sauer. Wie konnte man so einen Sch... schreiben: "Zander und auch andere Weißfische" in Massen!" Das haben sie nur geschrieben, damit mehr Touristen zum Angeln kommen und der Verein etwas Geld einnimmt, dachte ich bei mir.
Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis Achim endlich sagte, dass wir jetzt umkehren würden. "Nichts lieber als das", sagte ich zu ihm und war froh, als endlich wieder ins Trockene zu kommen.
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Als es abends zu Regnen aufgehört hatte, machten wir noch einmal einen kurzen Spaziergang zum Hafen. Dort stand ein Angler, mit dem wir ins Gespräch kamen. Er erzählte uns, dass er seit Jahren hierher käme und immer sehr viele Zander gefangen hätte. Aber in diesem Jahr sähe es sehr schlecht aus. Woran das läge wüsste er auch nicht. Na ja, das war zwar kein Trost, aber durch seine Bemerkung war ich mir wenigstens sicher, dass es nicht an uns und unserer Angelmethode lag, dass wir bisher nichts gefangen hatten.
Ich hatte von den Bootstouren, die nichts eingebracht hatten (bis auf den Barsch), die Nase so voll, dass ich mich am nächsten Tag weigerte wieder ins Boot zu steigen. So beschlossen wir noch einmal mit dem Auto an die Treene zu fahren und dort unser Glück vom Ufer aus zu versuchen. Vorher gingen wir noch einmal zum Hafen um Köderfische zu fangen. Die Jungen warteten schon auf uns. Als wir ihnen von der verschwundenen Rute erzählten, wollten alle gleich Detektiv spielen. Demjenigen, der sie uns zurückbrächte, versprachen wir eine Belohnung.
Die Ufer an der Treene waren leider sehr verkrautet und es dauerte eine Zeit, bis wir eine geeignete Stelle gefunden hatten. Neben unserem Angelplatz gab es eine Wiese, auf der in einiger Entfernung Kühe weideten. Als sie uns bemerkten, kam plötzlich die ganze Herde angelaufen und begaffte uns neugierig. Das war zwar eine nette Abwechslung, aber gefangen hatten wir an diesem Tag wieder nichts.
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Beim nächsten Bootsangeln nahmen wir vorsichtshalber einen Regenschirm mit. Das war auch gut so, denn kaum waren wir ein paar Kilometer gefahren, fing es wieder an zu schütten. Der Schirm hielt mich zwar etwas trocken, aber das Ideale war es auch nicht. Nicht nur, dass ich wieder nass wurde, ich fror dieses Mal auch ganz erbärmlich. Und gebissen hatte auch wieder nichts. Zwei Wochen Angelurlaub an der Treene und Eider ohne Fische! Welch ein Reinfall.
Zum letzten Mal gingen wir zum Hafen. Als wir die Jungens dort trafen und ihnen sagten, dass wir nur noch einen Tag da wären, waren sie enttäuscht. Achim Spinnrute hatten sie nicht ausfindig machen können, obwohl sie überall nachgefragt hatten. Zum Dank für ihre Mühe bekamen sie von uns ein Päckchen Haken und eine Dose mit Maden geschenkt.
Vielleicht hätte mir die Zeit in Süderstapel besser gefallen, wenn wir wenigstens trockenes Wetter und etwas Sonnenschein gehabt hätten. Aber so konnten wir nicht einmal eine Fahrradtour unternehmen. Erst am letzten Urlaubstag schien ein wenig die Sonne. Das nutzen wir aus um uns ein wenig Friedrichstadt, auch "Holländerstädtchen" genannt, anzuschauen. Es gab dort viele Grachten und Giebelhäuser und vor jedem Haus stand ein Rosenbäumchen. Der Marktplatz gefiel mir besonders gut, auf ihm stand ein Brunnenhäuschen im gotischen Stil und in dem ehemaligen Amtsgericht, welches heute ein Cafe-Restaurant beherbergt, konnte man sehr gut essen. Auch sonst gab es viele Sehenswürdigkeiten. Auch der kleine Angelladen, den wir mehrmals besucht hatten, um uns mit frischen Ködern zu versorgen, gefiel mir gut.

Ursula Kluck
Uschis Angelseiten: http://www.unsereseite.de/uschi
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