|
Artikel als .pdf herunterladen (40 KB) !?
Interview mit Ministerpräsident Harald Ringstorff
 |
Es gibt ja nicht nur den "normalen" Angler, sondern auch viele Prominente und sogar einige Politiker gehen angeln.
Gerade angelnde Politiker, möglichst in verantwortlicher Stellung, sind ja schon deswegen interessant, weil diese ja auch mitentscheiden über Gesetze die uns Angler betreffen.
Wenn dann ein Politiker sogar Ministerpräsident eines Landes ist und somit eine gewisse "Richtlinienkompetenz" auch bei Entscheidungen hat, welche die Angler betreffen, ist es wohl kein Fehler, wenn man mit so einem Menschen spricht.
Harald Ringstorff ist nicht nur Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch Angler.
Daher haben wir bei ihm angefragt, ob er für ein Interview mit unserem Online - Magazin www.Anglerpraxis.de zur Verfügung stehen würde. Dies wurde gleich zugesagt und recht schnell umgesetzt.
|
Herzlichen Dank dafür hier nochmal von unserer Seite. Im Folgenden das Interview rund um anglerische Themen mit dem Ministerpräsidenten:
1. Wann haben Sie angefangen zu angeln?
Als Schuljunge, wie sicher die meisten Angelfreunde. Wenn man wie ich in einer von Wasser gesegneten Gegend aufwächst, liegt das nahe. Meine erste Angel war selbstgefertigt aus einer Haselnussgerte, etwas Sehne mit Haken und einer Pose aus einem Flaschenkorken.
2. Welches sind Ihre bevorzugten Angelmethoden?
Das Spinnangeln auf Barsch und Hecht.
3. Welches ist Ihr "Hausgewässer"?
In meiner näheren Umgebung gibt es viele schöne Seen. Aber ein ausgesprochenes „Hausgewässer“ habe ich nicht, auch weil ich im Alltag keine Zeit für das Angeln finde.
4. Finden Sie überhaupt noch Zeit zum Angeln?
Wie schon gesagt, der Arbeitsalltag lässt dafür keinen Freiraum. Aber im Urlaub steht dieses Hobby mit an erster Stelle. Im letzten Jahr war ich beispielsweise in Norwegen. Dort war das Angeln ein ganz besonderes Erlebnis für mich.
5. Essen Sie auch Ihre selbstgefangenen Fische?
Es soll ja Angler geben, die keine Fische essen. Aber ich esse sehr gern Fisch, ob nun selbstgefangen oder beim Fischer gekauft, spielt dabei keine Rolle. In Mecklenburg-Vorpommern kann man selbstverständlich auch exzellent Fisch in Restaurants essen.
6. Ihr Lieblingsfischrezept?
Gebratene Zanderfilets. Sie sind ganz einfach zuzubereiten. Man benötigt dafür
| • | Zanderfilets |
| • | Salz |
| • | Weißer Pfeffer |
| • | Zitronensaft |
| • | Mehl |
| • | Öl |
| • | Butter |
Die Fischfilets waschen und trocken tupfen, salzen und pfeffern und mit Zitronensaft beträufeln. In Mehl wenden, dabei überschüssiges Mehl wieder abklopfen. Das Öl in der Pfanne erhitzen und die Fischfilets von beiden Seiten kurz anbraten. Butter dazugeben und unter Wenden in wenigen Minuten fertig garen.
Die Fischfilets auf bunten Salatblättern anrichten. Dazu kann man sehr gut Bratkartoffeln servieren.
7. Für wie wichtig halten Sie die Angler als wirtschaftlichen Aspekt, wenn man bedenkt dass gerade Angler häufig in der touristischen Nebensaison kommen und damit für eine bessere Auslastung sorgen können?
Nicht weniger als 1,5 Millionen Bürger in Deutschland, darunter immer mehr Mädchen und Frauen, gehen regelmäßig angeln und geben dafür nach Branchenschätzungen im Durchschnitt mehr als 200 Euro jährlich aus. Das ergibt einen Umsatz allein im Fach-handel von rd. 350 Mio. Euro im Jahr. Hinzu kommen die mit dem Angeln in Verbindung stehenden Umsätze für Bootscharter, Unterkünfte, Spezialreisen und alle sonstigen in einem gelungenen Angelurlaub anfallenden Ausgaben.
Angler bevorzugen aus Erfahrung eher das Frühjahr und den Herbst als Saison, ganz raue Burschen gehen bei uns sogar im Winter auf die zugefrorenen Seen und fischen erfolgreich unter Eis. Für das Angeln ist damit im Gegensatz zu anderen Tourismus-sparten im ganzen Jahr Saison, auch wenn noch immer der Sommer ganz klar auch hier die Hauptsaison bleibt. Also Angler sind für das Tourismus-Land Mecklenburg-Vorpommern eine ganz entscheidende Zielgruppe.
8. Unternehmen Sie persönlich oder die Regierung von M-V etwas, um gezielter die Angler als Zielgruppe für natürlichen Tourismus in M-V zu gewinnen?
Nehmen wir z.B. den neuen Touristenfischereischein. Diesen haben wir zum 1. Juli und damit noch rechzeitig für die Haupturlaubssaison in unserem Bundesland eingeführt. Die Landesregierung hat darüber im Vorfeld mit allen Interessenverbänden gesprochen und für eine gästefreundliche Einstiegsvariante geworben. Die Praxis wird zeigen: Der Nutzen liegt deutlich über etwaigen Risiken. Wer einen Touristenfischereischein erwirbt, wird über die Regeln im Umgang mit den Fischen und im Natur- und Umweltschutz informiert. Von Verletzungen des Tierschutzes und von Tierquälerei würde ich hierbei nicht ausgehen. Insofern muss ich den Befürchtungen unseres Landesanglerverbandes klar widersprechen.
9. Es gibt ja viele Gesetze, die Anglern unverständlich sind, wie ist Ihre persönliche Meinung dazu.
Das Fischereigesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern als die maßgeblichste Rechtsnorm haben wir gerade erst novelliert und deutlich verbessert. Es wurde sowohl im Umfang verkleinert als auch im Inhalt präzisiert.
Jeder Bürger der angeln will, hat aber auch die Pflicht , sich umfassend zu informieren. Beispielsweise über die Eigentumsverhältnisse an einem Gewässer. Wer ohne die Erlaubnis des Fischereirechtsinhabers angelt, muss mit Strafen rechnen. Das halte ich für gerechtfertigt.
10. Zum Beispiel der übertriebene Schutz von Kormoranen, der dazu führt, dass teilweise genetisch wertvolle Bestände einheimischer Fischarten ausgerottet werden.
Ja, der Schutz vor Kormanen aber auch der Schutz des Kormorans bewegt viele Gemüter. Studien insbesondere aus Süddeutschland, wo der Kormoran erst seit einigen Jahren Stammgast ist, besagen, dass der Kormoran ganze Fließgewässerabschnitte „leergefischt“ haben soll. Das Kormoranproblem kann man aber nicht über Fischereigesetze lösen. Es ist vielmehr ein Paradebeispiel dafür, dass ein europaweit abgestimmtes Vorgehen - hier im Naturschutzrecht - nötig ist und es hierbei auf eine Intervention der Europäischen Kommission ankommt.
11. Zum Beispiel das Thema "Catch and release", dass also in Deutschland Angler gezwungen sind, mäßige Fische abzuschlagen, um dem Gesetz (vernünftiger Zweck) Genüge zu tun, obwohl viele Beispiele aus den Nachbarländern zeigen, dass ein vernünftiger Umgang mit dem Zurücksetzen von Fischen die Bestände nachhaltiger wachsen können.
„Fangen und wieder zurücksetzen“ – so die grobe Übersetzung - hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die Fische nur zum Spaß geangelt werden sollen. Auch wenn die Tiere nicht getötet werden, sondern vom Haken abgenommen und wieder ins Wasser gesetzt werden, hat man ihnen Schmerzen zugeführt. Hier greift das Tierschutzgesetz – wonach man Wirbeltieren keine Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen sollte. Beim Angeln sollte doch eigentlich der Wunsch, Fische zu angeln, die dann auch verzehrt werden, an erster Stelle stehen. Bei „Catch and release“ liegt der Verdacht einer Trophäenjagd nahe. Ich weiß allerdings auch, dass in vielen europäischen Ländern trotz gleichrangiger Tierschutzgesetzgebung „catch and release“ akzeptiert oder toleriert wird. Entscheidend ist letztlich der Umgang mit unseren Mitgeschöpfen in jedem Einzelfall.
12. Zum Beispiel das Thema Angelschein am Meer, denn durch die Möglichkeit, ohne große bürokratische Hemmnisse im Meer angeln zu können, wird der Tourismus nachhaltig unterstützt.
Ohne bürokratische Hemmnisse - das unterschreibe ich sofort, und darum bemühen wir uns ständig. Aber nachhaltiger Angeltourismus funktioniert nur bei guten Fischbeständen im Binnenland und im Küstenmeer. Dafür muss man etwas tun. Das Land Mecklenburg-Vorpommern als Rechtsinhaber in den Küstengewässern nimmt dabei eine besondere Verantwortung war. Bestes Beispiel dafür ist die Meerforelle: Seit fast zehn Jahren wird deren heimischer Restbestand in Warnow, Hellbach und Beke aufgepäppelt und die Erfolge - auch der Angler an der Küste! - sind beeindruckend. Neben der Meerforelle kümmern wir uns auch um andere kommerziell interessante als auch gefährdete Arten wie z. B. Baltischer Stör, Hecht, Aal, Quappe, Ostseeschnäpel oder Dorsch. Dies alles ist aufwändig und kostet Geld. Deshalb ist es richtig, die Angler als unmittelbare Nutznießer mit vergleichsweise niedrigen Kostenbeiträgen für Angelerlaubnisse in die Finanzierung einzubeziehen.
13. Zum Beispiel das Thema Umweltschutz, wenn man an die Kadetrinne und die zu erwartenden bzw. schon eingetretenen Tankerunglücke denkt, die ja auch die Küsten von M-V bedrohen und damit im Falle, dass beim nächsten Male die Ölteppiche nicht nach Dänemark treiben, dem Tourismus nachhaltig schaden würden …
Diese Sorge treibt viele verantwortungsbewusste Menschen in unserem Lande um, und ich stelle mich hier bewusst an die Spitze einer Agenda für deutlich verbesserte Sicherheitssysteme, sowohl präventiv als auch zur Schadensbegrenzung im hoffentlich ausbleibenden Ernstfall. Der reale Schaden für alle Tourismussparten an der Ostsee-küste, für die Fischerei im Besonderen und nicht zuletzt für das Image unseres Landes als Tourismushochburg, als Natur- und Wassersportland wäre unermesslich. Deshalb engagiert sich Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit anderen Ostseeanrainerstaaten für eine verbesserte Schiffsicherheit, die sich u.a. in einem Verbot von Einhüllentankern oder auch die Einführung der Lotsenpflicht in besonders komplizierten Fahrrinnen, wie z.B. der Kadetrinne.
14. Ist es bei solchen Fragen von Bedeutung, dass Sie selber Angler sind?
Einen Lebensbereich aus eigener Erfahrung oder Anschauung zu kennen, ist immer nützlich. Dies hilft Extrempositionen zu vermeiden und die erforderliche Ausgeglichenheit bei Streitfragen zwischen den verschiedenen Interessengruppen zu wahren. Scharfe Umweltaktivsten beispielsweise, deren Motive meist überaus lauter sind, kommen oft aus naturfernen Lebensverhältnissen. Mit ihren Maximalforderungen, gepaart mit einem Schuss intellektueller Arroganz, stoßen sie viele Menschen, die bei uns in und von der Natur leben müssen bzw. wollen - so auch Fischer und Angler, gelegentlich gehörig vor den Kopf. Treffen dagegen praxiserprobte Realisten aufeinan-der, findet man schneller und effektiver zu den meist unumgänglichen Kompromissen.
Wir bedanken uns für das Interview.
|