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PLATIL – was Sie schon immer über Angelschnur wissen wollten

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Für einen Angler sind Schnüre etwas Alltägliches, doch nur die wenigsten wissen, wie eine Angelschnur produziert wird und worauf es beim Gebrauch dieser wichtigen „Verbindung“ zwischen Fisch und Angler ankommt.

Der Stoff, aus dem die Angelschnüre sind, sieht aus wie grobkörniger Zucker. Es sind harte, milchige Körner aus Polyamid (oder PVDF - Polyfluorcarbon > „Ghost“), welches in den 40er/50er Jahren auch unter dem Namen „Nylon“ weltweit bekannt wurde. Polyamid besteht aus Molekülen, die man sich fadenförmig ineinander verknäult, wie einen Haufen Spaghetti vorstellen muß. Am Anfang einer Produktionsstraße wird der Rohstoff über ein kurzes Rohrsystem in die Maschine, den sogenannten Extruder verbracht. Dessen Funktionsprinzip ähnelt dem eines „Fleischwolfes“ > eine sich in einem Rohr drehende Schnecke transportiert das Polyamid-Granulat in Richtung Spinnpumpe. Auf diesem Weg wird der Rohstoff auf über 250°C erhitzt und damit verflüssigt.

Die Spinnpumpe preßt nun mit hohem Druck die flüssige Masse durch ein mit vielen kleinen Löchern versehenes Werkzeug, die Spinndüsen. Es können je nach Durchmesser bis zu 80 Fäden „ausgesponnen“ werden, bei zwei Spinnpumpen bedeutet dies die Herstellung von bis zu 160 Fäden gleichzeitig. Die noch flüssigen Fäden „fallen“ zwecks Abkühlung und Stabilisierung in ein vortemperiertes Wasserbad. Nach dem Wasserbad folgt nun der „Trick“ des Verstreckens, der aus dem noch unbrauchbaren Faden eine qualitativ hochwertige „PLATIL-Schnur“ machen kann. Die Fäden werden hierbei unter großer Hitze mehrfach in die Länge gezogen um die eingangs erwähnten Moleküle aus ihrem Knäuel zu „befreien“ und in Längsrichtung zu bringen. Die Angelschnur wird dünner und fester und nähert sich der bei Anglern hoch geschätzte Reißfestigkeit. Damit die Moleküle nicht wieder unkontrolliert „zurück springen“, folgt nach der 3-fachen Verstreckung noch ein letzter Ofendurchlauf bei ca. 170°C. Der Faden kann hier noch einmal „relaxen“ und schrumpft ein wenig, damit die Moleküle ihre endgültige Position erhalten. Zum Nachweis, daß auch alle Schnüre von Anfang bis Ende kreisrund durchmessergenau sind steht am Ende der Produktion (noch vor dem Aufspulen) ein Lasermeßgerät, welches Abweichungen mittels Ausdruck dokumentiert. Diese Dokumentation ermöglichte PLATIL als erste Angelschnur die DIN ISO 9001 Zertifizierung. Vor der Aufwicklung auf Großspulen mit mehreren km Lauflänge erfolgt noch eine schützende Oberflächenbehandlung.

Nun gehen Muster zum 3-fachen Test an das Labor. Die Freigabe erfolgt nach Abschluß der Reißfestigkeits- und Knotentests und somit kann die nächste Platil-Schnur eine neue erfolgreiche Verbindung zwischen Angler und Fisch herstellen.

Was Angler über Angelschnurqualität wissen sollten

Warum sind Schnüre gleichen Durchmessers oft verschieden fest?

Je stärker man eine Schnur verstreckt, desto reißfester, aber auch weniger geschmeidig und abriebfest ist sie. Auch können kleine Unterschiede im Rohstoff sich auf die Qualität auswirken. Es gibt Firmen die Schnur nur „umspulen“ lassen und Firmen wie Platil, die selber forschen, entwickeln und herstellen..

Wann sollte eine Angelschnur ausgewechselt werden ?

Spätestens wenn sich rauhe Stellen zeigen sollte man die Schnur auswechseln ; auch wenn man helle Verfärbungen erkennen kann. Ziehen Sie vor dem Gebrauch 3-4 Rutenlängen ab und machen Sie die Reißprobe mit gewohntem Knoten

Wie sollte man Angelmonofile pflegen bzw. lagern?

Nylon ist ein „lebendiger“ Kunststoff, es kann Feuchtigkeit aufnehmen, aber unter trockenen Lagerbedingungen auch wieder abgeben. Setzen Sie deshalb Ihre Schnur nicht länger als nötig UV-Strahlung aus (Ausnahme Platil Ghost aus PVDF); lagern Sie die Schnur dunkel und nicht trocken, am besten im Keller. Reinigen Sie ihre Schnur nach Gebrauch mit klarem Wasser um unnötigen Abrieb durch Schmutz zu vermeiden.

Wie unterscheidet man gute und minder gute Schnüre ?

Zur Beantwortung dieser Frage ziehen die meisten Angler die verschiedenen Etikettenangaben heran. Dies bedeutet jedoch, sich nur auf teilweise sehr stark übertriebene Angaben zu verlassen. Wichtig sind hierbei im Zweifel die Überprüfung von Durchmesser und Tragkraft, welches sich für den Angler oft sehr aufwendig gestaltet: Ein guter Fachhändler sollte über eine Meßuhr ( zur Kontrolle des ø ) und über einen Schnurtester ( Kontrolle der Reißfestigkeit ) verfügen, um schon bei seinem Schnureinkauf Gutes von Minderwertigem zu trennen. Die einfachste Lösung ist sicherlich der Bezug einer qualitativ bekannten Markenschnur, im Falle von Platil sogar mit Garantie

Übrigens können Schnurtester u.a. über die Fa. WAKU bezogen werden (TypA > 0,10 - 0,27mm / TypB > 0,08-0,16mm)

Was sollte Schnur können bzw. was kann eine gute Schnur?

Für Fische unsichtbar, aber für den Angler gut zu erkennen, sollten Angelschnüre erfüllen können, und dies durch ihre Farbgebung unterstützen. Hier sei besonders auf Platil Ghost hingewiesen (aus PVDF), welche durch ihren dem Licht ähnlichen Lichtbrechungsfaktor nahezu unsichtbar ist. Schnur soll zudem geschmeidig und glatt sein, um problemlos durch die Rutenringe zu gleiten und als Halter von Haken und Köder für den Fisch nicht spürbar sein darf. Wohl kontrollierte Dehnung ist auch sehr wichtig, damit der Haken nicht ausschlitzt, und plötzliches Rucken beim Drill nicht bis in die Rolle voll durchschlägt. Bei zu hoher Dehnung geht dem Angler die Sensibilität der Schnur verloren und der Biß ist kaum spürbar oder der Anhieb mißlingt wegen zu großer Distanz.

Dem Angler das Wichtigste ist die Tragkraft. Hier unterscheidet man zwischen linearer Festigkeit und Knotenfestigkeit. Angegeben wird auf dem Spulenetikett meist nur die lineare Tragkraft und nur in wenigen Fällen die praxisnähere Knotenfestigkeit, da diese vom verwendeten Knoten abhängt und höchst unterschiedlich ausfallen kann. Die besten Ergebnisse haben wir bei Platil mit mehrfachen Schlaufenknoten gemacht > hier wurden Werte von bis zu 100% der linearen Festigkeit erreicht ; eher die Ausnahme bei Knotenfestigkeiten. Angegeben wird die Festigkeit in kg oder auch im meist englischsprachigen Raum in lbs , die Abkürzung für das engl. pound (1lb = 454gr.). „lbs“ ist ein wichtiger Wert für IGFA-Schnüre , ein sogenanntes „Bester Fisch mit einer bestimmt eingestuften Schnur – System“ (IGFA = International Game Fishing Association).

Leider lassen sich in letzter Zeit , aufgrund des zunehmenden Wettbewerbsdruck, immer mehr Schnuranbieter dazu hinreißen ihre auf dem Etikett abgedruckten Tragkraftwerte um bis zu 60% und mehr zu übertreiben, welches schon fast als vorsätzlicher Betrug anzusehen ist.

Mit heutiger weltweit verfügbarer Technologie sind folgende Anhaltswerte bei monofilen Angelschnüren maximal zu erreichen

0,10mm > 1,2kg
0,16 > 2,7kg
0,20 > 4,0kg
0,25 > 6,2kg
0,30 > 8,5kg
0,40 > 14,5kg
0,50 > 22,0kg.

 
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Andere, höhere Tragkraftwerte gehören in das Reich der Phantasie bzw. sind mit äußerster Vorsicht anzusehen. Natürlich kann eine 20er Schnur auch 5,0 oder 5,5kg Tragkraft besitzen, doch dann ist es beim Nachmessen des Durchmessers wohl keine Überraschung, wenn die gemessenen Stärke bei 0,25mm liegt. „Geschwindelt“ wird in dieser Branche nicht nur an vielen Ecken und Kanten, sondern auch mit sehr viel Einfallsreichtum. Der Durchmesser einer Schnur kann von mehreren Seiten „beleuchtet“ werden.

Naturgemäß sind Fäden mit dickerem Querschnitt auch steifer, fester und weniger dehnbar wie dünnere Fäden des selben Materials. aber auch bei den feineren Schnüren gibt es überraschend gute Festigkeiten. Mit dünnen Schnüren kann man besser werfen als mit dicken, und es läßt sich das gefürchtete Kringeln („Perücken“) vermeiden. Hat es Sie doch einmal erwischt, so nehmen Sie sich einen Angelfreund, rollen Sie die Schnur komplett auf einer Wiese ab und holen Sie den Faden, langsam durch das Gras ziehend, wieder auf die Rolle zurück. Je dünner die Angelschnur ist, desto kleiner ist auch ihr Wasser- und Luftwiederstand, und die unangenehmen Schnurbäuche über und unter Wasser treten nicht auf. Letztendlich sollte eine „perfekte“ Schnur langlebig und pflegeleicht sein. Die Langlebigkeit kann durch eine Oberflächenbehandlung, wie sie bei uns geschieht, unterstützt werden. Die Pflegeleichtigkeit geht einher mit der Beachtung der o.g. Lagerungs- und Pflegetips.

Zu guter letzt noch einige Begriffe im Schnelldurchlauf:

Abrieb

entsteht überall da , wo die „weiche“ Schnur auf harte Gegner trifft; Steine, Kanten, unsauber gearbeitete Rutenringe etc.

Bruchdehnung

der prozentuale Anteil um den die Schnur bis zu ihrem Bruch gestreckt werden muß; je höher dieser Wert ist, desto weicher ist die Schnur

Färbung der Schnur

abgestimmt auf die jeweiligen Umgebungs- bzw. Wasserverhältnisse; man unterscheidet „spinngefärbte“ Schnüre (hier wird die Schnur durch und durch bei der Produktion eingefärbt) und „badgefärbte“ Schnüre (hier wird die Schnur nachträglich im colorierten Wasserbad bei genau definierter Temperatur eingefärbt / dieses Verfahren wird nur von wenigen spezialisierten Firmen durchgeführt, ist zwar flexibler in bezug auf die Farbenvielfalt, aber auch aufwendiger wegen der notwendigen Ausrüstung und den Produktionsauflagen)

Festigkeit

die lineare Festigkeit wird ohne Knoten ermittelt, indem man 1mtr. Schnur in eine Reißprüfmaschine einspannt und bis zum Schnurbruch auseinander fährt ; dagegen ermittelt man die Knotenfestigkeit nach gleichem System dann mit einfachem Überhandknoten oder mit praxisgerechtem 3-fach-Schlaufenknoten

„Kringeln“ der Schnur

auch Perückenbildung genannt, kann durch den Einsatz dünnerer Schnur vermindert werden

Rohstoffe

der Stoff aus dem die Schnüre sind kann sein:

Polyamid (Monofile)
Polyfluorcarbon auch PVDF genannt (Monofile, „Ghost“)
Dynema oder Spectra (geflochtene Schnüre)



PVDF

der Lichtbrechungsfaktor von 1,42 ist dem von Wasser (1,33) sehr ähnlich, daher ist PVDF in Wasser wenig sichtbar; UV-Beständigkeit liegt bei ca. 20 Jahre, da die UV-Strahlen durchgeleitet werden ; schnell sinkend, da mit 1,78 spezif. Gewicht ist PVDF 78% schwerer als Wasser ; keinerlei Feuchtigkeitsaufnahme ; absolut schmutzabweisend durch sehr glatte Oberfläche ; sehr hohe Wurfpräzision durch hohes Eigengewicht

Toleranzen

da Polyamid ein „lebendes“ Material ist, also Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben kann, schwankt der Durchmesser auch ein wenig je nach (trockener oder feuchter) Lagerung > diese Schwankung liegt bei ca. 0,005 mm ; zudem gibt es vorgegebene Produktionstoleranzen, bedingt durch technische Möglichkeiten bzw. techn. Begrenzungen > Produktionstoleranzen liegen bei etwa 0,01 mm ; eine Durchmesserabweichung bei einer 20er Schnur auf einen Wert von 0,24 oder 0,25 mm kann sicherlich nicht mehr als Toleranz angesehen werden, sondern eher als vorsätzliche Schwindelei

Tragkraft

angegeben in kg (oder lbs) ist sie dem Angler wichtigster Parameter um die richtige Schnur für den richtigen Fisch(fang) zu nehmen ; wird meist nur linear (ohne Knoten) angegeben und ist zusammen mit dem Preis oft kaufentscheidend, obwohl in vielen Fällen nicht korrekt (stark übertrieben)



Dirk Sowietzki, Platil




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