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Uschis Angelerlebnisse Teil 10

Eine etwas ungewöhnliche Art einen Fisch zu fangen

Bevor das Jahr zu Ende ging wollten wir noch einmal zum Angeln fahren. Eigentlich hätten wir im Bett liegen bleiben sollen, denn wir hatten bis ca. 3 Uhr in der Nacht in den Geburtstag meiner Schwester hineingefeiert und davon immer noch einen leichten Kater. Aber nach einer Tasse starken Kaffee und einer Aspirin verschwand er bald wieder. Außerdem hatten wir tags zuvor schon Maden und Würmer eingekauft, die darauf warteten, als Köder angeboten zu werden. Also überlegten wir nicht lange, packten unsere Sachen, nahmen vorsichtshalber noch 3 Köderfische aus dem Gefrierschrank mit und starteten so gegen 14 Uhr in Oerlinghausen Richtung Minden.

Als wir auf der Autobahn über die Weserbrücke fuhren, sahen wir, dass der Fluss immer noch einen erhöhten Wasserstand aufwies und die Ufer größtenteils überschwemmt waren. Das Angeln vom Ufer aus war deshalb immer noch nicht möglich. Ich fand das sehr schade, denn es war sozusagen die letzte Möglichkeit in diesem Jahr dort auf Zander und Hecht zu angeln. Die Schonzeit in NRW ist laut Fischereiverordnung für Hecht vom 01.2. bis 15.04. und für Zander vom 01.04. bis 31.05. festgelegt, aber der FV Minden hatte die Schonzeit für beide Raubfische in der Weser auf den 01.01. vorverlegt und sogar bis zum 30.06. verlängert. Nur im Mittellandkanal und Hafen dauerte die Schonzeit nicht so lange, nämlich vom 15.02. bis 31.05.

Also entschlossen wir uns zum Industriehafen zu fahren und dort unser Glück zu versuchen.

Die Wetterlage hatte sich in den letzten Tagen ständig verändert, einmal waren es Temperaturen unter 0° C., dann wieder um die + 10° C. Ich bezweifelte, dass bei diesen Temperaturschwanken die Fische überhaupt bissen.

Im Industriehafen trafen wir 2 Angler an, die jedoch schon bald wieder ihre Sachen einpackten, weil – wie sie meinten – wirklich nichts biss. Im Hafenbecken selbst, also an der Stelle, wo wir am liebsten angelten, schwammen noch viele Eisschollen auf dem Wasser, die das Werfen nur beschränkt möglich machten Aber ein Stück weiter nach links war das Wasser eisfrei und deshalb bauten wir nach kurzer Überlegung dort unsere Ruten auf.

Es war so kurz vor 17 Uhr, als ich mit meiner Schwester telefonierte und sie mich fragte, ob wir schon etwas gefangen hätten. „Hier tut sich absolut nichts. Nicht einmal einen Weißfisch kriegen wir ran“, antwortete ich.

Nach dem Gespräch holte ich meine Grundrute aus dem Wasser und bestückte sie erneut mit einem Madenbündel. Immer optimistisch bleiben, dachte ich bei mir. Ich warf die Rute aus und als das Blei auf dem Boden war, zog ich die Schnur etwas stramm. Dann ging ich zu meinem Stuhl zurück und setzte mich. Als ich zu der Rute hinüber sah, bemerkte ich, dass sich die Spitze nach unten gebogen hatte. Ich ging noch einmal hin, gab etwas mehr Schnur, so dass die Spannung aus der Spitze verschwand. Dann setzte ich mich erneut auf meinen Stuhl. Ich zündete mir eine Zigarette an und sah unentwegt zu meiner Grundrute rüber. Irgendetwas stimmt damit nicht, dachte ich. Vielleicht hatte ich ja einen Hänger? Ohne anzuschlagen nahm ich die Rute hoch und holte die Schnur ein. Anfangs ging es sehr leicht, doch mit einem Mal spürte ich, dass etwas dran war. Sicher ist das ein Stück Ast oder in der Richtung, dachte ich bei mir. Ich drillte ruhig weiter und sah plötzlich, dass sich die Schnur bewegte. Erst zog sie nach rechts und dannwieder nach links.

„Achim, komm mal. Ich glaube, ich habe etwas dran“, rief ich. Was das war wusste ich noch nicht. Fühlt sich etwa so ein Fisch an?

Sofort kam er mit dem Kescher zu mir und sagte: „Ganz ruhig bleiben und weiterdrillen“.

Nun spürte ich aber doch, dass ich einen Fisch am Haken hatte. Als er fast am Ufer war sagte Achim zu mir: „Das ist ein Zander“.

„Das gibt’s doch nicht! Einen Zander auf Maden? Das kann doch gar nicht sein!“, antwortete ich ihm.

„Bleib ruhig und sei leise“.

Der Fisch zog sehr stark und nahm immer wieder Schnur. Beinahe hätte ich wieder den Fehler gemacht und die Bremse zu fest eingestellt, aber Achim sah es sofort und hielt mich davon ab. Es dauerte nicht lange und er hatte den Fisch im Kescher. Jetzt sah auch ich es. Es war wirklich ein Zander. Ein Weihnachtszander! Er war zwar nicht sehr groß sondern hatte „nur“ das Mindestmaß von 50 cm (wann erwischte ich endlich mal einen größeren?), aber immerhin hatte ich an diesem Tag einen Zander gefangen. Ich betäubte den Fisch und wollte den Haken aus seinem Maul lösen. Aber wo war der Haken? Ich fand keinen! In seinem Maul steckte jedenfalls keiner. ‚

Während ich noch den Haken suchte, sagte Achim zu mir: „Guck dir mal an, wo der gehakt hat.“

Und nun sah ich es auch. Der Haken mit den Maden steckte in der linken Bauchseite! Der Zander hatte also nicht auf die Maden gebissen, sondern musste am Grund gestanden und den Haken in die Seite kommen haben, als ich die Schnur nach dem Auswerfen strammzog. Das erklärt, warum sich die Rutenspitze danach sofort so stark nach unten bog. Vielleicht hatte der Zander es auch gar nicht gemerkt, dass ein Haken in seiner Seite steckte oder aber er war zu träge und hatte deshalb nicht sofort einen Fluchtversuch unternommen.

Das wollten wir unbedingt im Bild festhalten. Als das Foto gemacht und der Fisch versorgt war, meinte ich im Spaß zu Achim: „Ich muss gerade daran denken, wie ich den Hecht mit einem Tauwurm gefangen hatte und nun diesen Zander mit Maden. In Zukunft werde ich die Fische nur noch auf diese merkwürdige Art fangen. Alles andere ist doch langweilig. Meine neuen Methoden sind eindeutig fängiger!“

Leider ist das Foto, welches wir im Industriehafen von dem Zander gemacht hatten, nichts geworden! Also holten wir das Bild mit dem Weihnachtszander an nächsten Morgen unter dem Weihnachtsbaum nach.

0905_weihnachtszander.jpg





Ursula Kluck
Uschis Angelseiten: http://www.angelberichte.de



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