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Spinnfischen auf Forellen im Fluss
Wie sieht ein erfolgreicher Angeltag auf Forellen aus? Beim Spinnfischen an einem mehr oder weniger naturbelassenen Fluss müssen wir zunächst mal auf zweckmäßige Kleidung achten. Wenn das Ufer nicht leicht zu begehen ist, empfehlen sich robuste Wanderschuhe, auch sollte die Kleidung einigermaßen Schutz gegen Insekten und Dornen bieten.
Unser Gepäck sollte möglichst leicht sein. Wenn wir die Wasseroberfläche gut erreichen können und noch dazu durchs Gestrüpp müssen, verzichten wir lieber auf einen Kescher.
Ebenfalls zur Vorbereitung gehört das zurechtstutzen der Köder: Drillinge werden durch Entfernen eines Schenkels zu Zwillingen, welche sich viel leichter aus dem Maul einer Untermassigen entfernen lassen.
Oft Vorschrift und bei mir schon zur festen Gewohnheit geworden, ist das Flachdrücken der Widerhaken. Köder sind übrigens in erster Linie Spinner, aber auch kleinere Wobbler erfüllen ihren Zweck. Wir nehmen ein kleines Sortiment mit, wobei darauf geachtet wird, verschiedene
Grössen und auch ein paar extra schwere, tiefer laufende Modelle dabei zu haben.
Wenn wir das Gewässer gut kennen und auch über den Wasserstand im Bilde sind, können wir das Sortiment natürlich darauf abstimmen.
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Am Wasser angekommen, gilt es dann zunächst mal einen Köder zu wählen, der unter den gegebenen Umständen erfolgversprechend scheint.
Ausschlaggebend ist dabei in erster Linie der Wasserstand: Je höher und schneller das Wasser ist, um so grösser und schwerer muss der Köder sein.
Die Farbe ist erst mal nicht so wichtig, ich fange meist mit goldenen oder silbernen Spinnern an, wie z. B. Mepps Comet oder Aglia Long. Wenn das Wasser sehr klar ist, kommt noch ein Fluorocarbonvorfach zwischen Köder und geflochtene Hauptschnur. Die Schnüre verbinde ich dabei mit einem kleinen Wirbel, der Köder wird direkt ans Vorfach gebunden. Ich verwende dazu ausschließlich den Trilene-Knoten, wobei die Geflochtene doppelt gelegt wird.
Jetzt sind wir bereit, für die ersten Würfe. Ich bevorzuge es dabei, mich stromab von vermuteten
Standplätzen zu positionieren. Gerade wenn das Ufer schwer zugänglich ist, werfe ich jedoch alle potentiellen Standplätze an, die ich von meiner Position erreichen kann, egal ob stromab oder stromauf. Aber die gerade grossen Forellen stehen gerne in den tieferen Rinnen etwas vom Ufer entfernt, und die lassen sich mit einem Wurf stromauf halt viel besser abfischen.
Der Köder sollte dabei in der Regel so dicht wie möglich am Grund entlang geführt werden, den dort scheint er den Appetit der Forellen am meisten zu reizen.
Wenn ich bei einem Wurf gar keinen Grundkontakt hatte, probiere ich es oft nochmals mit langsamerer und somit tieferer Köderführung. Erstaunlich oft bringt das dann Erfolg.
Ebenso wiederhole ich gerne einen Wurf, der nicht nah genug ans Ufer ging. Besonders beim gegenüberliegenden Ufer, sollte der Köder wirklich nur wenige Zentimeter vom Land ins Wasser treffen. Bei diesen Wiederholungen wird dann oft klar, dass es kaum mehr als eine Handbreit ist, welche über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Dabei ist es wichtig, den Köder sofort nach dem Auftreffen aufs Wasser unter Kontrolle zu haben. Er soll, je nach Tiefe am Landeplatz, ein bisschen absinken, aber natürlich nicht festhängen. Wir wollen, möglichst von Anfang an, eine grundnahe Führung erreichen. Auch hier kann es sich lohnen, einen Wurf zu wiederholen, der sich vom vorhergehenden nur durch eine etwas längere Sinkphase unterscheidet.
Die Kontrolle des Köders gelingt am besten, wenn man schon während des Wurfes mit dem
Zeigefinger der Rutenhand die davonschiessende Schnur leicht berührt und gegen Ende des Wurfes so abbremst, dass der Köder nicht in Hindernissen oder am Ufer landet. Die Feinkontrolle der Wurfentfernung geschieht also durch Abbremsen der Schnur. Wenn der Köder dann aufs Wasser trifft, hakt der Zeigefinger in der Schnur ein und die andere Hand schliesst den Schnurbügel. Gleichzeitig wird die Rute, je nach den Erfordernissen, nach hinten bewegt, um ein zu tiefes Absinken des Köders zu verhindern.
Wenn wir mit dem Einkurbeln beginnen, bewegen wir die Rute dann wieder zurück in die übliche Position und kurbeln währendessen entsprechend schneller. Diese kompliziert scheinende Technik ist bei Würfen in flaches Wasser sehr wichtig und hat sich, außer am Forellenfluss auch schon beim Hechtfischen in holländischen Poldern und kasachischen Lagunen bewährt.
Beim Wurf stromab können wir uns diese Mühe in der Regel sparen, weshalb er wohl von vielen
bevorzugt wird. Nachdem wir jetzt ein bisschen geangelt haben, haben wir bestimmt auch schon ein paar kleine Forellen oder sogar eine massige gefangen, oder doch wenigstens ein paar Zupfer oder Nachläufer gespürt. Nun gilt es, die aktuelle Stimmung der Forellen zu erfassen, um den Rest des Tages noch erfolgreicher zu gestalten: beißen sie heute eher am Ufer oder etwas weiter draußen?
Gehen sie eher auf stromab oder stromauf geführte Köder? Laufen glänzende oder dunkle Köder besser? Muss der Köder in Bodennähe, oder steigen sie auch ins Mittelwasser? Gerade bei ufernah stehenden Fischen, empfiehlt es sich dann, die Würfe parallel zum eigenen Ufer besonders sorgfältig auszuführen und das gegenüberliegende sauber abzufischen. Man sollte es auch nicht versäumen, zugunsten von bekannten Hotspots (also Stellen, an denen man schon grosse Forellen gesehen hat) einige weniger produktive Strecken im Schnellverfahren abzufischen oder ganz zu überspringen.
Nachdem wir solchermaßen zu erfolgreichen Forellenfischern geworden sind, möchte ich es nicht versäumen, einen Appell an den gesunden Menschenverstand loszuwerden:
Gerade kleinere Gewässer, welche sich gründlich abfischen lassen, werden auch sehr leicht überfischt. Wenn der Bestand nicht leiden soll, sollte man deshalb nur hin und wieder einen Fisch entnehmen. Und während ein persönliches erhöhtes Schonmaß sicher sehr ehrenvoll ist, wäre dem Gewässer noch mehr gedient, wenn wir hin und wieder ein Exemplar der reichlich vorhanden Jahrgänge in Portionsgrösse entnehmen und dafür die selteneren Grossfische ganz verschonen.
Tilman Flegel
Anglerboard-Magazin April 2003
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