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Zanderglück

Eigentlich hatte ich gar nicht so recht Lust an diesem Novembersamstag um 6.00 Uhr aufzustehen um im Norder Tief auf Zanderfang zu gehen, aber zugesagt ist zugesagt und mit unserer Raubfischgruppe, die zur Zeit aus 2 Frauen und 5 Männern besteht, ist es auch immer sehr lustig. Außerdem war ich durch die Berichte meines Mannes und unserer Freunde, die schon einige Zander gefangen hatten, neugierig, was das für ein Gefühl ist, wenn man einen Zander fängt.


Seit 4 Jahren beangeln mein Mann Michael und ich jetzt schon die ostfriesischen Gewässer und außer Hecht und Zander fing ich bis dato eigentlich alles, was die hiesigen Meere und weitläufigen Kanäle an Fisch so beherbergen. Das ist gar nicht so einfach bei uns in Ostfriesland, denn bei 600 km Wasserwegen muss man die Stellen schon kennen, wo sich die Fische tummeln um nicht "Schneider" nach Hause zu gehen. (Ich muss aber zugeben, dass ich in erster Linie Sitzanglerin bin und mich nur selten zum Blinkern aufraffen kann.) Zum Glück haben wir Anglerfreunde, die hier geboren sind, die Stellen kennen und sie uns freundlicherweise auch gerne zeigen.


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Meine Ohren werden immer zu Rhabarberblättern, wenn die "Spezialisten" sich unterhalten. Durch gezieltes Nachfragen hole ich mir dann Tipps und versuche diese zu verwerten. Alles weitere kommt dann durch "Learning by doing".


Nach Einholen für mich wichtiger Informationen zu diesem Thema, entschied ich mich für eine Spinnrute mit einem Wurfgewicht von 30-60g, geflochtener 16er Schnur, einem rosa Gummifisch mittlerer Größe sowie einen 14er Bleikopf. Gegen 7.00 Uhr trafen wir uns dann mit unseren Freunden am vereinbartem Treffpunkt. Ich bezog einen Platz neben meiner Freundin Gerlinde und Ihrem Mann Karl. Nachdem wir uns erst mal mit einem Kaffee gestärkt hatten, erfolgten die ersten Würfe. Nach Beobachten anderer Angler auf Zanderfang, musste ich erst mal den für mich richtigen Rhythmus im Umgang mit Rolle und Rute finden. Da es immer noch dunkel war, war dies nicht so leicht. Ich fing an mit einer Drehung, kurze Pause, Drehung, kurze Pause usw... Es tat sich nichts. Bei den anderen aber auch nicht, was für mich hieß, das ich noch nicht unbedingt was falsch mache.


Langsam wurde es dann hell und es sah aus, als ob die Sonne später scheinen würde. (Nach den Aussagen der erfahrenen Angler hieß das: Kein Zandertag! ) Jetzt konnte ich meine Rutenspitze und die Schnur genau beobachten. Karl, der die Stelle wechseln wollte, gab mir den Tipp von einer Umdrehung auf zwei schnelleren Umdrehungen mit der Spule zu gehen, den ich auch annahm. Ich ließ nun die Rutenspitze und die Schnur nicht mehr aus den Augen und verließ mich ganz auf mein frauliches Gefühl! Es tat sich nichts. Nach einer halben Stunde machten Gerlinde und ich erst mal Kaffeepause. Wenn man das Kurbeln nicht gewohnt ist, geht das ganz schön in die Arme. "So, und nach einer anständigen Kaffeepause klappt es auch mit dem Zander", sagte ich zu meiner Freundin und warf aus. Nach dem dritten Wurf hatte ich das Gefühl einen Hänger zu haben und schlug, eher ungewollt, an. Ich drehte die Spule kurz weiter, da war doch Gegenzug? Langsam holte ich die Schnur ran, kaum Gegenwehr, und kurz vor meinen Füssen sah ich dann einen Zanderkopf, der, als er aus dem Wasser schaute, heftig seinen Kopf hin und her schüttelte. Ich bat Gerlinde mir beim Keschern zu helfen, denn ich wollte den Fisch nicht verlieren. Die anderen hatten bis dato noch nichts.


Nach gelungener Landung sahen wir uns den Zander genauer an. Es war einer der kleineren Sorte, ca. 49 cm groß, nur ganz leicht gehakt an der Außenkieme. Der Haken fiel noch im Kescher von alleine ab. Da der Fisch unverletzt war entließen wir ihn der Freiheit, damit er noch etwas wachsen kann. Ich freute mich wie ein Schneekönig und war ganz aufgeregt. So, wie bei meinem ersten großen Karpfen. Ich denke, dass ist normal bei Frau und Mann, wenn man eine Fischart zum ersten Mal fängt. Jetzt wusste ich natürlich, dass ich alles richtig mache, denn sonst hätte ja kein Zander gebissen. Wo einer ist, sind auch zwei, dachte ich, und warf wieder aus. Diesmal mit einem Gefühl der Selbstsicherheit. Und siehe da: Wieder ein Haker? Nein, diesmal spürte ich es anders, die Rutenspitze bog sich sehr stark, die Schnur spannte und ein Ruck durchzog die Rute. Gut, dass ich die Bremse nicht gelöst hatte. Das war aber was ganz anderes. Ich hielt die Schnur auf Spannung und holte langsam ran. Etwa 1m vor meinem Standort sah ich ihn dann. Ein dicker Kopf und schon kam die Wendung. Mit einer Welle versuchte der Zander sich nach unten weg zu drehen, ich hielt die Schnur gespannt und holte weiter ganz langsam rein. Gerlinde kam schon mit dem Kescher und hielt ihn vorsorglich ins Wasser. Nachdem der Zander ein paar Mal versucht hatte nach links und rechts unten wegzudrehen, hatten wir ihn doch glücklich gelandet.


Ostfrieslands Zanderglück

Abbildung 1: Ostfriesisches Zanderglück - fast schon beneidenswert


Ein toller Fisch: 68 cm und 2,5 Kilo, der musste natürlich mit. (Die anderen hatten immer noch nichts). Ich muss feststellen, dass das Angeln auf Zander viel leichter ist, als das Blinkern und das die gehakten Fische sich eher ruhig verhalten, dagegen ist der Drill mit einem Karpfen schon anstrengender.


Abbildung 2: Aber auch Kollege Esox lässt sich nicht lumpen...

Kollege Esox

Kurz danach fing mein Mann einen Hecht von 62 cm und in den Tagen darauf noch 4 weitere Zander zwischen 2,5 und 4 Kilo. Jetzt freuen wir uns auf ein Zanderfiletessen mit allen Freunden und mir fehlt nur noch der Hecht in meiner Fangstatistik.


Claudia Behrendt, Ostfriesland

Anglerboard-Magazin 2003


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